Intermezzo. Revisiting Helmut Newton eröffnet neue Perspektiven

Die Helmut Newton Foundation richtet ihre Präsentation im Berliner Museum für Fotografie neu aus. Mit „Intermezzo. Revisiting Helmut Newton“ zeigt sie im Erdgeschoss eine temporäre Ausstellung, die Werke, Archivmaterial und biografische Bezüge neu zusammenführt.

Intermezzo Helmut Newton – Ausschnitt einer Collage aus verschiedenen Bildern von Helmut Newton, die im Film „Intermezzo“ zu sehen sind. „Revisiting Helmut Newton“. Alle Bilder: Copyright Helmut Newton Foundation | Produziert von Profirst International in Zusammenarbeit mit Martin Salvador Studio für die MOP Foundation

Nach mehr als zwei Jahrzehnten ersetzt die Helmut Newton Foundation ihre bisherige Präsentation im Erdgeschoss des Berliner Museums für Fotografie vorübergehend durch ein neues Übergangsformat. Mit „Intermezzo. Revisiting Helmut Newton“ ordnet die Foundation Arbeiten von Helmut Newton und Alice Springs – Pseudonym von Newtons Ehefrau und Muse June als Fotografin – sowie Archivbestände und biografische Stationen neu und macht das Werk des Stifterpaares in konzentrierter Form zugänglich.

Was zeigt Intermezzo. Revisiting Helmut Newton?

Im Zentrum der neuen Präsentation steht ein groß angelegter Filmraum. Acht Projektoren bespielen vier Leinwände mit einem Film, der teilweise auf einem bereits für eine Newton-Ausstellung in La Coruña entstandenen Porträt basiert und um bislang nicht gezeigte Sequenzen ergänzt wurde. Dazu gehört auch Material aus dem Archiv von June Newton, das erst vor Kurzem erschlossen und digitalisiert worden ist.

Erstmals sind in Berlin außerdem Interviews mit Wegbegleitern und Zeitzeugen zu sehen, darunter Philippe Garner, Carla Sozzani, Jenny Capitain, Violetta Sanchez und Matthias Harder. Der Film läuft in Endlosschleife und soll das Werk Newtons in verdichteter Form neu erfahrbar machen.

Bekannte Ausstellungsstücke in neuem Kontext

Im hinteren Bereich des Erdgeschosses bleibt ein Teil des bekannten Displays erhalten, wird inhaltlich jedoch neu gefasst. Weiterhin zu sehen sind knapp 100 Ausstellungsplakate von Helmut Newton, ergänzt um mehrere Poster zu Einzelausstellungen von Alice Springs. Auch die 16 Meter lange Vitrine unterhalb der Poster bleibt bestehen, erhält aber eine neue Bestückung.

An die Stelle der bisherigen Vintage-Magazine mit veröffentlichten Arbeiten Newtons treten nun Mode- und Lifestyletitel mit Editorials von Alice Springs aus Jardin des Modes, Elle, Vogue, Vanity Fair, Egoïste, Stern, The New Yorker, Photo und Paris Match. Die Schau zeichnet damit nicht nur fotografische Entwicklungen nach, sondern auch den Wandel des Frauenbildes in der westlichen Welt von den späten 1950er-Jahren bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts.

Wie erweitert die Foundation den Blick auf Helmut und June Newton?

In den Korridoren ergänzt die Foundation die Ausstellung um biografische Elemente. Große Texttafeln mit bebilderten Lebensstationen von Helmut und June Newton sowie gerahmte Porträts der beiden Stiftungsgründer vertiefen den historischen und persönlichen Kontext. Damit bleibt die ursprüngliche Idee erhalten, im Erdgeschoss über Leben und Werk des Paars zu informieren, wird aber formal deutlich anders umgesetzt.

Neu ist außerdem das kuratorische Format „Spotlight: Behind the Frame“, das künftig in lockeren Abständen fortgeführt werden soll. Dabei rückt jeweils ein einzelnes Bild aus dem Werk von Helmut Newton oder Alice Springs in den Mittelpunkt. Gezeigt werden dann unter anderem Kontaktbögen, Veröffentlichungen, Notizen, vorbereitende Polaroids und verwandte Aufnahmen, um Entstehung und Verbreitung eines Bildes nachvollziehbar zu machen.

Warum ist Intermezzo. Revisiting Helmut Newton mehr als eine Übergangsschau?

Zum Auftakt dieser Reihe stehen zwei Arbeiten im Fokus: Helmut Newtons Modefotografie „Rue Aubriot“ von 1975 für die französische Vogue sowie die erste Fotografie im Werk von Alice Springs, ein 1970 in Paris aufgenommenes Werbebild für Gitanes-Zigaretten. Die Foundation versteht dieses Format als Öffnung ihres Archivs und als Einladung zur Neubegegnung mit dem Werk beider Fotografen.

Zugleich ist „Intermezzo. Revisiting Helmut Newton“ ausdrücklich als temporäre Präsentation angelegt. Das Ausstellungskonzept im Miniaturformat soll später auch von Gastkuratoren weitergeführt werden und damit einen externen, frischen Blick auf das Werk von Helmut Newton und Alice Springs ermöglichen. So verbindet die Schau Film, Archiv, Plakate, Magazine und Einzelfallstudien zu einem Übergangsformat, das den Bestand nicht wiederholt, sondern neu lesbar macht.

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