Pentax KP im Testvergleich mit den besten APS-C-Modellen

Die besten APS-C-SLRs
29.08.2017

Mit der Pentax KP will Ricoh die Bildqualität bei APS-C-Kameras auf ein neues Niveau heben. Auch sonst bietet die Kamera ungewöhnliches wie ein Retro-Design mit austauschbaren Griffen. Wir haben die Spiegelreflexkamera mit den besten APS-C-Modellen der Konkurrenz ab 1000 Euro verglichen

 

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Pentax KP von oben

Einen schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen geben die Einstellräder

© Ricoh

Ricoh setzt bei der Pentax KP auf den Retro-Trend und lehnt das Design an den M- und LX-Baureihen aus den späten 70er- und 80er-Jahren an. So ist die Kamera mit dem ab Werk montierten kleinen Griff sehr flach. Dieser lässt sich allerdings mit Hilfe eines Inbusschlüssels austauschen: Ein mittlerer und ein großer Griff werden mitgeliefert.

Auf der Kameraoberseite hat Ricoh – ähnlich wie bei der Vollformat-SLR K-1 – zahlreiche Bedienelemente untergebracht. Neben dem obligatorischen Moduswahlrad gibt es ein Smart-Funktionsrad, über das sich schnell Serienbilder, HDR-Modus, Belichtungsmessung und andere Einstellungen aufrufen und mit dem Einstellrad auf der Oberseite ändern lassen – drei Custom-Positionen können nach eigenen Vorstellungen belegt werden.

Auf dem Moduswahlrad stehen außerdem fünf User-Modi zur Verfügung, von denen vier ab Werk mit Einstellungen für HDR, Makro, Astrofotografie und manuelle Objektive programmiert sind. Der fünfte User-Modus ist frei, die anderen können mit eigenen Einstellungen überschrieben werden. Zusammen mit weiteren Funktionsknöpfen und dem klassischen vorderen und hinteren Einstellrad lässt sich die KP überwiegend komfortabel bedienen, einzig das Verschieben des AF-Messfeldes ist etwas umständlich, da ein Joystick fehlt.

Im Vergleich zur K-1 oder dem bisherigen APS-C-Spitzenmodell K-3 II ist dem flachen Gehäuse das Statusdisplay auf der Oberseite zum Opfer gefallen. Die wichtigsten Einstellungen werden aber auf dem Rückseitenmonitor angezeigt und über die INFO-Taste gelangt der Fotograf in ein Schnell-Menü mit den wichtigsten Einstellungen. Der 3,0-Zoll-Monitor lässt sich um 90 Grad nach oben und 45 Grad nach unten kippen. Eine Touchscreen-Bedienung ist nicht möglich – diese beherrschen im Testfeld nur die Canon EOS 80D und die Nikon D500. Der Pentaprismensucher hat klassentypisch eine 100-prozentige Bildfeldabdeckung und zeigt ein einigermaßen großes Bild. Die Mattscheiben lassen sich übrigens austauschen.

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Pentax KP Farben

Die KP ist in Schwarz und Silber-Schwarz erhältlich, einige Festbrennweiten der Limited Edition gibt es auch in Silber

Ein größerer Handgriff wird mitgeliefert, den Batteriegriff D-BG7 gibt es als Zubehör für rund 250 Euro

© Ricoh

Wie von Ricoh gewohnt, ist das Kameragehäuse sehr robust und mit 67 Dichtungen gegen das Eindringen von Staub und Spritzwasser geschützt sowie bis -10 Grad Celsius frostsicher.

Als Zubehör ist der Batteriegriff D-BG7 erhältlich, der die Bedienung im Hochformat vereinfacht und mit einer zusätzlichen Batterie die Laufzeit verlängert – ohne Batteriegriff ist diese mit 400 Aufnahmen deutlich kürzer als bei der K-3 II (750 Aufnahmen) oder den meisten anderen Kameras im Test.

Beweglicher Sensor

Ein wichtiger Vorteil von Pentax-SLRs gegenüber den Modellen von Canon und Nikon ist der in die Kamera integrierte Bildstabilisator, der den Bildsensor verschiebt und so Bewegungen des Fotografen auf fünf Achsen korrigiert (Drehung, horizontale und vertikale Verschiebung, horizontale und vertikale Neigung). In der KP erreicht er laut Ricoh wie in der K-1 eine Effektivität von fünf Blendenstufen (K-3 II und K-70: 4,5 Blendenstufen). In unserem Test mit dem 3,5-5,6/16-85 mm haben sich diese Angaben bestätigt: Im Telebereich (ca. 128 mm kleinbildäquivalent) gelangen mit Belichtungszeiten von 1/6 s bis 1/4 s meist scharfe Aufnahmen. Zur Sicherheit sollte man aber an der Verwacklungsgrenze mehrere Aufnahmen machen.

Der Vorteil des beweglichen Sensors gegenüber dem Bildstabilisator im Objektiv zeigt sich auch bei anderen Funktionen. Vielversprechend ist der Pixel-Shift-Resolution-Modus (PSR). Hierbei macht die KP (wie schon die K-3 II, K-1 und K-70) vier Aufnahmen, bei denen der Sensor um jeweils einen Pixel nach links, rechts, unten und oben verschoben wird.

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Pentax KP body

67 Dichtungen schützen das Innenleben der KP gegen das Eindringen von Staub und Feuchtigkeit

© Ricoh

Anders als Olympus nutzt Ricoh den Pixel Shift nicht, um eine Datei mit höherer Pixelzahl zu erzeugen; stattdessen werden pro Pixel rote, grüne und blaue Farbinformationen erfasst, die normalerweise mit Qualitätsverlusten aus Nachbarpixeln interpoliert werden. Voraussetzung ist ein Stativ und ein weitgehend statisches Motiv. Die Kamera erkennt allerdings leichte Bewegungen – beispielsweise von Blättern im Wind – und nutzt in diesen Bereichen nur eine Belichtung, um Artefakte zu vermeiden. Tatsächlich konnten wir im Test im PSR-Modus ein geringeres Rauschen und eine etwas bessere Auflösung feststellen. Für letztere sollte aber ein entsprechend hochwertiges Objektiv zum Einsatz kommen – mit dem Zoom 3,5-5,6/16-85 mm konnten wir kaum Unterschiede erkennen.

Der beweglich gelagerte Bildsensor kann aber noch mehr. So hat Ricoh das schärfemindernde Tiefpassfilter vor dem Sensor weggelassen. Dies hat prinzipiell den Nachteil, dass bei bestimmten Motiven Moirés entstehen können. Um dies zu vermeiden, lässt sich der Bildsensor in leichte Vibrationen versetzen und damit das Tiefpassfilter simulieren. Weitere Funktionen des beweglichen Bildsensors sind eine automatische Horizontkorrektur um +/- 1 Grad, die Simulation eines Tilt-Shift-Objektivs (Verkippen um 1,5 mm) und der Astrotracer, bei dem die Bewegung der Erdachse bei längeren Belichtungen durch die Bewegung des Sensors ausgeglichen wird – Voraussetzung ist das optional erhältliche GPS-Modul O-GPS1.

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.