Fotos digitalisieren: So klappt es mit Kamera und Scanner

Beim Thema Fotos digitalisieren gesellt sich zu alten Dias und Negativen in den vergangenen Jahren zunehmend neues analoges Filmmaterial. Wir zeigen, mit welchen Geräten Sie Dias, Negative und Papierabzüge am besten ins Digitale überführen.

Damian Zimmermann

Damian Zimmermann ist leitender Redakteur beim fotoMAGAZIN.

Um beim Fotos digitalisieren Fingerabdrücke zu vermeiden, sollten Sie Negative nur mit Handschuhen anfassen.

Um beim Fotos digitalisieren Fingerabdrücke zu vermeiden, sollten Sie Negative nur mit Handschuhen
anfassen.

© Philipimage / stock.adobe.com

Ob alte Fotoschätze oder neue Filme, die im Rahmen des Analog-Revivals entstanden sind: Früher oder später dürfte der Wunsch aufkommen, Papierfotos, Negative und Dias digital zu präsentieren – auf dem großen TV-Display oder per Social Media auf dem Smartphone. Schaut man sich ein wenig um, wird schnell klar: Viele Wege führen vom analogen zum digitalen Bild. Wenn Sie nicht selber Fotos digitalisieren wollen, können Sie einen Dienstleister beauftragen. Damit sparen Sie sich zwar den Kauf eines Scanners und die Arbeit des Digitalisierens, geben ihre wertvollen analogen Schätze aber in fremde Hände und müssen einige Zeit auf das Ergebnis warten. Wer Tausende Negative oder Dias hat, fährt vermutlich gut damit, vor dem Versand an einen Dienstleister eine Vorauswahl zu treffen. Mit manchen Geräten können Sie bei der Sichtung mit geringem zusätzlichen Zeitaufwand gleich selbst die Fotos digitalisieren.

Fotos digitalisieren mit dem Schnappschuss-Scanner

In den vergangenen Jahren hat eine neue Gattung von Scannern den Markt erobert: Preiswerte Geräte mit LED-Licht und kleinen CMOS-Sensoren, die Dias und Negative abfotografieren, statt sie zeilenweise abzutasten. Ihr Vorteil liegt vor allem in der Geschwindigkeit. Während herkömmliche Scanner zwischen 40 Sekunden und mehreren Minuten pro Vorlage benötigen, geht es hier in Sekundenschnelle. Wir nennen diese Gattung deshalb „Schnappschuss-Scanner“.

Fotos digitalisieren: Der Schnappschuss- Scanner Reflecta x44-Scan hat im Test in fotoMAGAZIN 12/24 mit „Sehr gut“ abgeschnitten.

Der Schnappschuss-
Scanner Reflecta x44-Scan hat im Test in fotoMAGAZIN 12/24 mit „Sehr gut“ abgeschnitten.

© Reflecta

Die meisten dieser Geräte sind außerdem mit einem Display ausgestattet, auf dem der Anwender eine Vorschau sieht und so entscheiden kann, ob sich das Fotos digitalisieren lohnt. Idealerweise gibt es außerdem einen HDMI-Ausgang, über den die analogen Vorlagen auf einem großen TV-Bildschirm präsentieren werden können. Speichern lassen sich die Ergebnisse meist in einem internen Speicher oder auf SD-Karte. Damit ist ein Betrieb ganz ohne Computer möglich – praktisch, wenn Sie Fotos digitalisieren und direkt sichten möchten.

Reflecta und Rollei mit mehreren Modellen auf dem Markt

Ein sehr umfangreiches Angebot an Schnappschuss-Scannern haben Rollei und Reflecta. Im Test in fotoMAGAZIN 12/24 hat uns der Reflecta x44-Scan für rund 200 Euro gut gefallen (Note: „Sehr gut“). Er bringt Halterungen für bis zu vier gerahmte Dias oder Kleinbild-Filmstreifen mit maximal sechs Bildern mit. Mit zwei optional erhältlichen Haltern lassen sich zudem Aufnahmen der Formate 110 (Pocket) und 126 (Instamatic-Film) digitalisieren. Die Auflösung liegt bei 16 Megapixel, für die Vorschau und eine Diashow nach der Digitalisierung steht ein 7-Zoll-Display zur Verfügung. Die anderen Reflecta-Modelle haben eine geringere Auflösung (8 oder 15,3 Megapixel). Das teuerste Modell x66-Scan (250 Euro) löst 14 Megapixel auf, hat ein kleineres Display (4,3 Zoll), kann aber auch Mittelformat-Rollfilme (4x4, 6x4,5, 6x9) digitalisieren und bringt einen HDMI-Ausgang mit. Weitere preiswerte Schnappschuss-Scanner mit HDMI-Ausgang kommen von Kodak (Scanza) und Somikon, der Hausmarke von Pearl.

Fotos digitalisieren: Der Magazin-Scanner DigitDia 8000 von Reflecta scannt Dias mit sehr hoher Auflösung, ist mit 2500 Euro aber auch das teuerste Gerät in unserer Übersicht.

Fotos digitalisieren: Der Magazin-Scanner DigitDia 8000 von Reflecta scannt Dias mit sehr hoher Auflösung, ist mit 2500 Euro aber auch das teuerste Gerät in unserer Übersicht.

© Reflecta

Eine Besonderheit ist der Reflecta DigitDia evolution, der direkt aus dem Magazin digitalisiert. Das automatische Scannen eines Magazins mit 50 Dias erfolgt laut Hersteller in rund vier Minuten mit einer Auflösung von 4920 x 3280 Pixeln. Neben einem 7-Zoll-Display hat der DigitDia evolution einen HDMI-Ausgang. Mit 1900 Euro ist er vergleichsweise teuer. Manche Schnappschuss-Scanner können übrigens auch Super8-Filme digitalisieren, bspw. die Kodak- und einige Rollei- und Somikon-Modelle.

Fotos digitalisieren mit dem Epson FastFoto FF-680W

Wer keine Dias und Negative, sondern Papierfotos bis DIN A4 schnell kopieren will, kann zum Epson FastFoto FF-680W greifen (Test in fM 5/19, Note „Gut“). Er liest Aufsichtsvorlagen (bis zu 36 Stück) als Stapel ein und arbeitet maximal mit 600 ppi, meist dürften aber 300 ppi reichen. In dieser Auflösung schafft er einen 10x15-cm-Scan in einer Sekunde. Etwas länger dauert es, wenn man das Gerät Optimierungen durchführen lässt (Belichtungskorrekturen, Rote Augen und Farbstich entfernen) und wenn es die Rückseite der Fotos mit Datumsangabe erfassen soll. Die Qualität der Scans ist gut, reicht aber nicht ganz an höher auflösende Flachbett-Scanner heran. Für viele ist das eine schnelle Lösung, um Fotos digitalisieren zu können.

Fotos digitalisieren: Der Epson FastFoto FF-680W liest Aufsichtsvorlagen (bis zu 36 Stück) als Stapel ein und scannt in Sekundenschnelle.

Der Epson FastFoto FF-680W liest Aufsichtsvorlagen (bis zu 36 Stück) als Stapel ein und scannt in Sekundenschnelle.

© Epson

Fotos digitalisieren – einfach abfotografieren

Wer eine Digitalkamera hat, kann natürlich auch diese zum Digitalisieren analoger Vorlagen nutzen. Das geht sogar mit dem Smartphone. Anbieter wie KLIM (K2 Mobile Film Scanner), Somikon (Mobile Scanner) oder Lomography (DigitalLIZA, auch für Mittelformat) bieten Smartphone-Halterungen mit Lichtquellen zu Preisen zwischen 20 und 100 Euro an, mit denen sich Negative und Dias einfach abfotografieren lassen. Meist liegen den Geräten Apps zur Invertierung von Negativen und zur Weiterverarbeitung bei – so lässt sich Fotos digitalisieren, ohne einen klassischen Scanner zu nutzen.

Wenn die Qualität des Smartphones nicht ausreicht, bieten sich zum Fotos digitalisieren hochwertige Kameras an, idealerweise mit einem im Nahbereich scharfen Makroobjektiv. Als einziger Kamerahersteller hat Nikon mit dem ES-2 (ca. 170 Euro) einen Adapter im Angebot, der aber nur mit den Spiegelreflexkameras D850 und D780 und vier Makroobjektiven funktioniert. Vielseitiger sind die Lösungen von Valoi (ausgezeichnet mit dem EISA-Award 2025/2026), die mit allen Systemkameras genutzt werden können. Sie bestehen aus Verlängerungsrohren, Filmhaltern und Lichtquellen. Das Gerät easy35 für rund 230 Euro ist für das Kleinbild ausgelegt, das easy120 (rund 550 Euro) auch für Mittelformat-Filme.

Preiswert Fotos digitalisieren mit dem Dia-Duplikator

Eine günstigere Lösung (knapp 95 Euro) bietet Kaiser Fototechnik an: Der Dia-Duplikator mit Filmstreifenhalter für sechs Kleinbild-Negative wird allerdings ohne Lichtquelle ausgeliefert – eine LED-Lichtplatte muss also, wenn nicht bereits vorhanden, zugekauft werden. Der Duplikator wird in das Filtergewinde des Objektivs geschraubt (52 mm, Adapter für andere Gewinde erhältlich) und bringt eine Nahlinse mit. Kaiser empfiehlt daher auch keine Makroobjektive, sondern Zooms mit einer Brennweite von 80-120 mm (bzw. äquivalenten Brennweiten für APS-C und MFT).

Fotos digitalisieren: Zum Abfotografieren von Dias und Negativen mit digitalen Spiegelreflexkameras und spiegellosen Systemkameras sowie digitalen Kompaktkameras mit Objektiv-Frontgewinde eignet sich der Dia-Duplikator von Kaiser Fototechnik.

Zum Abfotografieren von Dias und Negativen mit digitalen Spiegelreflexkameras und spiegellosen Systemkameras sowie digitalen Kompaktkameras mit Objektiv-Frontgewinde eignet sich der Dia-Duplikator von Kaiser Fototechnik.

© Kaiser Fototechnik

Ein Nachteil beim Abfotografieren ist, dass es – anders als bei hochwertigen Flachbett- oder Film-Scannern – keine Hardware-basierte Staub- und Kratzerentfernung gibt. Abhilfe schaffen automatische Restaurierungsfunktionen, welche die meisten Bildeditoren mitbringen, Photoshop beispielsweise als KI-Filter „Bildwiederherstellung“. Wer auf diesem Weg Fotos digitalisieren will, sollte dafür Zeit für Nacharbeit einplanen.

Digitalisieren mit dem Flachbett-Scanner

Aufsichtvorlagen lassen sich natürlich mit jedem Scanner bzw. Multifunktionsgerät digitalisieren, anders sieht es mit Negativen und Dias aus. Hierfür sollte der Scanner eine integrierte Durchlichteinheit mitbringen. Entsprechend hochwertiger Geräte wie der Epson V600 und Nachfolger oder Canons CanonScan 9000F Mark II sind leider weitgehend vom Markt verschwunden. Wir sind nur noch bei Reflecta fündig geworden: Der CrystalScan 7200 kann Negative und Dias mit hoher Auflösung (7200 ppi) und Farbtiefe (48 Bit) digitalisieren und bringt eine Hardware-basierte Staub- und Kratzerentfernung mit. Hierbei wird zusätzlich zum normalen ein Infrarot-Scan (IR) durchgeführt, der die Defekte lokalisiert und dann in der Scan-Software aus der Umgebung rekonstruiert – ein Pluspunkt, wenn Sie Fotos digitalisieren und möglichst wenig retuschieren möchten.

Fotos digitalisieren: Der Reflecta CrystalScan 7200 ist einer der letzten hochwertigen Flachbettscanner mit Durchlichteinheit und eignet sich zum Digitalisieren von Negativen und Dias.

Der Reflecta CrystalScan 7200 ist einer der letzten hochwertigen Flachbettscanner mit Durchlichteinheit und eignet sich zum Digitalisieren von Negativen und Dias.

Fotos digitalisieren mit dem Film-Scanner

Etwas lebendiger geht es auf dem Film-Scanner-Markt zu. Das größte Angebot hat Plustek. Das Modell OpticFilm 8300i SE für ca. 450 Euro scannt Kleinbild-Negative und -Dias mit bis zu 7200 ppi. Er bietet eine Hardware-basierte Staub- und Kratzerentfernung mit Infrarot-Kanal und digitalisiert eine Vorlage in 40 s (7200 ppi) bzw. 20 s (3600 ppi). Mit IR-Abtastung verdoppelt bis verdreifacht sich die Zeit. Die beliebte Scan-Software SilverFast SE Plus 9 wird mitgeliefert. Plustek bietet weitere Film-Scanner an: Der 8200i SE für 375 Euro hat einen etwas geringeren Dynamikumfang, der 8200i Ai für 460 Euro wird mit der umfangreicheren Software SilverFast Ai Studio ausgeliefert.

Fotos digitalisieren: Beim OpticFilm 8300i SE von Plustek handelt es sich um einen relativ preiswerten Filmscanner.

Beim OpticFilm 8300i SE von Plustek handelt es sich um einen relativ preiswerten Filmscanner.

© Plustek

Deutlich teurer sind die Geräte von Reflecta: Der RPS 10s für ca. 1900 Euro scannt mit sagenhaften 10.000 ppi, erzeugt also beim Kleinbild Dateien mit 134 Megapixeln. Wichtiger sind andere Funktionen wie ein automatischer Negativ-Einzug, eine Hardware-basierte Staub- und Kratzerentfernung, die Raw/DNG-Ausgabe und Mehrfachbelichtungen zur Vergrößerung des Dynamikumfangs. Mit dem DigitDia 8000 bietet Reflecta außerdem einen Scanner mit ähnlichen Spezifikationen an, der Dia-Magazine automatisch einzieht. Hierfür werden satte 2500 Euro fällig.

Fazit

Viele Wege führen von analogen zum digitalen Bild: Die am weitesten verbreiteten Schnappschuss-Scanner haben den Vorteil, dass sich der Bildbestand ohne Wartezeiten sichten und Fotos digitalisieren lässt. Im Gegenzug muss man gegebenenfalls nachträglich Staub und Kratzer entfernen. Das gilt auch für das Abfotografieren mit der eigenen Kamera, das – je nach Kamera und Objektiv – zu besseren Ergebnissen führen kann. Hochwertige Flachbett- und Filmscanner haben dagegen eine Hardware-basierte Staub- und Kratzerentfernung und erreichen sehr hohe Auflösungen.

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