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Drei Superweitwinkel für Vollformat
Drei Testkandidaten mit drei unterschiedlichen Testergebnissen.
Produktfotos: © Hersteller

Im Test: Superweitwinkel für Vollformat von Laowa und Sony

Fast grenzenlos
29.11.2022

In Extrembereiche des Weitwinkel-Objektivbaus führt uns das Trio Laowa FF II 5,6/9 mm W-Dreamer, Laowa 4,5/15 mm Zero-D Shift und Sony FE 1,8/14 mm GM. Wie schlagen sich die spektakulären Festbrennweiten im Labor?

Es ist faszinierend zu sehen, wie die Grenzen des Machbaren im Objektivbau erweitert werden. Das trifft im Wortsinne auf die drei Objektive zu, die wir hier getestet haben.

> Unsere Testobjektive auf einen Blick

Während es zum lichtstarken Sony FE 1,8/14 mm GM bereits von Sigma ein Pendant gibt, das 1,8/14 mm DG HSM Art
(> zum Test) für E, EF, FX, L und Sigma, sind die beiden Laowa-Objektive konkurrenzlos. Das Laowa FF II 5,6/9 mm W-Dreamer ist das derzeit wohl extremste Super-Weitwinkelobjektiv ohne Fisheye-Effekt für spiegellose Vollformatkameras. In die gleichen Kategorie fällt das 4,5/15 mm Zero-D Shift, das Shift-Objektiv mit dem größten Bildwinkel: Er beträgt enorme 110 Grad. 

Das Laowa FF II 5,6/9 mm W-Dreamer macht spektakuläre Innenansichten

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Laowa FF II 5,6/9 mm W-Dreamer

Beim Laowa FF II 5,6/9 mm W-Dreamer ist die dünne Gegenlichtblende fest eingebaut.

Foto: © Laowa

Wer viel aufs Bild bringen möchte, ohne mit Bildmontagen zu arbeiten, der sollte sich mit dem Laowa FF II 5,6/9 mm W-Dreamer beschäftigen. Sein Bildwinkel beträgt 135 Grad und ist damit auch für spektakuläre Innenansichten prädestiniert. Hinzu kommt eine sehr kurze Nahgrenze von nur zwölf Zentimetern, dank derer sich auch Objekte im Nahbereich vom Hintergrund freistellen lassen.

Das komplett in Metall gefertigte Manuellfokus-Objektiv kann sehr feinfühlig bedient werden, wobei es lediglich einen nichtlinearen Blendenring, der bei vollen Stufen rastet, und einen Fokussierring mit einer Fingernut aufweist. Eine Filterhalterung gibt es nicht, hier muss der Anwender auf ein Steckfiltersystem ausweichen. Ebenso fehlen eine CPU und Kontakte für eine Datenübertragung, was einen Verlust des mittlerweile liebgewonnenen Komforts im Handling bedeutet, vor allem in der Bildnachbearbeitung.

Laowa FF II 5,6/9 mm liefert bemerkenswerte Ergebnisse

Erwartungsgemäß kann das FF II 5,6/­9 mm die hohe Mechanikwertung bei den optischen Messungen nicht wiederholen. Trotz des großen Bildwinkels erreicht die Auflösung bei Blende f/8 gute Werte, weiteres Abblenden ist wegen Beugungseffekten nicht empfehlenswert. Vergleichsweise respektabel, aber dennoch sehr deutlich tonnenförmig ist die Verzeichnung. Die sehr starke Randabdunklung wird auch durch Abblenden nicht gemildert. Obwohl die optische Wertung nicht hoch ist, liefert das Laowa FF II 5,6/9 mm ein bemerkenswertes Ergebnis.

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Hochwasser-Aufnahme mit Laowa FF II 5,6/9 mm W-Dreamer

Wer mit dem Laowa FF II 5,6/9 mm W-Dreamer fotografiert, muss damit rechnen, an den Bildrändern unerwünschte Mitspieler einzufangen. Hier gerieten am linken Bildrand Reflexe einer Laterne in die Aufnahme.
Objektiv: Laowa FF II 5,6/9 mm. Einstellungen: f/5,6, 4 s, -1 EV, ISO 200, Stativ. Kamera: Nikon Z 7.

Foto: © Lars Theiß

Für Architekturfotografie: Das Laowa 4,5/15 mm Zero-D Shift

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Laowa 4,5/15 mm Zero-D Shift

Beeindruckend beim Laowa 4,5/15 mm Zero-D Shift ist die weit hervorstehende Frontlinse.

Foto: © Laowa

Dank einer maximalen Verschiebung (Shift) von ±11 mm, wobei das Linsensystem parallel zur Bildebene (bzw. Sensor) bewegt wird, ist das Laowa 4,5/15 mm Zero-D Shift besonders gut für die Architekturfotografie geeignet. Im Resultat werden sogar hohe Gebäude ohne stürzende Linien abgebildet – innerhalb der mechanischen Grenzen des Objektivs. Wegen des riesigen Bildkreises von 65 mm ist das 4,5/15 mm mit Objektivadapter (und einer Verschiebung bis ±8 mm) auch an Mittelformatkameras einsetzbar. Mit der eingebauten Rotationsfunktion wird, nach Drücken des kleinen Metallhebels, die Verschieberichtung schnell geändert: Alle 15 Grad rastet das Objektiv ein. Das läuft alles sehr geschmeidig, die Markierungen an den Skalen sollten allerdings auffälliger sein, sodass sie nicht nur bei wenig Licht das Einstellen erleichtern. Eine Datenübertragung an die Kamera fehlt hier ebenfalls, wobei Korrekturdaten im Shiftmodus kaum mehr hilfreich wären.

Die optischen Messungen haben wir ausschließlich in der nichtverschobenen Neutralstellung vorgenommen. Auf einem mittleren bis guten Niveau bewegt sich dabei die – über die Blenden ziemlich konstante – Auflösung. Aufgeblendet ist die Randabdunklung deutlich, abgeblendet sichtbar. Über eine Verzeichnung muss sich der Fotograf wegen des überformatigen Bildkreises keine Gedanken machen.

Sonys 1,8/14 mm bietet herausragende Leistung

Als extrem lichtstarkes Objektiv mit solch großem Bildwinkel kommt das Sony FE 1,8/14 mm GM in den Test. Deshalb zeigt es bei offener Blende mittlere Werte, die sich auf ausgezeichnete ab Blende f/3,5 steigern. Nicht überraschend ist auch die deutliche Randabdunklung bei f/1,8, die durch Abblenden abgemildert wird und natürlich im Verlauf bleibt.

Erstaunlich ist die kaum sichtbare tonnenförmige Verzeichnung. Die Fassung ist G-Master-würdig: Der dominierende Kunststoff sorgt für ein relativ geringes Gewicht, Dichtungen schützen vor Nässe und Staub und neben der abschaltbaren Rastung des Blendenrings und der Fokusspeicher-Taste gibt es eine Fassung für Folienfilter am Bajonett. Angesichts der Eckdaten bietet das Sony 1,8/14 mm eine herausragende Leistung.

FAZIT
Für Weitwinkelfreunde sind die beiden Laowa-Festbrennweiten eine große Verlockung. Die Messergebnisse der Optik mögen auf den ersten Blick weniger dafür sprechen, doch die fotografischen Möglichkeiten, die das FF II 5,6/9 mm W-Dreamer und das 4,5/15 mm Zero-D Shift eröffnen, sind immens. Sony-Fotografen sollte der Fall klar sein: Für Nachtaufnahmen vom Sternenhimmel oder Panoramafreunde ist das FE 1,8/14 mm GM erste Wahl.

Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test.

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test wurde in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 3/2022 veröffentlicht. Zur Einzelheftbestellung gelangen Sie hier.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Redakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen weiteren Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.