Der historische Santos-Speicher im Rotterdamer Reijnhaven beherbergt fortan das Nederlands Fotomuseum, das nationale Museum für Fotografie der Niederlande.
© Photo Studio Hans WilschutAm 7. Februar 2026 eröffnet das Nederlands Fotomuseum in Rotterdam neu. Das nationale Museum für Fotografie bezieht den umfassend renovierten Santos-Speicher am Rijnhaven und verbindet dort eine der weltweit größten fotografischen Sammlungen mit moderner Museumsarchitektur, offenen Arbeitsbereichen und öffentlich zugänglichen Räumen.
Nederlands Fotomuseum als nationales Gedächtnis
Das Nederlands Fotomuseum sammelt, bewahrt, erforscht und präsentiert das fotografische Erbe der Niederlande. Mit mehr als 6,5 Millionen Objekten verfügt das Haus über eine der umfangreichsten fotografischen Sammlungen weltweit. Sie reicht von frühen fotografischen Arbeiten des 19. Jahrhunderts bis zu zeitgenössischen Positionen. Die niederländische Fotografie wurde früh als künstlerisches wie dokumentarisches Medium verstanden und entwickelte nach dem Zweiten Weltkrieg eine international beachtete sozial engagierte Bildsprache.
Warum ist der Santos-Speicher ein besonderer Standort?
Der Santos-Speicher, neue Heimat des Nederlands Fotomuseum, in seiner ursprünglichen Funktion als Kaffee-Speicher im Jahr 1917.
© GraaflandDer Santos-Speicher zählt zu den bedeutendsten historischen Lagerhäusern der Niederlande. Errichtet zwischen 1901 und 1902, diente er ursprünglich als Umschlag- und Lagerort für Kaffee aus der brasilianischen Hafenstadt Santos. Seit dem Jahr 2000 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Mit seiner robusten Industriearchitektur bietet es heute den Rahmen für eine zeitgemäße Museumsnutzung, die Geschichte und Gegenwart miteinander verbindet.
Transparenz durch offene Depots und Ateliers
Ein zentrales Element des neuen Museums ist die Offenheit. Sammlung und Studios befinden sich im Herzen des Gebäudes und erstrecken sich über zwei Etagen. Glaswände erlauben Einblicke in offene Depots sowie in Restaurierungs- und Konservierungswerkstätten. Besucherinnen und Besucher können verfolgen, wie Fotografien archiviert, erforscht und erhalten werden – ein bewusstes Bekenntnis zur Transparenz musealer Arbeit.
Den Architekturbüros RENNER HAINKE WIRTH ZIRN ARCHITEKTEN (Hamburg) und WDJARCHITECTEN aus Rotterdam verdankt das Nederlands Fotomuseum seine neue, markante Fassadenkrone.
© Photo Studio Hans WilschutGallery of Honour: das Herz der niederländischen Fotografie
Die Gallery of Honour of Dutch Photography zeigt die Entwicklung der Fotografie in den Niederlanden von ihrer Erfindung im Jahr 1839 bis heute. Präsentiert werden 99 Fotografien, ausgewählt aufgrund ihrer künstlerischen und gesellschaftlichen Bedeutung. Zu sehen sind Werke von Anton Corbijn, Dana Lixenberg, Ed van der Elsken, Paul Huf, Rineke Dijkstra und Erwin Olaf. Das hundertste Werk wird von den Besucherinnen und Besuchern bestimmt. Die Präsentation wird derzeit für den neuen Standort überarbeitet.
Darüber hinaus sind zum Start folgende Ausstellungen im Nederlands Fotomuseum zu sehen:
Rotterdam im Fokus: Stadtgeschichte in Fotografien
Die Ausstellung Rotterdam in Focus: The City in Photographs 1843–heute bietet einen Überblick über rund 180 Jahre Stadtfotografie. Mehr als 300 Aufnahmen zeigen Rotterdam im Wandel – fotografiert von professionellen Fotografen ebenso wie von Amateurinnen. Arbeiten von Hans Aarsman, Iwan Baan, Eva Besnyö, Cas Oorthuys und anderen verdeutlichen, wie sehr die Stadt Fotografen immer wieder zu neuen Bildformen herausfordert. Die Ausstellung ist bis zum 24. Mai 2026 zu sehen, das begleitende Buch erscheint im Verlag nai010.
Awakening in Blue: Cyanotypie zwischen Tradition und Gegenwart
Mit Awakening in Blue: An Ode to Cyanotype widmet sich das Museum einer der ältesten fotografischen Techniken. Neben historischen Blaupausen werden zeitgenössische Arbeiten von fünfzehn Künstlerinnen und Künstlern gezeigt, die das Verfahren mit neuen Materialien und Medien weiterentwickeln. Die Werke thematisieren unter anderem ökologische Fragen, koloniale Geschichte und den menschlichen Körper als Archiv. Die Ausstellung läuft bis zum 7. Juni 2026.
Ein Wohnzimmer für die Fotografie
Das Erdgeschoss des Museums ist als öffentlicher Begegnungsraum konzipiert. Café, Bibliothek, Museumsshop und Empfang sind ohne Eintrittskarte zugänglich. Hier wird auch ein Kurzfilm gezeigt, den der niederländische Fotograf des Jahres Marwan Magroun eigens für die Wiedereröffnung realisiert hat. Das Nederlands Fotomuseum positioniert sich damit bewusst als offenes Haus für Austausch und Diskussion.
Architektur, Förderung und Ausblick
Die Renovierung und Erweiterung des Santos-Speichers wurde von RENNER HAINKE WIRTH ZIRN ARCHITEKTEN (Hamburg) in Zusammenarbeit mit dem Rotterdamer Büro WDJARCHITECTEN geplant und von Burgy Bouwbedrijf umgesetzt. Ermöglicht wurde der Umzug durch eine großzügige Spende der Droom en Daad Foundation. Mit dem neuen Standort stärkt das Nederlands Fotomuseum seine Rolle als internationales Zentrum für Fotografie und als kultureller Anziehungspunkt in Rotterdam.
Beitrage Teilen