Panoramafotografie – So gelingen Ihnen perfekte Panoramen

Fotos (fast) ohne Ende
21.02.2019

Panorama-Aufnahmen brechen Beschränkungen von Seitenverhältnis und Bildwinkel auf. Panorama-Experte Jan Röpenack zeigt Ihnen, welche Arten es gibt und wie hochwertige Bilder entstehen.

1. Der richtige Panoramakopf

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Novoflex VR System II

Einzeiliger Panoramakopf: Novoflex VR-System II auf Nivellierkalotte MagicBalance.

© Novoflex

Einzeilig, mehrzeilig oder eine Speziallösung?
Wer sich intensiv mit der Panoramafotografie beschäftigen möchte, der steht zunächst einmal vor der Anschaffung eines geeigneten Panoramakopfes, auch Nodalpunktadapter genannt. Neben Speziallösungen, die meist für ein bestimmtes Objektiv oder Kamera gebaut werden, unterscheidet man bei den Allroundköpfen zwischen Geräten für einzeilige und mehrzeilige Panoramen.

Einzeiliger Panoramakopf
Der einzeilige „Single-row“-Panoramakopf besteht aus einer Drehplatte, einer Vorrichtung, mit der die Kamera nach hinten und quer zur optischen Achse verschoben werden kann (oft sind dies aus der Makrofotografie bekannte Einstellschlitten) und einem L-Winkel, mit der die Kamera ins Hochformat gebracht wird. Typische Vertreter dieses Typs sind das Novoflex VR-System II und der Manfrotto MH057A5. Zu den Vorteilen dieser Köpfe zählen die einfache Handhabung, die große Stabilität und Variabilität: Einzelne Bestandteile wie der Einstellschlitten und der L-Winkel finden auch außerhalb der Panoramafotografie Anwendung. Nachteil ist, dass der vertikale Bildwinkel durch das verwendete Objektiv beschränkt wird.

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Novoflex VR System II

Mehrzeiliger Panoramakopf: Novoflex VR-System PRO II auf Kugelkopf MagicBall 5.

© Novoflex

Mehrzeiliger Panoramakopf
Bei mehrzeiligen „Multi-row“-Köpfen besteht diese Beschränkung nicht: Man kann also nicht nur horizontal, sondern auch vertikal um das Zentrum der Eintrittspupille drehen. Ein großer Vorteil, wenn es darum geht mit einem „normalen“ Weitwinkelobjektiv den kompletten Raum (Stichwort: Kugelpanorama) abzubilden: Es werden einfach mehrere Zeilen übereinander aufgenommen. Multi-row-Köpfe bestehen immer aus zwei Drehplatten, einem seitlich verschiebbaren L-Winkel und einem Schienensystem mit dem die Kamera nach hinten bewegt werden kann. Übrigens, mit solchen Köpfen kann natürlich auch einzeilig gearbeitet werden, was man in der Praxis auch oft tun wird. Aufgrund der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten ist dieser Typ am weitesten verbreitet; führende Hersteller wie Novoflex, NodalNinja, Manfrotto oder Rollei bieten gleich mehrere Varianten in unterschiedlicher Ausstattung an.

Speziallösungen
Besondere Geräte machen immer dann Sinn, wenn man sich innerhalb der Panoramafotografie auf ein einziges Objektiv und/oder Kamera beschränkt. Beispielsweise wenn der Auftragsfotograf mit seinem Fish­eye-Objektiv nur Kugelpanoramen fürs Internet machen möchte oder der Bergsteiger nur einzeilig mit einer besonders kompakten Kamera arbeitet. Interessante Vertreter dieser Gattung sind z. B. das Novoflex VR-System Slant, mit dem man mit bestimmten Fisheye-Objektiven Kugelpanoramen vom Einbeinstativ aus machen kann, alternativ Ringlösungen von NodalNinja, der fürs Sigma 8 mm Fisheye optimierte Acratech Spherical Panoramic Head oder die extrem kompakten und leichten Adapter für Systemkameras vom deutschen Anbieter PT4Pano.

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NodalNinja Ultimate R10

NodalNinja Ultimate R10 Ringadapter mit Canon Fisheye-Zoom EF 4/8-15 mm L USM an Vollformatkamera für Kugelpanoramen vom Einbeinstativ.

© Jan Röpenack

Abmessungen und Stabilität
Für eine schwere Ausrüstung sollte man einen entsprechend stabilen (und damit auch etwas schwereren) Panoramakopf verwenden. Überlegen Sie zunächst, mit welcher Kamera (System-, DSLR- oder digitale Mittelformat-) und welchen Objektiven Sie arbeiten möchten. Für leichte Kameras gibt es entsprechend kompakte Köpfe, die sich auf Reisen leicht verstauen lassen, beispielsweise das Novoflex VR-System slim. Werden besonders lange oder schwere Objektive verwendet, sollte auch der Kopf entsprechend dimensioniert sein. Zu den stabilsten mehrzeiligen Panoramaköpfen zählt das Novoflex VR-System Pro II.

Ausstattung
Voreinstellbare Schrittweiten, auch „Rastung“ oder „Klick-Stops“ genannt, lassen die Winkelstop-Positionen „erfühlen“, so können diese schnell und effektiv abgearbeitet werden, ohne dass eine Winkelskala beim Fotografieren beobachtet werden muss. Man dreht also das System solange bis es einrastet, macht dort die Aufnahme und dreht zur nächsten Position usw. Je mehr voreinstellbare Schrittweiten eine Drehplatte besitzt, desto komfortabler ist deren Handhabung, wenn abwechselnd mit unterschiedlichen Brennweiten gearbeitet wird.
Unterstützt der Panoramakopf das „Arca“ Schwalbenschwanz-Profil, so lassen sich Teile auch unterschiedlicher Hersteller miteinander kombinieren, ein Ausbau bzw. eine individuelle Anpassung des eigenen Systems wird somit möglich. Besitzt man bereits ein Schnellwechselsystem mit Schwalbenschwanzklemmung, lässt sich dieses mit dem neu erworbenen Panoramakopf perfekt kombinieren.

 

  • Der fotoMAGAZIN-Tipp:
  • Worauf man beim Kauf achten sollte
  • Single-row- oder Multi-­row-Kopf?
  • Single-row-Köpfe sind eher für Gelegenheits-Panorama-­Fotografen interessant oder wenn mit einer besonders schweren Ausrüstung gearbeitet wird; wer die Panoramafotografie intensiv betreiben möchte, greift zum Multi-row-Kopf.

 

2. Panoramakopf-Justage – einmalig, aber nötig

Die Lage der Eintrittspupille ist abhängig von der verwendeten Objektiv-Kamera-Kombination und – bei Zoomobjektiven – zusätzlich von der eingestellten Brennweite. Ziel dieser Übung ist es, die Eintrittspupille aller in Frage kommenden Objektive einmal zu ermitteln und zu notieren. Bei der späteren Aufnahme vor Ort müssen die ermittelten Werte dann nur noch mit Hilfe der Skalen am Pano­ramakopf wieder eingestellt werden. Bei einem sphärischen Multi-row-Panoramakopf müssen zwei Achsen justiert werden. Die untere quer und die obere längs zur optischen Achse (siehe Abbildung).
Man beginnt mit der unteren Achse: Richten Sie die Kamera nach unten aus und sehen Sie durch den Sucher Ihrer Kamera. Verschieben Sie bei leicht geöffneter unterer Klemmschraube den L-Winkel solange, bis das mittlere Autofokus-Messfeld Ihrer Kamera genau auf die Markierung für die Drehachse (hier die Libelle) zielt. Schließen Sie die Klemmschraube wieder und notieren Sie den Skalenwert am unteren Schenkel des L-Winkels für zukünftige Aufnahmen mit dieser Kamera.

Nun folgt die Justage der oberen Achse: Hierfür ist einmalig ein Versuchsaufbau z. B. im eigenen Wohnzimmer nötig (sieh Abbildung 1-4 oben). Richten Sie die Kamera wieder horizontal aus. Bringen Sie ein vertikales Objekt, welches sich im Vordergrund befindet, mit einem vertikalen Objekt im Hintergrund zur Deckung (z. B. Stehlampe und Türrahmen). Schwenken Sie die Kamera horizontal und beobachten Sie, ob sich Vorder- und Hintergrund voneinander weg bewegen (siehe Abb. 1+2) oder in Deckung bleiben (siehe Abb. 3+4).
Beim Schwenk nach rechts bewegt sich hier z. B. die Stehlampe nach links weg (Abb. 2). Ein Zeichen dafür, dass sich das System noch nicht im optischen Zentrum des Objektivs dreht. Stellen Sie nun einen anderen Abstand an der oberen Achse ein. Beim erneuten Schwenk werden sich die Objekte stärker oder schwächer voneinander weg bewegen. Im letzteren Fall haben Sie die Kamera in die richtige Richtung bewegt. Wiederholen Sie den Vorgang solange, bis sich die vertikalen Objekte beim Schwenken nicht mehr zueinander bewegen (siehe Abb. 3+4). Nun dreht sich das System beim Schwenken um die Eintrittspupille des Objektivs. Den ermittelten Skalenwert an der oberen Achse notieren Sie sich für zukünftige Aufnahmen mit diesem Objektiv.

  • fotoMAGAZIN-Tipp
  • Wer ganz präzise arbeiten möchte, macht Testaufnahmen an der linken und rechten Aufnahmeposition, benutzt eine Skala im Hintergrund und vergleicht beide Aufnahmen am Monitor der Kamera oder am Rechner in der 100-%-Ansicht. Ist der richtige Abstand an der oberen Klemmplatte gefunden, zeigen die linke und rechte Aufnahme denselben Skalenwert.

3. Der Ideale Standpunkt

Panoramen leben von ihrer räumlichen Tiefe. Versuchen Sie deshalb, nach Möglichkeit einen Vordergrund in das Panorama zu integrieren. Unsere Sehgewohnheiten folgen Linien von links nach rechts und vom Nahen in die Ferne. Berücksichtigen Sie dies bei der Komposition Ihrer Aufnahme. Auch ungewöhnliche, stark erhöhte oder sehr niedrige Kamerastandpunkte machen ein Panorama besonders interessant.
 

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Stativ mit Spickzettel

fM-Tipp: Schreiben Sie die benötigten Werte für Ihre Objektive auf einen kleinen Spickzettel und befestigen Sie diesen am Stativ. Auch die Justagewerte für die untere und obere Achse können Sie hierauf notieren.

4. Einstellungen am Panoramakopf

Nachdem Sie nun ein entsprechendes Motiv und einen Standpunkt gefunden haben, bauen Sie Ihr Stativ auf, richten den Panoramakopf per Nivellierhalbkugel oder Kugelkopf exakt horizontal aus, wobei Sie die Wasserwaage der unteren Drehplatte beobachten, und montieren anschließend Ihre Kamera. Nun stellen Sie an der unteren und oberen Achse die zuvor ermittelten Werte für die jetzt montierte Kamera-Objektiv-Kombination ein. Bevor es los geht, sollten Sie noch eine geeignete Schrittweite festlegen, sodass die Überlappung zwischen zwei Einzelbildern in etwa 30 % beträgt. Da dies eher ein mathematisches Problem ist, gibt es hierfür Tabellen, die die Abhängigkeit der Schrittweite von der verwendeten Brennweite zeigen.

Wir zeigen hier eine Tabelle für eine Vollformat­kamera, die – wie allgemein üblich – vertikal am Panoramakopf montiert wird.

Empfohlene Horizontale Schrittweiten bei Kameras mit Vollformatsensor

BRENNWEITE ANZAHL FÜR 360°-DREHUNG SCHRITTWEITE (VERDREHWINKEL) ÜBERLAPPUNG  CROP 1
       
12 mm 6 60° 33 %
14 mm 6 60° 26 %
16 mm 8 45° 39 %
17 mm 8 45° 36 %
20 mm 8 45° 27 %
24 mm 10 36° 32 %
28 mm 12 30° 35 %
35 mm 15 24° 21 %
40 mm 15 24° 28 %
50 mm 18 20° 26 %
60 mm 24 15° 34 %
70 mm 36 10° 48 %
85 mm 36 10° 38 %

 

5. Kameraeinstellungen

Ideal ist es, wenn Sie die Belichtung der Einzelaufnahmen konstant halten, also in der Einstellung M arbeiten. Sollte dies nicht möglich sein, weil die Helligkeit zwischen den Einzelaufnahmen stark variiert, so ist die HDR-Technik empfehlenswert, bei der mit einer Belichtungsreihe gearbeitet wird. Die Verarbeitung zum fertigen Panorama wird dann allerdings entsprechend aufwendig. Die optimale Blende liegt im mittleren bis hinteren Bereich zwischen 8 und 16. Hier hat man genügend Schärfentiefe und nur wenig Probleme mit der Vignettierung (Randabschattung) des Objektives.

Die Schärfe sollten Sie auf das Hauptmotiv legen und danach den Autofokus abschalten. Um z. B. im Nahbereich die Schärfentiefe zu maximieren, kann auch mit der „Hyperfokalen Distanz“ gearbeitet werden. Bei vorgegebener Blende wird in Abhängigkeit von der Brennweite der Fokus so eingestellt, dass die Schärfentiefe gerade noch bis Unendlich reicht. Tabellen und Apps können als Anhaltspunkte verwendet werden. Empfehlenswert ist es aber, diese Werte zunächst mit der eigenen Kamera-Objektiv-Kombination auszuprobieren, bevor man sie vor Ort verwendet. Stellen Sie eine feste Farbtemperatur an der Kamera ein (kein Auto-Weißabgleich, da sonst farblich unterschiedliche Teilbilder entstehen können). Falls die Belichtungszeiten länger werden, ist die Verwendung eines Fernauslösers und – falls vorhanden – das Zuschalten der Spiegelvorauslösung oder des Live-View-Betriebs anzuraten.

  • fotoMAGAZIN-Tipp
  • Arbeiten Sie möglichst im Raw-Format, so lassen sich Farben, Kontraste, Helligkeiten und Schärfe später optimieren. Verarbeiten Sie alle Teilaufnahmen mit denselben Einstellungen im Raw-Konverter (in Lightroom Button „Synchronisieren“).

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Text: Jan Röpenack

Dieser Artikel stammt aus dem fotoMAGAZIN 6/2015.

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Über den Autor
fotoMAGAZIN

1949 erschien die erste Ausgabe der ersten Fotozeitschrift im deutschsprachigen Raum. Seither begleiten wir die Fotogeschichte. Unsere Kamera- und Objektivtests unter Labor- und Praxisbedingungen helfen Einsteigern und Profis seit jeher bei der Kaufentscheidung. Mancher Fotograf wurde von uns entdeckt. Und seit Steven J. Sasson 1975 für Kodak die erste Digitalkamera entwickelte, haben wir die digitale Fotografie auf dem Schirm. Unsere Fotoexpertise ist Ihr Vorteil.

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