Die Nikonos V war der Abschluss der legendären Unterwasser-Modellreihe von Nikon.
© Winfried WarnkeDie Nikonos V ist auffällig. Sehr auffällig. Ihr besonderes Design ist dabei kein Selbstzweck, sondern auf die Tauglichkeit für die Unterwasserfotografie angelegt: Sie ist kompakt, hat aber einen massiven Kamerakörper, der auch unter Wasser gut bedienbar ist. Auch ihre schützende Gummihaut (wahlweise in orange oder moosgrün erhältlich) sorgt für diesen Hinguck-Effekt.
Wer schon einmal erlebt hat, dass eindringende Feuchtigkeit, Sand und Schmutz die wertvolle Kamera zerstört haben, der verlangt nach einem robusteren Equipment. Nimmt man die Nikon Nikonos V in die Hand, spürt man diese Widerstandskraft sofort: Alles wirkt satt und solide und trotz kompakter Maße (die Nikonos V ist kaum größer als eine Leica M6) bringt die Kamera mit dem UW Nikkor 2,5/35 mm fast ein Kilogramm auf die Waage.
Das Gehäuse besteht aus einer Druckguss-Aluminiumlegierung und Dichtungsringen, die das Innere der Kamera hermetisch abschließen, und macht sie unterwasser- und allwettertauglich. Tauchtiefen bis 50 Meter sind mit der Nikonos V kein Problem und als Unterwasser-Sucher-Systemkamera ist sie hier auch absolut konkurrenzlos. Alles an der Kamera wirkt hochwertig, der samtweiche Aufzug, das leise, aber satte Auslösegeräusch, die präzise Einstellung von Entfernung und Blende am Objektiv durch große Einstellräder und eine stabile, verriegelbare Rückwand. Konzipiert als Sucherkamera für Kleinbildfilm, ist ihr Sucherbild mit Leuchtrahmen außerordentlich hell und klar und auch mit Taucherbrille gut nutzbar.
Die Nikonos V (1984–2001) bildet den Hightech-Abschluss einer konkurrenzlosen Kamerareihe von Nikon: Auf Zeitautomatik und TTL-Blitzsteuerung (mit tauchtauglichem externen Blitzgerät) müssen ambitionierte Fotografen nicht verzichten. Die nach Blendenvorwahl automatisch gebildeten Belichtungszeiten werden genauso wie Blitzbereitschaft im Sucher angezeigt. Auch eine rein manuelle Belichtungseinstellung ist möglich.
Für diese Sucherkamera gibt es fünf Wechselfestbrennweiten (UW-Nikkor 2,8/15mm (N), UW-Nikkor 2,8/20mm, UW-Nikkor 3,5/28mm, W-Nikkor 2,5/35mm und Nikkor 4,0/80mm), wobei die ersten drei ausschließlich für die Unterwasserfotografie optimiert wurden, während die 35- und 80-mm-Brennweiten sowohl unter Wasser als auch an Land verwendet werden können. Zudem kommt die „Amphibien-Leica“ mit einer automatischen Belichtungssteuerung, aber ohne Entfernungsmessung daher.
Anlass für den Bau der gesamten legendären Nikonos-Reihe war übrigens kein geringerer als der berühmte französische Forscher und Unterwasserfotograf Jacques-Yves Cousteau. Der war Ende der 1950er Jahre genervt von den sperrigen und schweren Kamera-Gehäuse-Konstruktionen für das 6x6-Mittelformat und favorisierte allein schon wegen der dreimal so hohen Bildanzahl das Kleinbildformat. Gedanklich wünschte er sich eine gänzlich neu konstruierte Kamera mit Wechselobjektiven – eben eine amphibische Leica.
Zusammen mit dem Ingenieur Jean de Wouters schuf er 1959 eine Neukonstruktion, die angelehnt an den Namen seines legendären Forschungsschiffes „Calypso-Phot“ genannt wurde. Im Hause Nippon Kogaku (Nikon) sah man offensichtlich ein großes Potenzial in diesem neuen Konzept: 1962 erwarb man die Produktionsrechte und baute ab 1963 die Nikonos I, die technisch fast identisch mit der Calypso war. Über die Jahrzehnte wurde dieses Modell durch Anregungen und Wünsche aus der Taucherszene immer weiterentwickelt. Die Nikonos V bildet das letzte Modell dieser legendären Kameraserie.
Heute sind gebrauchte Exemplare der Nikonos V mit dem 2,5/35-mm-Objektiv oft für bereits 180 bis 250 Euro und damit erstaunlich günstig zu bekommen. Wie es nach mindestens 20 Jahren mit der Wasserfestigkeit aussieht, sei einmal dahingestellt, doch unabhängig davon erhält man eine großartige analoge Outdoor-Kamera für alle Witterungsbedingungen.
Beitrage Teilen