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Panasonic Lumix S1 und S1R
Äußerlich sind die S1 und S1R identisch. Foto: © Panasonic

Im Test: Panasonic Lumix S1 und S1R

Neue Größe
04.02.2020

Mit zwei großen und schweren Kameras startete Panasonic im März 2019 sein neues spiegelloses Vollformatsystem. Wir haben die S1 mit 24 Megapixeln und die S1R mit 47 Megapixeln einem Praxis- und Labortest unterzogen und mit der spiegellosen Konkurrenz bis 4000 Euro verglichen.

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Panasonic Lumix S1

Mit dem Kitobjektiv 4/24-105 mm bringen die Lumix S1 und auch die S1R ca. 1,7 kg auf die Waage.

© Panasonic

"Wenn schon, denn schon“, dürfte sich Panasonic bei der Entwicklung der S1 und S1R gedacht haben. Heraus kamen zwei echte Boliden. Zielgruppe der – äußerlich identischen – Kameras sind offensichtlich Fotografen, die sich ein möglichst robustes und großes Gehäuse wünschen, und auch nicht vor einem hohen Gewicht zurückschrecken. Gut ein Kilogramm bringt der Body mit Akku auf die Waage – mehr als das Doppelte der Canon EOS RP und auch die Nikon-Modelle Z 6 und Z 7 (ca. 675 Gramm) und Sonys Alpha-7-Reihe (ca. 650 Gramm) sind deutlich leichter. Erweitern lassen sich die neuen Panasonic-Kameras übrigens mit dem Batteriegriff DMW-BGS1, der auch Hochformatbedienelemente mitbringt. Einen eingebauten Blitz gibt es wie bei Profikameras üblich nicht. Neben dem Blitzschuh besitzt die Kamera aber eine Synchronbuchse.

Wer sich auf Gewicht und Größe der neuen S-Modelle einlässt, wird mit einem tiefen Griff und relativ großen Bedienelementen belohnt. Deren Layout ähnelt dem Micro-Four-Thirds-Modell Lumix G9. Einzig der Ein-/Ausschalter ist anders positioniert und schlechter zu erreichen. Mit einem Lock-Hebel lassen sich alle Tasten und Räder gegen ein versehentliches Verstellen sperren. Gesperrt ist auch das Moduswahlrad, das sich durch Drücken und Drehen bedienen lässt. Für Serienbilder bzw. Zeitrafferaufnahmen gibt es ein eigenes Rad, sodass der Fotograf diese schnell im Zugriff hat. Drei Einstellräder (vorne, hinten, Daumen) und ein AF-Joystick runden die gelungene Bedienung ab. Verändert hat Panasonic die Menüführung. So muss man nun nicht mehr durch extrem lange Listen scrollen, um einen Eintrag zu finden, sondern es gibt zahlreiche Untermenüs, die alle hier angeordneten Einträge auf einen Blick zeigen. Das Quick-Menü lässt sich nun außerdem individuell konfigurieren. Selbstverständlich kann der Fotograf alle wichtigen Einstellungen in einem persönlichen Menü speichern.

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Kartenlaufwerk S1R

Beide S-Modelle haben zwei Kartenlaufwerke – für SD(HC/XC)- und XQD-Karten. Nach einem Firmware-Update sollen sich auch CFexpress-Karten verwenden lassen.

© Panasonic

Für das Fotografieren im Dunkeln lassen sich einige Tasten beleuchten und die Schulter-Displays zeigen wichtige Einstellungen auf einen Blick – den Akkustand und die Restbilder auf der Speicherkarte auch bei ausgeschalteten Kameras. Apropos Speicherkarten: Die Kameras bieten Platz für zwei Speicherkartenlaufwerke, SD (UHS II kompatibel) und XQD. Im XQD-Laufwerk sollen sich – ähnlich wie bei der Nikon Z 6 und Z 7 – nach einem Firmware-Update auch CFexpress-Karten nutzen lassen. Die integrierte USB 3.1-Schnittstelle mit USB-C-Buchse erlaubt das Tethering mit der Software Lumix Tether (also die Fernsteuerung und Datenübertragung zum PC/Laptop). Auch der Akku lässt sich per USB laden. Für die HDMI-Ausgabe steht die große Typ-A-Buchse zur Verfügung. Angenehm leise ist der mechanische Verschluss, der als kürzeste Zeit 1/8000 s schafft und für 400.000 Auslösungen ausgelegt ist. Ein Hebel auf der Vorderseite der Kamera erlaubt das schnelle Umschalten auf den lautlosen elektronischen Verschluss.

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Panasonic Lumix S1R mit Monitor

Der Monitor lässt sich nach unten und – wie hier – nach rechts klappen.

© Panasonic

Groß (3,2 Zoll beziehungsweise 8,0 cm) und hochauflösend (2,1 Millionen RGBW-Punkte) ist auch der Monitor. Er nutzt einen ähnlichen Mechanismus wie Fujifilm in der X-T2, X-T3 und X-H1, lässt sich also nach oben (100 Grad) und unten (45 Gad) sowie nach rechts (60 Grad) klappen, aber nicht, wie in anderen Panasonic-Kameras, komplett aus der optischen Achse heraus nach links. Die neue Konstruktion hat Vor- und Nachteile: So ist sie robuster und man kann den Monitor, beispielsweise bei Aufnahmen vom Stativ, schneller nach oben klappen ohne ihn vorher seitlich ausklappen zu müssen. Nachteil: Es fehlt die Selfie-Position, die nicht zuletzt bei Video-Bloggern beliebt ist, und auch ein Einklappen mit dem Display nach innen, das beim Transport vor dem Zerkratzen schützt, ist nicht möglich.
Besonders begeistert hat uns der Blick durch den Sucher – dank der Rekordauflösung von 5,76 Millionen Punkten und einem hervorragenden Kontrastverhalten wirkt er sehr natürlich und stellt die Konkurrenz in den Schatten. Mit einer Taste direkt neben dem Sucher lässt sich die Vergrößerung schnell von 0,78x auf 0,74x oder 0,7x ändern. Brillenträger haben möglicherweise bei der kleinen Darstellung einen besseren Überblick. Für eine absolut flüssige Darstellung lässt sich die Bildwiederholrate von 60 auf 120 fps umschalten.

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Kameras im Test

Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.