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Sony Alpha 9 II
Die Sony Alpha kam im Oktober 2019 auf den Markt. WIr haben sie für das fotoMAGAZIN 1/2020 getestet.

Im Test: Sony Alpha 9 II

Die Profikamera im Vergleich mit ihrer Vorgängerin
15.02.2021

Bei der Neuauflage der Sportkamera haben sich einige Details geändert. Wir haben sie in der Praxis- und im Labor getestet und mit der Sony Alpha 9 verglichen.

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Sony Alpha 9 II

Mit 678 Gramm (ohne Objektiv) ist die Alpha 9 II für eine Profikamera relativ leicht.

© Sony

Äußerlich hat Sony bei der Alpha 9 II die gleichen Änderungen vorgenommen wie schon bei der Alpha 7R IV: Griff, AF-on-Taste und Joystick sind etwas größer geworden, das EV-Korrekturrad lässt sich gegen ein versehentliches Verstellen sperren und das hintere Einstellrad wurde neu gestaltet – es lässt sich nun flüssiger drehen. Wie bei der Alpha 9 und anders als bei der Alpha 7R IV hat Sony den Platz links vom Sucher für das kombinierte Fokus-/Drive-Rad genutzt, sodass der Fotograf sowohl die Autofokus- als auch die Serienbildeinstellungen schnell im Zugriff hat. Bildschirm und Sucher bleiben unverändert: Der klappbare 3,0-Zoll-Monitor erlaubt wie gehabt die eingeschränkte Touch-Bedienung. Ausgenommen sind die Menüs und das Weiterblättern oder das Starten eines Videos im Wiedergabemodus. Der Sucher ist groß (Vergrößerung 0,78x) und hat mit 3,7 Millionen Punkten eine hohe Auflösung. Verbessert hat Sony die Abdichtungen des Kameragehäuses gegen Staub und Nässe. Insgesamt fühlt sich die Alpha 9 II sehr solide an und lässt sich überwiegend gut bedienen. Nicht ganz glücklich sind wir nach wie vor mit dem Griff. In Kombination mit schweren und langen Objektiven (in unserem Test mit dem FE 5,6-6,3/200-600 mm G OSS) drückt die obere eckige Kante auf die Dauer unangenehm auf den Mittelfinger. Hier wäre ein runderer Übergang wünschenswert.

Sinnvolle Weiterentwicklung der Sony Alpha 9

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Sony Alpha 9 II

Der optionale Hochformatgriff VG-C3EM nimmt zwei Akkus auf.

© Andreas Jordan

Während die Alpha 9 ein großer Sprung nach vorne war, wurden bei der Nachfolgerin vor allem Details verbessert. Der 24-Megapixel-BSI-Bildsensor mit integriertem DRAM-Speicher ist aus der Vorgängerin bekannt, Sony verspricht aber eine verbesserte Bildqualität im mittleren bis hohen ISO-Bereich, wofür ein weiterentwickelter BIONZ-X-Bildprozessor und neue Bildverarbeitungsalgorithmen verantwortlich sind. Der neue Prozessor soll auch der Autofokus-Präzision zu Gute kommen. Der Hybrid-AF an sich hat sich nicht geändert: 693 Phasendetektions-Messfelder decken 93 Prozent des Bildfeldes ab, die Empfindlichkeit reicht bis -3 EV. Im Praxistest mit Vögeln im Flug hat uns die Tracking-Leistung überzeugt: Die Kamera heftet sich ans Motiv und verfolgt es zuverlässig. Neben Menschenaugen erkannte die Alpha im Test im Tierpark Hagenbeck auch die Augen vieler Tiere. Optimiert hat Sony zudem die Effektivität des Bildstabilisators, er kompensiert nach CIPA-Standard bis zu 5,5 statt 5 Blendenstufen.
Der mechanische Verschluss produziert nun weniger Erschütterungen, hat eine Lebensdauer von 500.000 Zyklen (mit erstem elektronischen Verschlussvorhang) und schafft im Serienbildmodus 10 statt 5 Bilder/s. Zwar lassen sich mit einem rein elektronischen Verschluss auch 20 Bilder/s schießen, der E-Verschluss hat aber nach wie vor Nachteile. So können sich bei flackerndem Kunstlicht Streifen bilden und das Blitzen ist nicht möglich. Insofern dürfte der verbesserte mechanische Verschluss für viele Sport- und Action-Fotografen ein entscheidender Vorteil gegenüber der ersten Alpha 9 sein. Die kürzeste mechanische Verschlusszeit beträgt nach wie vor 1/8000 s, der lautlose elektronische Verschluss reicht bis zu 1/32.000s. Der Anti-Flimmer-Modus erkennt das Flackern beispielsweise von Neonlicht und sorgt dafür, dass im besten Moment ausgelöst wird – er steht allerdings nur beim mechanischen Verschluss zur Verfügung.

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Sony Alpha 9 II top

Der Griff ist etwas größer geworden, das Belichtungskorrekturrad lässt sich gegen ein versehentliches Verstellen sperren.

© Sony

Verbesserungen bei den Schnittstellen

Neben einer Micro-USB-Buchse gibt es nun auch USB-C/3.2 – über beide Anschlüsse lässt sich auch der Akku laden und die Kamera im Betrieb mit Strom versorgen. Die SD-Speicherkartenlaufwerke unterstützen jetzt beide den schnellen UHS-II-Standard. Weiterentwickelt wurde – wie bei der Alpha 7R IV – der Multi-Interface-Shoe, der nun auch den digitalen Anschluss des neuen Mikrofons ECM-B1M ermöglicht. Etwas verbessert hat Sony die Akkulaufzeit: Sie liegt jetzt bei 500 statt 480 Aufnahmen mit Sucher und 690 statt 650 Aufnahmen mit Monitor.
Speziell für professionelle Sportfotografen dürften die Neuerungen bei der Konnektivität von Interesse sein. So wurde die Ethernet-Geschwindigkeit erhöht (1000BASE-T), die Dateiübertragung kann mit SSL- und TLS-Verschlüsselung stattfinden und das WLAN arbeitet nicht nur im 2,4 GHz-, sondern auch im 5-GHz-Band. Ein weiteres interessantes Detail für Sport- und Presse-Fotografen: Bilder lassen sich mit Sprachnotizen versehen, die den Redakteuren Informationen zum Bild liefern. Mit der Smartphone-App Imaging Edge können die Sprachnotizen sogar in Text gewandelt und in die IPTC-Daten der Bilder geschrieben werden.

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Sony Alpha 9 II rear

Vegrößert hat Sony auch den Joystick und die AF-on-Taste.

© Sony

Keine Änderungen gibt es beim Video: Die Alpha 9 II nimmt 4K (3840 x 2160 Pixel) mit 30p und ohne Crop auf. Dank Downsampling von 6K auf 4K sind die Bewegtbilder extrem detailreich. Im S&Q-Modus sind 1 bis 120 Bilder/s für Zeitraffer und Zeitlupen möglich. Ein Bildstil mit logarithmischem Gamma fehlt allerdings nach wie vor. Intervall-aufnahmen hatte Sony schon bei der Alpha 9 per Firmware-Update nachgerüstet, sie stehen natürlich auch in der Alpha 9 II zur Verfügung. Was der neuen Sony-Kamera dagegen immer noch fehlt ist ein integrierter Raw-Konverter.

Aus dem Labor

Die höchste Serienbildgeschwindigkeit erreicht die Alpha 9 II nach wie vor mit elektronischem Verschluss: Mit 20 Bildern/s schaffte sie in unserem Test bis zu 362 JPEGs oder 232 komprimierte Raws in Folge – das ist sehr beeindruckend, zumal die Kamera dabei Fokus und Belichtung nachführt. Bei unkomprimierten Raws sinkt die Geschwindigkeit auf 12 Bilder/s und 122 in Folge. Wer lieber den mechanischen Verschluss nutzt, kann nun mit 10 statt 5 Bildern/s fotografieren (708 JPEGs, 455 komprimierte Raws, 168 unkomprimierte Raws).
Bei der Ermittlung der JPEG-Bildqualität im Testlabor zeigt sich, dass es Sony trotz des identischen Sensors gelungen ist, die Auflösung noch etwas zu verbessern. Speziell ab ISO 3200 sind die Messwerte höher. Bei ISO 6400 haben wir noch einen hervorragenden Wirkungsgrad von 94,6 % gemessen, danach geht es etwas stärker runter; bis ISO 25.600 bleibt der Wirkungsgrad aber über 80 %. Im unteren Empfindlichkeitsbereich erreicht die Alpha 9 II bis ISO 800 Wirkungsgrade von über 100%, was auf eine etwas zu aggressive Bildaufbereitung hindeutet, die sich auch in der Artefaktnote (4,5) niederschlägt. Die Scharfzeichnung hat Sony etwas verstärkt – die Note liegt nun bei 2,5 statt 2,0. Beim Bildrauschen und der Dynamik gibt es kaum Änderungen gegenüber der Alpha 9.
Unter dem Strich ist die Bildqualität der Alpha 9 II tatsächlich leicht verbessert (bei der Auswertung der Alpha 9 hatte sich ein kleiner Fehler eingeschlichen, den wir korrigiert haben. Damit sinkt die Bildqualitätswertung bei ihr von 85% auf 84 %).

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Aufnahme mit Sony Alpha 9 II

Der Tracking-Autofokus hat in unserem Test Vögel im Flug zuverlässig verfolgt.
Kamera: Sony Alpha 9 IIObjektiv: Sony FE 5,6-6,3/200-600 mm G OSS; Aufnahmedaten: 200 mm, Blende f/5,6, 1/1000 s, ISO 800.

© Andreas Jordan mit freundlicher Unterstützung von Tierpark Hagenbeck

FAZIT
Die Alpha 9 ist aktuell zweifellos die beste spiegellose Vollformatkamera für die Sport- und Actionfotografie. Gegenüber ihrer Vorgängerin wurde sie dezent aber sinnvoll weiterentwickelt. Abzuwarten bleibt wie sie sich gegenüber den neuen Sport-SLRs von Canon und Nikon schlägt – wir bleiben am Ball.

Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test (Sony Alpha 9, Sony Alpha 9 II).

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 12/2019 erschienen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.