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Portrait Dennis Hopper
Dennis Hopper. © Terry Richardson

Dennis Hopper

Der Hollywood-Star als Fotograf
05.03.2018

Vor den Dreharbeiten zu dem Kultfilm „Easy Rider“ widmete sich Dennis Hopper zwischen 1961 und 1967 intensiv der Fotografie. Wir hatten 1992 Gelegenheit zu einem Interview mit ihm, das wir zum Erscheinen des neuen Bildbandes „Dennis Hopper. Photographs 1961-1967“ wieder veröffentlichen.

 

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Dennis Hopper "Bikers"

Bikers,1967

© 2018 The Dennis Hopper Trust

fotoMAGAZIN: In Ihren Filmen und Gemälden thematisieren Sie häufig Gewalt. Bei Ihren Aufnahmen aus den 1960er-Jahren vermisse ich das völlig.
Dennis Hopper: Viele meiner Bilder aus den 60er- Jahren sind voller Gewalt, ich zeige sie nur nicht. Das will ich nicht. Ich habe Aufnahmen von den Unruhen in Los Angeles, Friedensmärschen, Gewalt in den Südstaaten. Diese Aufnahmen stehen meiner Meinung nach für nichts, sie sind keine großartigen Fotos und brächten mich nur in ein heroisierendes Umfeld, das ich von mir weise. Heroisch, weil ich zu einer blöden Zeit an einem blöden Ort war. Man sieht, dass ich dort nichts zu suchen hatte.

fotoMAGAZIN: Was schätzen Sie am meisten an Ihren Fotos aus dieser Zeit?
Hopper: Dass ich die richtigen Künstler ausgesucht habe. Ich betrat damals unberührtes Terrain und fotografierte Leute, die noch nie eine Ausstellung hatten. Ich glaubte einfach an sie. Von den 22 bis 23 Künstlern, die ich fotografierte, ließ mich keiner je im Stich. Vielleicht können meine Fotos auch dazu beitragen, dass sich die Leute heute die Arbeiten einiger dieser Künstler wieder ansehen. Von manchen hat man nichts mehr gehört, aber ihr Werk ist nicht verschwunden. Jasper Johns sagte mir mal: "Mach Dir keine Sorgen, wenn man Dich jetzt noch nicht akzeptiert. Mach einfach weiter, pass auf, dass alles gut dokumentiert und an sicherer Stelle untergebracht ist.“

Ich wollte nicht die Privatsphäre der Menschen verletzen.

fotoMAGAZIN: Warum hörten sie 1967 mit dem Fotografieren auf?
Hopper: Ich hatte mit der Fotografie all das gemacht, was ich tun wollte. Nur den Krieg habe ich nicht fotografiert. Ich wollte nach Vietnam, aber die ließen zu diesem Zeitpunkt  keine Fotojournalisten mehr rein. Damals wendete ich mich sogar an einen Senator, aber die wiesen mich zurück, nachdem sie schlechte Presseresonanz bekommen hatten. Ich hatte damals das Drehbuch für den Film „Easy Rider“ zu schreiben begonnen, bei dem ich dann auch die Regie führte. All diese Fotos habe ich gemacht, weil ich Regisseur werden wollte. Die Kamera war zu jener Zeit mein kreatives Ventil.

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Dennis Hopper Photographs

Bruce Conner (in tub), Toni Basil, Teri Garr and Ann Marshall, 1965

© 2018 The Dennis Hopper Trust

fotoMAGAZIN: Hatten Sie Idole, die Sie zur Fotografie führten?
Hopper: Ja, Robert Capa und Cartier-Bresson, ansonsten Aaron Siskind und Harry Callahan. Als ich anfing, fotografierte ich Wände, um zweidimensional  arbeiten zu können.

fotoMAGAZIN: Sie fotografierten damals noch keine Menschen?
Hopper: Nein, denn als Schauspieler wurde ich selbst ständig fotografiert. In dieser Situation fühlte ich mich meist nicht wohl. Ich wollte nicht die Privatsphäre der Menschen verletzen. Nachdem ich Cartier-Bressons Buch „Der entscheidende Augenblick“ gelesen hatte, fing ich an, Straßenszenen zu fotografieren. Zwei Galeristen baten mich dann, Künstler für Ausstellungsposter zu portraitieren. Im Gegensatz zu den Schauspielern hatten die Künstler Spaß bei den Aufnahmen, weil sie es nicht gewohnt waren, dass man sie fotografierte. Viele davon waren meine Freunde. So begann ich mit Portraits, aber ganz selten fotografierte ich Schauspieler wie Paul Newman und Dean Stockwell ...

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Über den Autor
Manfred Zollner

Unser stellvertretender Chefredakteur Manfred Zollner gilt in der Fotoszene als "Anwalt des guten Bildes." Sein thematischer Schwerpunkt liegt in der professionellen Fotografie, seine Vorliebe gilt der Fotokunst. Die jährlich erscheinende fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios ist sein Projekt. 1991 kam der Münchner als Director of Photography zum fotoMAGAZIN, von 2004 bis 2006 leitete er als Chefredakteur die Zeitschrift Photo Technik International.