Sigmas neuen 10-fach-Zoom, das 3,5-6,3/20-200 mm DG Contemporary, fährt beim Zoomen recht weit aus.
© SigmaVollformatobjektive mit großem Zoombereich starteten bisher meist bei 24 bis 28 mm (siehe Tabelle). Sigma wagt sich nun also erstmals bis 20 mm vor und macht das 10fach-Zoom für spiegellose Sony-Kameras damit besonders vielseitig. Von Architektur über Landschaft und Porträt bis hin zu Sport ist das Objektiv einsetzbar und dank eines Abbildungsmaßstabs von 1:2 eignet es sich auch gut für Nahaufnahmen. Die offensichtlichste Einschränkung ist die vor allem im Telebereich geringe Lichtstärke, was aber für fast alle Superzoomobjektive gilt. Positiv hebt sich in dieser Hinsicht das Tamron 2,8-5,6/25-200 mm G2 ab, das uns leider nicht mehr rechtzeitig zum Test erreichte. Den größten Zoombereich deckt das Nikkor 4-8/28-400 mm VR ab. Die beste Abbildungsleistung erreichten im BAS-Digital-Test das Canon RF 4-6,3/24-240 mm IS USM und das Nikkor Z 4-6,3/24-200 mm VR.
10-fach-Zoom an Sony-Kameras
An einer Sony Alpha macht das Sigma-Objektiv eine schlanke Figur und ist eingefahren mit einer Baulänge von knapp 118 mm auch relativ kompakt. Ein-Zoom-Lock-Schalter soll verhindern, dass der Tubus durch sein eigenes Gewicht aus der Weitwinkelposition rutscht. Der Widerstand lässt sich einfach durch Drehen des angenehm großen Zoomrings überwinden. Ausgefahren verlängert sich das Objektiv ungefähr um den Faktor 1,8. Positiv fallen die Staub- und spritzwassergeschützte Konstruktion sowie die wasser- und ölabweisende Beschichtung der Vorderlinse auf. Ansonsten ist das neue Sigma-10-fach-Zoom einfach ausgestattet. Lediglich ein AF/MF-Umschalter findet sich am Gehäuse, weitere Funktionsknöpfe gibt es nicht.
Das Sigma 3,5-6,3/20-200 mm DG im Outdoor-Einsatz: Gegen Spritzwasser ist das neue 0-fach-Zoom geschützt.
© SigmaBei der Bildstabilisierung verlässt sich Sigmas 10-fach-Zoom ganz auf dem Sensor-Shift (IBIS) in Sony- bzw. bei der L-Mount-Variante in Leica- und Panasonic-Kameras. Wer das Objektiv an einer Sigma-Kamera betreiben will, muss ohne Stabilisierung auskommen. Neben dem Sigma-Zoom verzichtet in unserer Testübersicht nur noch das Tamron 2,8-5,6/25-200 mm G2 auf den eigenen Stabilisator, der in den langen Brennweiten in der Regel effektiver ist als der Kamera-IBIS. Den sehr guten Abbildungsmaßstab von 1:2 erreicht das Objektiv bei Brennweiten von 28 bis 85 mm. Überzeugt hat uns auch der schnelle und so gut wie geräuschlose Autofokus mit Linearmotor HLA (High-Response Linear Actuator).
Abbildungsleistung
Im BAS-Digital-Labor haben wir das Sigma-Zoom wie üblich an einer hochauflösenden Sony-Kamera (42 MP) vermessen. Dabei erreicht es in allen Brennweiten seine beste Auflösungswerte leicht abgeblendet. Ein Schließen der Blende um eine Stufe ergibt bereits sehr gute Werte. Im Weitwinkel zeigt sich ein deutlicher Randabfall, vor allem bei offener Blende. Bestwerte werden hier bei f/7,1 erreicht, also im zwei Stufen abgeblendet. Bei 50 mm ist die Auflösung dagegen von der Bildmitte bis zum Bildrand hervorragend homogen und auch insgesamt am höchsten. In der langen Brennweite ist der Wirkungsgrad am niedrigsten. Am Bildrand fällt er nur bei offener Blende stark ab, bei Blende 9 ist der Randabfall moderat.
Die Randabdunkelung in den JPEG-Dateien stört vor allem im Weitwinkel bei offener Blende. Die einschaltbare Korrektur in Sony-Kameras verringert sie nur leicht. Wir empfehlen daher das Raw-Format, da das Korrekturprofil für Adobe Camera Raw die Vignettierung deutlich besser in den Griff bekommt. An Sony-Kameras lässt sich auch eine Verzeichnungskorrektur aktivieren, die meist gut funktioniert, lediglich bei 200 mm bleibt eine sehr geringe Kissenform erhalten. Bei abgeschalteter Verzeichnungskorrektur bzw. in den nicht korrigierten Raw-Daten ist die Verzerrung dagegen – vor allem im Weitwinkel – stark. Chromatische Aberrationen sind uns im Test auch in den Raw-Dateien nicht störend aufgefallen.
Kompaktes leichtes Superzoom
Mechanisch überzeugt das Sigma-10-fach-Zoom 20-200 mm. Erwartungsgemäß zeigt das sehr weitwinkelige 10fach-Zoom Schwächen bei offener Blende. Abblenden um eine Stufe führt aber meist bereits zu guten Auflösungswerten. Wer sich mit den leichten optischen Einschränkungen abfinden kann, erhält ein sehr vielseitiges Zoom, das vor allem als kompakter und leichter Reisebegleiter eine gute Figur macht.
Testurteil:
Auf einen Blick: Superzoomobjektive für Vollformat (8- bis 14-fach)
| Objektiv | Linsen/Gruppen | Nahgrenze/ Abbildungsmaßstab | Kleinste Blende | Filtergröße | Bau- länge | Gewicht | Anschlüsse | Straßenpreis | Testergebnis |
| Canon RF 4-6,3/ 24-240 mm IS USM | 21/15 | 50 cm/ 1:3,8 | 22-38 | 72 mm | 122,5 mm | 750 g | RF | ca. 950 Euro | Optik: 83 %, Mechanik: 78 %, Sehr gut (fM 2/20) |
| Nikon Nikkor Z 4-6,3/24-200 mm VR | 19/15 | 50-70 cm/1:3,6 | 22-36 | 67 mm | 114 mm | 570 g | Z | ca. 860 Euro | Optik: 82 %, Mechanik: 87 %, Sehr gut (fM 12/20) |
| Nikon Nikkor 4-8/ 28-400 mm VR | 21/15 | 20-120 cm/ 1:2,8 (28 mm) | 22-45 | 77 mm | 141,5 mm | 725 g | Z | ca. 1300 Euro | Optik: 76 %, Mechanik: 82 %, Sehr gut (fM 11/24) |
| Sigma 3,5-6,3/ 20-200 mm DG Contemporary | 18/14 | 16,5-65 cm/ 1:2 (28 mm) | 22-40 | 72 mm | Sony: 117,5 mm | 540 g | E, L | ca. 900 Euro | Optik: 78 %, Mechanik: 85 %, Sehr gut (fM 3/26) |
| Sony FE 3,5-6,3/ 24-240 mm OSS | 17/12 | 50-80 cm/ 1:3,7 | 22-40 | 72 mm | 118,5 | 780 g | E | ca. 730 Euro | Optik: 80 %, Mechanik: 83 %, Sehr gut (fM 11/16) |
| Tamron 2,8-5,6/ 25-200 mm G2 | 18/14 | 16-80 cm/ 1:1,9 (25 mm) | 16-32 | 67 mm | 121,5 mm | 575 g | E | ca. 850 Euro | nicht getestet |
| Tamron 4-7,1/28-300 mm Di III VC VXD | 20/13 | 19-99 cm/ 1:2,8 (28 mm) | 22-40 | 77 mm | 126 mm | 610 g | E | ca. 800 Euro | Optik: 76 %, Mechanik: 87 %, Sehr gut (fM 9/25) |
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