Im Regen fotografieren

Besondere Motive und Ideen für Regenbilder
22.01.2020

Wenn es nass vom Himmel tropft, bleiben Kamera und Fotograf zuhause? Auf keinen Fall! So manches Motiv lässt sich nur im Regen fotografieren. So sorgen etwa Regentropfen für einzigartige Regenbilder. Wir haben einige Tipps zusammengestellt.

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Regenbögen sind auch ein tolles Motiv

Regenbögen bilden sich meist nach abziehendem Regen und befinden sich entgegengesetzt der (möglichst tiefstehenden) Sonne. Ein Polfilter hilft nur bei Teilstücken (er kann den Himmel als Hintergrund abdunkeln), ein Halbbogen wird wegen der Polarisierung des Lichts teilweise mit abgedunkelt. Halbbögen von Horizont zu Horizont benötigen je nach Sonnenhöhe rund 16 mm Brennweite. Besonders die Fotos von Teilstücken brauchen ein richtiges Motiv – einfach nur das bunte Stück Bogen ist langweilig.
KAMERA: Canon EOS 5DS
OBJEKTIV: TS-E 3,5/24 mm
BLENDE: f/5,6

© Markus Linden

Regen scheint zunächst einmal der natürliche Feind der Fotografie zu sein: Bewölkung und Wasser in der Luft machen das Licht schwach und kontrastlos. Die empfindliche Kameraausrüstung muss geschützt werden, zudem besteht immer die Gefahr, dass sich Tropfen auf der Frontlinse sammeln und die Fotos verschandeln. Und nicht zuletzt: Wer hat schon Lust, im Regen herumzustehen und selbst nass zu werden, wenn die Chance auf ein gutes Foto gegen null geht? Letzteres ist allerdings ein Irrtum. "Schlechtes Wetter" steht nicht unbedingt für schlechte Bilder. Auch im Regen lassen sich gute Fotos machen. Oder besser gesagt: Nur im Regen lassen sich bestimmte Fotos machen. Da ist zum einen der Regen selbst. Damit er auf einem einfachen Foto überhaupt sichtbar ist, muss es schon ziemlich kräftig regnen. Mit ein paar Tricks können Sie ihn allerdings verstärken. Eine große Rolle spielt die Belichtungszeit. Als Ausgangspunkt sollten Sie rund 1/30 s wählen, damit die Tropfen leicht verwischen und daher größer im Bild wirken. Je nach Stärke der Tropfen variieren Sie die Zeit; ohne Stabilisator oder Stativ geht es erst bei kräftigem Regen.

Nach unten fallende Tropfen

Ebenfalls verstärkend wirkt Gegenlicht: Dann bekommen die Tropfen einen Glanz, der gut sichtbar wird. Wenn Sie also Blitzlicht einsetzen möchten, dann sollten Sie die Blitze möglichst nach hinten stellen und fernauslösen. Tipp: Das Blitzen auf den 2. Verschlussvorhang sorgt dafür, dass – sofern die Belichtungszeit etwas verlängert wurde – die Tropfen tatsächlich von oben nach unten fallen. Beim 1. Verschlussvorhang könnte es vom Bildeindruck her umgekehrt sein, was aber in Einzelfällen auch interessant wirken kann.
Wer nicht blitzt, kann Gegenlicht von der Sonne oder von Stadtlichtern einsetzen. Bei Sonnenlicht hilft es, Richtung aufklarendem Himmel zu fotografieren. Abends in der Stadt fotografiert man möglichst in Richtung kräftiger Stadtlichter.

Bei Regenwetter fotografieren

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Pfützen in den Straßen

Ebenfalls hilfreich ist ein möglichst dunkler Hintergrund, vor dem sich die hellen Tropfen absetzen können. Je gleichmäßiger dieser ausfällt, desto eher machen sich auch feine Regentropfen bemerkbar; dicke Tropfen werden auch vor Wald oder Wiesen gut sichtbar. Es gibt einige nette Nebeneffekte, die nicht unbedingt etwas mit den Tropfen zu tun haben, aber in der Regel nicht ohne Regen zu haben sind. Dazu gehören Pfützen auf der Straße, die als Spiegel dienen. Vollkommen klar und ungestört sind diese, wenn das schlechte Wetter weg ist und es trocken und windstill ist. Aber auch noch während des Schauers können spiegelnde Pfützen schöne, gebrochene Spiegelbilder liefern. Nicht so extrem, aber ebenfalls spiegelnd ist nasses Pflaster. Besonders attraktiv ist das Kopfsteinpflaster in der Streetphotography, aber auch glattere Straßenmaterialien können – je nasser desto besser – spiegeln. Dabei werden vor allem Lichter und Schatten gespiegelt. Es hilft also sehr, hier im Gegenlicht zu fotografieren. Inhaltlich sind Passanten mit ihren Regenschirmen interessant – aber auch die Form und die Farben des Schirms können in ein Foto gut integriert werden.
Nicht unbedingt nass werden Sie beim Fotografieren von Regenbögen – der Regen ist ja in der Regel schon weiter gezogen und der Fotograf hat die Sonne im Rücken. Erst dann kommt die Sonne durch und zeigt in der entgegengesetzten Richtung den Bogen. Besonders schön sind die Halbbögen, die sehr tiefstehende Sonne oder eben einen erhöhten Fotografenstandort benötigen. Zur Mittagszeit hilft dieser aber auch nicht: Die Bögen bleiben bei hochstehender Sonne unterhalb des Horizonts und sind damit nicht sichtbar.

Tipps für gelungene Regenbilder

 Equipment für Fotografie im Regen

Meist werden Sie allerdings doch nass – und das Equipment auch. Fein raus sind alle Fotografen, die abgedichtete Kameras und Objektive besitzen. Eine ordentliche Gegenlichtblende hält dann Tropfen von der Linse fern, ein Regenmantel den Fotografen trocken. Es gibt aber auch zahlreiche Schutzhüllen für die Kamera, die alle mehr oder weniger das Fotografieren behindern, aber teure Ausfälle durch Feuchtigkeit verhindern können. Kleine Schirme für die Befestigung am Stativ oder am Stativgewinde machen die Kamera etwas unflexibel, können aber vor allem in der Landschaftsfotografie ein gute Lösung sein.

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Markus Linden
Über den Autor
Markus Linden

Markus Linden hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Er schreibt on- und offline über Fotografie und Fotografen, organisiert Fotowettbewerbe und fotografiert selbst leidenschaftlich gerne. Dem fotoMAGAZIN ist er seit 2003 zunächst als Redakteur und jetzt als freier Mitarbeiter verbunden.