Joachim Giesel in Hannover: Menschenbilder der Zeitgeschichte

Die Fotogalerie GAF in der Eisfabrik Hannover zeigt vom 14. Mai bis 14. Juni 2026 eine Retrospektive zum Werk von Joachim Giesel. Im Mittelpunkt stehen Fotografien, die deutsche Geschichte nach 1945 über Porträts, Reportagen und Serien erzählen.

Travestie-Show Madame Chatou (aus der Serie "Der Mensch in der Gruppe), Hannover, 1978, © Joachim Giesel

Travestie-Show Madame Chatou (aus der Serie „Der Mensch in der Gruppe), Hannover, 1978

© Joachim Giesel

Vom 14. Mai bis 14. Juni 2026 zeigt die Fotogalerie GAF in der Eisfabrik Hannover die Ausstellung »Menschenbilder | Zeitgeschichte. Der Fotograf Joachim Giesel«. Die Retrospektive stellt den hannoverschen Fotografen Joachim Giesel als Chronisten der Bundesrepublik vor: mit Dokumentationen, Porträts, Serien und Auftragsarbeiten, die politische Ereignisse, gesellschaftliche Milieus und kulturelle Umbrüche sichtbar machen. Eröffnet wird die Schau am Mittwoch, 13. Mai, um 19 Uhr.

Was zeigt die Ausstellung über Joachim Giesel?

Joachim Giesel, 1940 in Breslau geboren, fotografiert seit mehr als fünf Jahrzehnten Menschen und Ereignisse in Deutschland. Seine Bilder reichen von politischen Momenten bis zu Künstlerporträts, von Alltagsbeobachtungen bis zu gesellschaftlichen Randzonen. Die Ausstellung ordnet dieses Werk als fotografische Zeitgeschichte ein und zeigt erstmals die thematische und ästhetische Breite seines Schaffens in einer Retrospektive.

Welche Motive prägen Giesels Menschenbilder?

Giesel fotografierte 1965 Queen Elisabeth II. bei ihrem Besuch in Hannover, dokumentierte 1967 die Beerdigung von Benno Ohnesorg und war 1974 beim Fußballspiel DDR gegen Brasilien im Niedersachsenstadion vor Ort. Zu seinem Werk gehören außerdem Kanzlerporträts von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl sowie Aufnahmen von Franz Beckenbauer, Udo Jürgens, Max Frisch, Doris Dörrie, Louis Armstrong und Rudolf Augstein.

Warum ist Joachim Giesel für die Fotografie nach 1945 wichtig?

Die Ausstellung stellt Giesel als Fotografen vor, der Gesellschaft nicht nur abbildet, sondern über Menschen lesbar macht. Seine Fotografien verbinden historische Ereignisse mit sozialen Räumen: Wohnsiedlung und Eigenheim, Fabrikarbeit und Subkultur, Hochkultur und Körperkultur. Damit werden seine Bilder zu Dokumenten der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft.

Wie wird Giesels Werk wissenschaftlich eingeordnet?

Seit 2022 wird das Werk im Joachim Giesel Archiv aufgearbeitet. Die Retrospektive entstand unter der Leitung von Rickie Lynne Giesel vom Joachim Giesel Archiv und Prof. Martin Schieder von der Universität Leipzig. Beteiligt waren zudem Studierende des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Leipzig. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag.

Welche Rolle spielte Giesel für die Fotoszene?

Joachim Giesel wirkte nicht nur als Fotograf. Er engagierte sich auch als Kurator, Lehrer, Publizist und Funktionär für die Fotografie in der Bundesrepublik. 1972 gründete er in Hannover mit Kolleginnen und Kollegen die spectrum Photogalerie, eine der frühen Fotogalerien Europas. Dort wurden fast 100 Ausstellungen realisiert.

Wann ist Joachim Giesel in der Ausstellung zu treffen?

Die Ausstellung ist donnerstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Öffentliche Führungen finden an diesen Tagen jeweils um 11 und 18 Uhr ohne Voranmeldung statt. Gruppenführungen für bis zu 20 Personen sind nach Anmeldung möglich. Jeden Samstag ist Joachim Giesel von 15 bis 17 Uhr persönlich in der Ausstellung anwesend.

Welche Sondertermine gibt es in der GAF Hannover?

Am Donnerstag, 4. Juni, um 19 Uhr findet ein Podiumsgespräch mit Joachim Giesel statt. Zur Langen Nacht der Museen am Freitag, 5. Juni, bleibt die Galerie von 18 bis 23 Uhr geöffnet. Geplant sind um 18 Uhr eine Führung, um 19 Uhr eine Führung im Dialog mit dem Fotografen und um 20 Uhr ein Meet and Greet mit Joachim Giesel.

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