Nikon D850 im Praxis- und Labortest

Vollformat-SLRs Nikon D850 & Co.
04.01.2018

Die Nikon D850 verspricht, die perfekte Allround-Kamera zu sein: Hochauflösend, schnell und sehr gut ausgestattet. Wir wollten im Vergleichstest wissen, ob sie das Versprechen halten kann

Geschwindigkeit

Nikon gibt eine Seriengeschwindigkeit von 7 Bildern/s an, wir haben mit einer XQD-Karte von Lexar (2933x, 440 MB/s) sogar 7,1 Bilder/s gemessen. Bei JPEGs ist die Serienbildlänge auf 200 Aufnahmen begrenzt, bei Raws wird die Kamera vorher langsamer. Im Test haben wir folgende Werte ermittelt:

- 14 Bit, unkomprimiert: 26
- 14 Bit, verlustfrei komprimiert: 32
- 14 Bit, komprimiert: 48
- 12 Bit, unkomprimiert: 37
- 12 Bit, verlustfrei komprimiert: 53
- 12 Bit, komprimiert: 60

Noch höhere Geschwindigkeiten ermöglicht der Batteriegriff MB-D18, wenn er mit dem großen, aus der D5 bekannten Akku EN-EL18b bestückt wird. Benötigt wird hierfür noch die Batteriefachabdeckung BL-5 und natürlich ein Ladegerät für den EN-EL18b. Mit dieser Kombi haben wir dann 9,2 Bilder/s gemessen, allerdings hält die Kamera dann keine 200 JPEGs in Folge durch, sondern nur noch 80 bzw. maximal 37 Raws (12 Bit, komprimiert). Natürlich verlängert der zusätzliche EN-EL18b auch die Batterielaufzeit – von sehr guten 1840 auf herausragende 5140 Aufnahmen. Wer keine 9 Bilder/s braucht, kann den Batteriegriff mit dem normalen Kamera-Akku EN-EL15A bestücken und auch acht herkömmliche AA-Mignonzellen lassen sich verwenden.
Zugelegt hat die D850 auch bei der Geschwindigkeit des Einzel-AFs: Wir haben mit dem AF-S 2,8/24-70 mm VR rund 0,3 s Auslöseverzögerung gemessen – das ist der beste Wert im Testfeld.

Bildqualität

Im Labor haben wir die D850 wie ihre Vorgängerin mit dem Referenzobjektiv Micro Nikkor 2,8/60 mm im JPEG-Modus und in den Werkseinstellungen vermessen. Bei der Auflösung hat die D850 gegenüber der D810 stärker zugelegt als die zusätzlichen gut neun Megapixel vermuten lassen. In der Grundempfindlichkeit (ISO 64) erreicht sie 35,6 effektive Megapixel, was einem sehr guten Wirkungsgrad von 88,6 % entspricht – zum Vergleich: Die D810 hat einen maximalen Wirkungsgrad von knapp 80 %; erreicht wurde dies bei der D850 wohl auch durch eine stärkere Scharfzeichnung, die jetzt etwa auf dem Niveau von Canon und Sony liegt. Im Konkurrenzvergleich kitzelt nur Sony in der Alpha 99 II noch etwas mehr Auflösung aus dem Sensor heraus (Wirkungsgrad über 98 %), hat dafür aber auch die schlechteste Artefaktnote.

Der D850 gelingt es, die Auflösung mit zunehmenden ISO-Werten hoch zu halten – sie nimmt kontinuierlich leicht ab, stark bricht sie erst bei ISO 25.600 ein. Das Bildrauschen fällt dagegen etwas höher aus als bei der D810 und der Konkurrenz. Vor allem die Canon EOS 5D Mark IV erreicht hier bessere Werte, allerdings auch bei deutlich geringerer Auflösung. Die visuelle Beurteilung der im Praxistest entstandenen Aufnahmen bestätigt den sehr guten Laboreindruck. Auf einm 27-Zoll-Monitor sind in der Gesamtansicht bis ISO 6400 kaum Unterschiede zwischen den Testbildern zu erkennen und auch ISO 25.600 sieht noch passabel aus. In der 100-%-Ansicht gehen dagegen ab ISO 1600 erste feine Details verloren.

FAZIT

Mit der D850 ist Nikon ein großer Wurf gelungen – mit kleinen Schwächen. Die Kamera begeistert im fotografischen Einsatz mit hervorragender Bildqualität, Geschwindigkeit und Ausstattung. Ihr größter Schwachpunkt ist der langsame Live-View/Video-Autofokus. Ein Dauer-Ärgernis bleibt bei Nikon die Wi-Fi-Implementierung über Bluetooth.

Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test (Canon EOS 5D Mark IV, Nikon D810, Nikon D850 und Sony Alpha 99 II).

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test wurde in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 11/2017 veröffentlicht. Zur Einzelheftbestellung gelangen Sie hier.

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.