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Sgima fp
Die Sigma fp ist Ende 2019 auf den Markt gekommen. Wir haben sie ausführlich getestet für das fotoMAGAZIN 1/2020. Die sehr geringen Abmessungen (B = 112,6 mm, H = 69,9 mm) erreicht die fp durch den Verzicht auf einen Griff, einen Sucher und einen Blitzschuh.
Foto: © Sigma

Im Test: Sigma fp

Klein und ungewöhnlich
26.02.2021

Sigma ist dafür bekannt, bei seinen Kameras vieles anders zu machen, als die meisten Hersteller. Das gilt auch für die erste spiegellose System­kamera mit L-Bajonett. Die fp ist nicht nur ungewöhnlich klein, sondern bringt auch sonst Außer­gewöhnliches mit – wie unser Test zeigt.

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Sigma fp top

Die fp gibt es im Kit mit dem 2,8/45 mm DG DN. Auf der Oberseite lässt sich die Kamera an prominenter Stelle zwischen Still und Cine umstellen. Ein PASM-Rad fehlt.

© Sigma

Die fp ist Sigmas erste Kamera mit L-Bajonett und entsprechend nicht nur mit Sigma-, sondern auch mit Panasonic- und Leica-Objektiven für diesen Anschluss kompatibel. Die Kamera selber ist alles andere als gewöhnlich. Sigma hat sie als kleinste und leichteste spiegellose Vollformat-Systemkamera angekündigt und wirbt auch mit „Vollformat für die Hosentasche“ – das ist aber nur ohne Objektiv realistisch. Das Kitobjektiv Sigma Contemporary 2,8/45 mm DG DN ist noch einigermaßen klein; mit größeren und schwereren Objektiven ist die Kamera schlecht ausbalanciert und mit einer Hand nicht zu halten.

Die kompakten Abmessungen konnte Sigma nur durch Weglassen erreichen. So hat die Kamera keinen Sucher, keinen Handgriff (beides gibt es als optionales Zubehör) und keinen integrierten Blitzschuh. Wer blitzen will muss den mitgelieferten Blitzschuh-Adapter HU-11 seitlich an die Kamera anschrauben. Apropos Blitzen: Die fp kommt ohne mechanischen Verschluss aus, was die Blitzfähigkeiten einschränkt. Die kürzeste Synchronzeit beträgt 1/30s, bei Raws mit 14 Bit Farbtiefe sogar 1/15s.
Ungewöhnlich sind auch die Bedienelemente. Prominent auf der Oberseite kann man zwischen „Still“ und „Cine“ umschalten. Ein PASM-Rad fehlt dagegen, das Belichtungsprogramm lässt sich aber recht schnell über die Mode-Taste an der unteren Kante der Rückseite ändern – leider auch versehentlich. Links neben dem Mode-Wähler gibt es spezielle Tasten für Tone und Color. Über Tone lässt sich die Tonwertkurve ändern, zum Beispiel zum Aufhellen der Schattenpartien. Color ruft verschiedene Farbvoreinstellungen auf, die sich wiederum individuell anpassen lassen. Unter den Presets finden sich nicht nur die Standards wie Landschaft oder Portrait, sondern auch ungewöhnliche wie Teal & Orange. Der hiermit erzeugte Look ist aus vielen Hollywood-Filmen bekannt; er schafft einen Farbkontrast zwischen Orange (zum Beispiel Haut) und Grünblau (in der Regel der Hintergrund). Im Test konnte uns der Effekt bei der fp nicht immer überzeugen, Gesichter waren oft nur zum Teil orange eingefärbt.

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Sigma fp Rückseite

Der große Monitor dominiert die Rückseite. Auffällig sind die Tone- und Color-Tasten. Das Belichtungsprogramm wird über die Mode-Taste geändert.

© Sigma

Der Monitor ist mit einer Diagonalen von 3,2 Zoll recht groß und sehr hochauflösend (2,1 Mio. Punkte), aber nicht beweglich gelagert. Ein Nachteil vor allem für Videoblogger, die sich selbst aufnehmen, aber auch beim Fotografieren aus einer tieferen Perspektive oder über Kopf wünscht man sich ein Klappdisplay. Der Monitor ermöglicht auch die Touch-Bedienung, konkret das Setzen des AF-Messfeldes und das Weiterblättern und Vergrößern im Wiedergabemodus – das Menü lässt sich nicht per Touch bedienen. Ungewöhnlich sind die Kühlrippen auf der Ober- und Unterseite – anders wäre die Wärmeentwicklung bei der 4K-Aufzeichnung in dem kleinen Gehäuse wohl nicht zu bewältigen gewesen. Ansonsten macht das Gehäuse mit Aluminium-Chassis einen sehr robusten Eindruck und ist gegen das Eindringen von Staub und Spritzwasser abgedichtet. Eine automatische Sensorreinigung hat Sigma übrigens nicht integriert, allerdings ist der Sensor mit einem Schutzglas versehen, das sich vergleichsweise problemlos manuell reinigen lässt.

Foto- und Videofähigkeiten der Sigma fp

Die Besonderheiten setzen sich auch bei den Ausstattungsmerkmalen fort. Auffällig sind, neben dem rein elektronischen Verschluss, die ISO-Erweiterungsmöglichkeiten. Nach unten lässt sich die Empfindlichkeit bei Fotos (nicht Videos) um vier Blendenstufen bis auf ISO 6 senken, wobei mehrere Belichtungen miteinander verrechnet werden. Das spart in manchen Situationen den ND-Filter. Allerdings kann es bei schnellen Bewegungen zu Problemen kommen. Weitere fotografische Stärken der fp sind zahlreiche Bracketing-Optionen (Helligkeit, Fokus, Weißabgleich, Farbmodus, Fill-Light), ein HDR-Modus, Intervallaufnahmen, eine Gesichts- und Augenerkennung, verschiedene Seitenverhältnisse (von quadratisch bis 21:9), eine 3D-Wasserwaage, lautloses Auslösen und der integrierte Raw-Konverter. Weniger erfreulich ist, dass die Kamera keinen mechanischen Bildstabilisator hat – zumal auch die Sigma-Objektive für das L-Bajonett ohne optischen Stabilisator auskommen. Die fp bietet zwar eine elektronische Stabilisierung, die mehrere Aufnahmen kombiniert. Diese beschneidet das Bild aber ein wenig und funktioniert nicht im Raw-Modus. Äußerst ungewöhnlich ist, dass Sigma auf die Integration von WLAN verzichtet hat. Die Kamera lässt sich also nicht per App fernsteuern und Bilder können nicht drahtlos übertragen werden. Ein Schwachpunkt ist auch die kurze Akkulaufzeit, die Sigma mit 280 Aufnahmen nach CIPA-Standard angibt. Der Akku lässt sich per USB-C-laden, eine Stromversorgung im laufenden Betrieb über USB ist aber nicht möglich.

Raw-Video für Filmer

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Sigma fp mit Blitz

Das fp-Gehäuse selber bringt weder einen Blitz noch einen Blitzschuh mit. Über den mitgelieferten Adapter kann dieser nachgerüstet werden.

© Sigma

Besonderes Interesse dürfte die fp bei Filmern wecken. Der fehlende Handgriff stört hier nicht, wenn die Kamera in einem Rig oder auf einem Stativ bzw. Gimbal genutzt wird und die kompakten Abmessungen könnten neue Einsatzgebiete erschließen. Tatsächlich bringt die fp einige spannende Videofunktionen mit. Die vielleicht ungewöhnlichste: Sie nimmt echtes Raw-Video im CinemaDNG-Format auf. Echt bedeutet, dass tatsächlich 24 oder 25 einzelne DNG-Dateien pro Sekunde mit 4K-Auflösung (3840 x 2160 Pixel) auf der Speicherkarte in einem speziellen Cinema-Ordner geschrieben werden. Bei der internen Aufzeichnung beträgt die Farbtiefe 8 Bit, auf einer über USB-C angeschlossenen SSD sollen auch 10 oder 12 Bit und bis zu 30p möglich sein. Die Datenrate beträgt dann bis zu 2500 Mbit/s, das sind mehr als ein Terabyte pro Stunde. Die CinemaDNG-Videos ließen sich mit unserem Testgerät übrigens nicht abspielen – dies soll sich mit einem Firmware-Update ändern. Am Desktop-Rechner war die Wiedergabe und Bearbeitung zum Testzeitpunkt mit Blackmagics DaVinci Resolve und Apples Final Cut Pro X möglich, aber nicht mit Premiere Pro. Alternativ kann die Kamera auch im herkömmlichen MOV-Format mit H.264-Komprimierung und bis zu 30p aufzeichnen. Mit Bildgruppenkomprimierung (GOP) beträgt die Datenrate dann 120 Mbit/s, im Einzelbildmodus (All-I) 440 Mbit/s. Full-HD-Videos gelingen mit bis zu 120p (MOV) bzw. mit 60p im CinemaDNG-Format. Bei Full-HD und CinemaDNG ist sogar die interne Aufzeichnung mit 12 Bit möglich. Erfreulich ist, dass in allen Modi ohne Crop aufgenommen wird – dieser lässt sich, wenn gewünscht, im Super35-Modus zuschalten. Nicht überzeugen kann der Autofokus im Video – bei Schärfeverlagerungen pumpt er deutlich. Weitere professionelle Videofunktionen sind Timecode, Zebra und die Angabe der Belichtungszeit als Umlaufblende in Grad. So bleibt bei einem Winkel von 180 Grad die Verschlusszeit immer der Kehrwert der doppelten Framerate (1/50s bei 25p, 1/48 s bei 24p etc.). Die Erstellung von Cinemagraph-Animationen soll mit einem Firmware-Update möglich werden.

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Sigma fp

Maximale Ausbaustufe: fp mit Bajonett-Konverter, Teleobjektiv und Sucher. Bei letzterem handelt es sich um einen optischen Aufsatz für den Monitor.

© Sigma

Die Sigma fp Messwerte aus dem Testlabor

Mit dem Kitobjektiv 2,8/45 mm DG DN haben wir im Labor eine Auslöseverzögerung mit Einzel-AF von rund 0,41s gemessen. Das ist im Vergleich mit anderen spiegellosen Vollformatkameras (meist 0,1 bis 0,2 s) deutlich langsamer, in der Praxis aber brauchbar. Der Serienbildmodus ist auf den ersten Blick beeindruckend schnell: Die fp schießt bis zu 18 Bilder pro Sekunde, dann allerdings nur 21 JPEGs oder 17 Raws in Folge. Außerdem führt sie hierbei den Autofokus nicht nach. Der zweite Serienbildmodus schafft prinzipiell 5 Bilder/s, mit aktivierter AF-Nachführung (AF-C) sank die Geschwindigkeit in unserem Test aber auf 1,8 Bilder/s.
Da die fp einen herkömmlichen CMOS-Sensor verwendet (und keinen Foveon-Bildwandler wie andere Sigma-Kameras), ähneln die Ergebnisse bei der Bildqualität denen anderer 24-Megapixel-Vollformatkameras – in der Tabelle haben wir als Beispiel die Nikon Z 6 aufgeführt. Sehr erfreulich sind die Auflösungsergebnisse mit dem Referenzobjektiv 1,2/35 DG DN Art: Wir haben einen maximalen Wirkungsgrad von knapp 96% bei ISO 100 gemessen. Bis ISO 400 bleibt die Auflösung praktisch unverändert. Danach sinkt sie leicht, bleibt aber bis ISO 25.600 bei über 84 Prozent. Ein Grund für die konstant hohe Auflösung dürfte der eher zurückhaltende Rauschfilter sein. Im Gegenzug sind die Messwerte beim Bildrauschen vor allem in den höheren ISO-Stufen schlechter als bei den meisten Konkurrenzmodellen. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau – bis ISO 3200 stört das Bildrauschen in der Praxis kaum und im Raw-Konverter lässt sich bei Bedarf das Rauschen zu Lasten der Auflösung reduzieren. Ähnlich wie das Bildrauschen verhält sich der JPEG-Dynamikumfang, der bei ISO 100 mit neun Blendenstufen sehr gut ist, in den höheren ISO-Stufen aber hinter die Konkurrenz zurückfällt. Negativ fallen die relativ hohe Anfälligkeit für Artefakte (Note 5,0), die wohl dem fehlenden Tiefpassfilter geschuldet sein dürfte, und die etwas übertriebene Scharfzeichnung (Note 4,0) auf.

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Aufnahme mit Sigma fp

Das hervorragende 35-mm-Art-Objektiv ermöglicht an der fp sehr detailreiche Aufnahmen mit einem schönen Unschärfeverlauf.
Kamera: Sigma fp, Objektiv: 1,2/35 mm DG DN Art, Aufnahmedaten: Blende f/2, 1/800 s, ISO 100.

© Andreas Jordan

FAZIT
Aus fotografischer Sicht hat uns die fp nicht überzeugt – vor allem die unkomfortable Bedienung verdirbt den Spaß. Auch der AF hinkt hinter der Konkurrenz her, was sich bei der AF-Nachführung im Serienbildmodus negativ bemerkbar macht. Die Bildqualität ist dagegen sehr gut und liegt auf dem Niveau, das man von einer 24-Megapixel-Vollformatkamera erwarten darf. Filmer dürften mehr Freude an der Kamera haben, die sich gut in ein Rig integrieren lässt und mit interessanten Funktionen wie Raw-Video aufwartet.

Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test (Sigma fp, Nikon Z 6).

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 1/2020 erschienen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.