Das Sigma 1.4/35 mm DG II Art ist mit einem Blendenring ausgestattet, der sich auf einen klicklosen Betrieb umschalten lässt.
© SonyText und Praxistest: Andreas Jordan
Labormessungen: Guido Sieber, Anders Uschold
Objektive mit 35-mm-Brennweite gehören zu den beliebtesten Festbrennweiten. Sie erzeugen eine natürliche, leichte Weitwinkelansicht und eignen sich speziell für Reportagen, Reisen oder Gruppen-Porträts. Hohe Lichtstärken ermöglichen trotz des Weitwinkels ein mehr oder weniger starkes Freistellen des Motivs. Wer neben der Vollformat- eine APS-C-Kamera besitzt, kann das 35er zudem in eine „Normalbrennweite“ (gut 50 mm beim Kleinbild) verwandeln und deckt so zwei der beliebtesten Bildwinkel mit einem Objektiv ab. Nachteil: Sehr lichtstarke Objektive sind in der Regel teuer und schwer. Sigma bietet bspw. das 35mm F1.2 DG II Art für rund 1500 Euro an, das 755 g auf die Waage bringt. Das Sigma 35mm F1.4 DG II Art bildet mit einem Preis von ca. 1000 Euro und einen Gewicht von 525 g (in der von uns geprüften Sony-Version) eine gute Alternative. Im Test vergleichen wir es mit dem Sony FE 35mm F1.4 GM, das wir ausführlich bereits in fotoMAGAZIN 8/22 getestet hatten. Es ist ähnlich kompakt und leicht sowie fast identisch ausgestattet, kostet aber rund 500 Euro mehr.
Leichtes Abblenden auf f/1,6 verbessert die Bildqualität den Sigma 1.4/35 mm DG II Art bereits deutlich.
© Andreas JordanWie hochwertig ist die Mechanik des Sigma 35mm F1.4 DG II Art im Test?
Das aus Aluminium und TSC-Polycarbonat konstruierte Gehäuse des Sigma 35mm F1.4 DG II Art hinterlässt einen robusten Eindruck. Es ist gegen Staub- und Spritzwasser geschützt und die Frontlinse besitzt eine öl- und wasserabweisenden Beschichtung. Der Fokusring ist angenehm breit. Ein mechanischer Blendenring lässt sich auf einen klicklosen Betrieb umstellen. Wer die Blende lieber an der Kamera wählt, kann den Blendenring auch in der A-Position sperren. Hinzu kommen zwei Funktions- alias AFL-Tasten, die über das Kameramenü mit individuellen Funktionen belegt werden können – das Sony FE 35mm F1.4 GM muss mit einer Funktionstaste auskommen. Der duale HLA-Antrieb (High-response Linear Actuator) sorgt dafür, dass der Autofokus schnell und leise scharfstellt, wobei das Fokus-Breathing gering ausfällt.
Wie gut ist die Abbildungsleistung des Sigma 35mm F1.4 DG II Art?
Im Labor haben wir das Sigma 35mm F1.4 DG II Art wie üblich im JPEG-Modus in den Werkseinstellungen mit aktiver Verzeichnungskorrektur an der 42-MP-Kamera Alpha 7R II getestet.
Bei offener Blende
gelingen mit dem Sigma 1,4/35 mm DG II Art trotz 35-mm-Weitwinkel Aufnahmen mit unscharfem Hintergrund.
Wie scharf ist das Sigma 35mm F1.4 DG II Art bei offener Blende?
Angesichts der sehr hohen Lichtstärke erwartbar: Bei offener Blenden zeigt das Objektiv – wie sein Sony-Pendant – eine deutliche Einschränkung. Immerhin liegt der Wirkungsrad der Auflösung in der Bildmitte bereits bei gut 90 %, fällt zum Bildrand hin aber auf gut 60 % ab. Die Offenblendschwäche zeigt sich auch bei der Randabdunkelung, die im JPEG bei 1,6 % liegt. Ein Blick auf die nicht korrigierten Raws zeigt eine noch stärkere Randabdunklung, die sich aber bereits beim Abblenden auf f/1,6 stark verbessert. Das gilt natürlich auch für die Auflösungswerte. Bei f/2 haben wir in der Bildmitte bereits einen Wirkungsgrad von über 100 % und am Bildrand von fast 80 % gemessen. Weiteres Abblenden verbessert die Ergebnisse noch leicht. Die Bestwerte erreicht das Objektiv bei f/4 mit fast 120 % Wirkungsgrad in der Mitte und 90 % am Bildrand. Weiteres Abblenden reduziert die Auflösung sowohl in der Bildmitte als auch am Bildrand bereits wieder leicht.
Wie gut kontrolliert das Sigma 35mm F1.4 DG II Art Verzeichnung und Farbsäume?
Die Verzeichnung ist praktisch komplett digital korrigiert, wobei auch die nicht korrigierten Raws eine geringe Verzerrung aufweisen. Der Vergleich mit dem Sony-Objektiv hinkt hier, weil wir 2022 noch mit abgeschalteter Korrektur getestet haben. Im Praxistest zeigt sich außerdem, dass – auch im Raw – so gut wie keine störenden Farbsäume durch chromatische Aberrationen auftreten. Der Einsatz von vier asphärischen und zwei SLD-Glaselementen macht sich offensichtlich bezahlt. Die neu entwickelte AAC-Beschichtung (Advanced Amorphous Coating) reduziert effektiv Geisterbilder und Streulichtreflexionen.
Fazit: „Das Sigma 1,4/35 mm DG II Art kann auf ganzer Linie überzeugen.“
Trotz – erwartbarer – Offenblendeinschränkungen ist das Sigma 1,4/35mm DG II Art sowohl optisch als auch mechanisch ein hervorragendes Objektiv, das weitgehend mit dem rund 500 Euro teureren Sony FE 1,4/35 mm GM mithalten kann. Lediglich die extrem schnellen Serienbild-
raten der Alpha 9 III (120 B/s) kann das Sigma-Objektiv nicht mit Autofokus-Nachführung bedienen.
Sigma 1,4/35 mm DG II Art vs. Sony FE 1,4/35 mm GM
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| OBJEKTIV | Sigma 1,4/35 mm DG II Art | Sony FE 1,4/35 mm GM |
| OPTIK | Auflösung: für die hohe Lichtstärke nicht unübliche Offenblendeinschränkung, wobei sie mit guter bis sehr guter Anfangsleistung startet. Um eine Blende geschlossen ist sie ausgezeichnet. Die Auflösung von der Bildmitte zur halben Bildhöhe ist konstant und fällt dann zu den äußeren Ecken ab. | Auflösung: für die sehr hohe Lichtstärke typisch mit starkem Offenblendabfall, jedoch bereits guten Werten bei f/1,4. Ab f/2 ausgezeichnet. Mehr als ausgezeichneter idealer Blendenbereich. Randabdunklung: deutlich bei f/1,4, abgeblendet sehr gut. Verzeichnung: unüblich, weil leicht kissenförmig, dennoch sehr gut. |
| MECHANIK | Sehr gut bis ausgezeichnet in Metall und Kunststoff verarbeitet; Metallbajonett und Dichtung. Der Blendenring schaltet in 1/3-Blenden, zudem ist die Rastung abschaltbar. Im Inneren befinden sich Lichtschutzmaßnahmen, die mit mattierten Oberflächen, Lichtfallen und Lichtfangrillen insgesamt sehr gut ausgeführt sind. | Sehr gut bis ausgezeichnet in Metall und Kunststoff mit Metallbajonett und Dichtungslippe gefertigt. Großzügiger Fokussierring ausgezeichnet bedienbar. Nahgrenze gut. Feststehende Kunststofffilterfassung. Streulichtschutz gut bis sehr gut. Blendenring mit abschaltbarer Rastung. |
| GESAMT- WIRKUNGSGRAD | ![]() | ![]() |
| RANDABDUNKLUNG IN BLENDENSTUFEN | Blende 1,4/2,8: -1,6/-0,9 | Blende 1,4/2,8: -1,5/-0,5 |
| VERZEICHNUNG | -0,1 % (tonnenförmig) | 0,7 % (kissenförmig) |
| LEISTUNGSPROFIL | Optik: 91% Mechanik: 88% | Optik: 91% Mechanik: 89% |
| GESAMTEINDRUCK | Das Sigma 1,4/25 mm DG II Art ist optisch und mechanisch hervorragend und vergleichsweise preiswert. | Eine hervorragende Optik beschert dem lichtstarken Sony FE 1,4/35 mm GM die Bestnote |
| fotoMAGAZIN-Testurteil | Test in fM 09/26 | Test in fM 08/22 |
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Test in fM 09/26