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Drei Objektive für das X-Bajonett
Drei neue Objektive für Fujis X-Bajonett auf dem Prüfstand: Neben den Festbrennweiten XF 1,4/33 mm und 1,4/18 mm haben wir auch das Tamron-Zoom 3,5-5,6/18-300 mm, das auch für Sony E erhältlich ist getestet.
Produktfotos: © Hersteller

Im Test: zwei lichtstarke Festbrennweiten von Fuji und ein Tamron Superzoom

Nachwuchs für X
18.01.2023

Fujifilms X-System erhält immer mehr Zuwachs. Neben den lichtstarken Festbrennweiten Fujifilm Fujinon XF 1,4/18 mm R LM WR und Fujinon XF 1,4/33 mm R LM WR haben wir auch Tamrons erstes Superzoom für dieses Bajonett getestet.

Waren es bisher, neben Fujifilm selber, vor allem kleinere Hersteller, die Objektive für das X-Bajonett anboten – häufig ohne Autofokus – so springen nun auch die beiden großen Fremdhersteller auf den Zug.

> Die Testobjektive auf einen Blick

Erst kürzlich hat Sigma verkündet, erstmals drei bereits für Sony E verfügbare Festbrennweiten mit Lichtstärke 1:1,4 (16 mm, 30 mm, 56 mm) auch für Fuji-X anzubieten – die für April angekündigten Objektive standen bei Redaktionsschluss (25. März 2022) noch nicht zum Test zur Verfügung. Tamron hatte bereits im letzten Sommer verkündet, das Superzoom 3,5-6,3/18-300 mm Di III-A VC VXD nicht nur für Sony E, sondern später auch für Fuji-X auf den Markt bringen zu wollen. Seit Ende 2021 ist es erhältlich. Fuji selber hat neue lichtstarke Festbrennweiten vorgestellt. Uns standen das Weitwinkel XF 1,4/18 mm R LM WR (27 mm beim Kleinbild) und die Normalbrennweite XF 1,4/33 mm R LM WR (50 mm beim KB) zur Verfügung. Das ebenfalls angekündigte XF 1,4/23 mm R LM WR war zum Testzeitpunkt noch nicht erhältlich.

Fuji XF 1,4/18 mm R LM WR und XF 1,4/33 mm R LM WR

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Fujifilm XF 1,4/33 mm R LM WR

Die Normalbrennweite Fujinon XF 1,4/33 mm R LM WR (50 mm beim Kleinbild) ähnelt dem 18 mm äußerlich stark. Der Fokusring ist etwas schmaler.

Foto: © Fujifilm

Die beiden neuen Festbrennweiten ähneln sich äußerlich stark. Wie bei den hochwertigen XF-Objektiven üblich, sind sie mit einem Blendenring (dafür steht das Kürzel R) mit Rastung in Drittelblendenstufen und breiten, flach übersetzten Fokusringen ausgestattet. Für die Blenden- und Programmautomatik oder die manuelle Blendenwahl an der Kamera lassen sich die Blendenringe in die gesperrte A-Position bringen. Die Bezeichnung WR weist auf Dichtungen gegen Staub und Spritzwasser hin. Der Linearmotor (LM) sorgt für eine schnelle Fokussierung. Insgesamt weisen beide Objektive eine sehr solide Metallbauweise und eine ausgezeichnete Linsenvergütung auf. Äußerlich unterscheidet man die beiden Objektive am einfachsten durch die mitgelieferten Kunststoff-Gegenlichtblenden – beim 18 mm fällt sie tulpenförmig aus, beim 33er zylindrisch.

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Fujifilm XF 1,4/33 mm R LM WR

Die Normalbrennweite Fujinon XF 1,4/33 mm R LM WR (50 mm beim Kleinbild) ähnelt dem 18 mm äußerlich stark. Der Fokusring ist etwas schmaler.

Foto: © Fujifilm

Auch bei der Abbildungsleistung können beide XF-Objektive überzeugen, wobei das 33er erwartungsgemäß leicht die Nase vorn hat. Die Auflösung ist hier schon bei offener Blende gut und wird durch Abblenden um drei Stufen auf f/4 ausgezeichnet. Beim 18 mm hilft etwas stärkeres Abblenden, ab f/2,8 erreicht das Objektiv fast die Auflösung, die das 33 mm bei f/2,0 hat. Beugungseffekte spielen im geprüften Bereich (bis Blende 5,6) keine Rolle. Die Verzeichnung fällt beim 18 mm extrem gering aus, beim 33er ist sie vollständig korrigiert. Die Randabdunkelung ist jeweils bei offener Blende sichtbar.

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Weinflaschen. Aufnahme mit Fuji 1,4/33 mm

Ein schöner Schärfeverlauf bei offener Blende gelingt auch mit dem 1,4/33 mm.
Objektiv: Fujinon XF 1,4/33 mm R LM WR. Einstellungen: f/1,4, 1/300 s, ISO 160. Kamera: Fuji X-T4.

Foto: © Andreas Jordan

Superzoom  Tamron 3,5-6,3/18-300 mm Di III-A VC VXD

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Tamron 3,5-6,3/ 18-300 mm  Di III-A VC VXD

So viel Zoom gab es für Fujis X-Bajonett bisher noch nicht. Das 16,6fach-Zoom Tamron 3,5-6,3/18-300 mm Di III-A VC VXD verdoppelt seine Baulänge im Telebereich nahezu.

Foto: © Tamron

Das Tamron 3,5-6,3/18-300 mm Di III-A VC VXD ist das erste 16,6fach-Zoom für spiegellose APS-C-Kameras. Bei Fuji selber hat das XF 3,5-5,6/18-135 mm R LM OIS WR den größten Zoombereich (fM-Test 12/14: Super). Im Gegensatz zu Fujis XF-Objektiven verzichtet das Tamron auf einen mechanischen Blendenring und seine sehr gut verarbeitete Fassung besteht aus Kunststoff. Es kommt mit wenig Bedienelementen aus: Auch für den Bildstabilisator gibt es keinen Schalter, er muss bei Bedarf über das Kameramenü deaktiviert werden. Lediglich ein Lock-Schalter zum Fixieren des Zooms in der Weitwinkelposition existiert. Das Objektiv verdoppelt seine Länge durch den Zoomauszug nahezu. Das Metallbajonett bringt eine Dichtung gegen das Eindringen von Staub und Feuchtigkeit mit. Die Naheinstellgrenze von 15 cm im Weitwinkel ermöglicht einen sehr guten Abbildungsmaßstab von 1:2, im Tele beträgt er bei 99 cm 1:4.

Bei der Abbildungsleistung kann das Superzoom naturgemäß nicht mit den Festbrennweiten mithalten. Die Auflösung ist bei 70 mm ausgezeichnet, in der kurzen und langen Brennweite gut bis sehr gut. Das Objektiv ist offenblendtauglich; angesichts der geringen Lichtstärke reduziert Abblenden die Auflösung in der Regel. Lediglich bei 70 mm bleibt der Wirkungsgrad bis f/7,1 nahezu konstant, sinkt danach aber deutlich. Die Verzeichnung ist perfekt digital korrigiert – die Objektivkorrektur in der Kamera ist, anders als bei den Fuji-Objektiven, nicht abschaltbar. Die Randabdunkelung ist ebenfalls sehr gut korrigiert, nur in der mittleren Brennweite ist sie leicht sichtbar. Der Autofokus arbeitete im Praxistest an einer X-T4 schnell und leise, wobei auch die Gesichts- und Augen-
erkennung der Kamera unterstützt wird.

X-Fotografen können sich über den gelungenen Familiennachwuchs freuen.

Fazit
Die beiden neuen Festbrennweiten von Fujifilm überzeugen mit hervorragender Mechanik und fast ebenso guter Optik, wobei das 18-mm-Objektiv nicht an die hervorragende Auflösungswerte des Fujinon 33 mm herankommt. Das Superzoom von Tamron kann naturgemäß nicht mit den Festbrennweiten mithalten. Für diese Objektivgattung ist das Ergebnis aber überzeugend – als Universal-Reise-Zoom macht das 18-300 mm somit eine sehr gute Figur.

Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test.

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test wurde in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 5/2022 veröffentlicht. Zur Einzelheftbestellung gelangen Sie hier.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Journalist und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.