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Olympus OM-D E-M1X
Das Gehäuse der E-M1X ist extrem robust, der fest integrierte Hochformatauslöser doppelt die Bedienelemente und bietet Platz für zwei Akkus. Fotos: © Olympus

Im Test: Olympus OM-D E-M1X

Mit Profi-Ambitionen
27.01.2020

Mit der E-M1X wagte sich Olympus im Februar 2019 auf neues Terrain. Die Micro-Four-Thirds-Kamera soll primär Profis ansprechen, darunter auch Sportfotografen. Lesen Sie jetzt unseren ausführlichen Praxis- und Labortest kostenlos online.

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Olympus OM-D E-M1X front

Neben diversen Funktionstasten befindet sich auf der Vorderseite auch eine Blitzsynchronbuchse.

© Olympus

Dass es sich bei der E-M1X nicht um die Nachfolgerin des bisherigen OM-D-Flaggschiffs E-M1 Mark II handelt, sondern um eine neue Profi-Serie, ist offensichtlich: Die Kamera ist deutlich größer und schwerer, was vor allem am integrierten Hochformatgriff liegt. Dieser doppelt die Bedienelemente – nicht nur Auslöser, Einstellräder und Tasten, sondern auch den neuen Joystick, mit dem sich das AF-Messfeld komfortabel verschieben lässt. Im horizontalen Betrieb lassen sich die vertikalen Bedien-elemente per Lock-Hebel sperren. Neben dem normalen Lock, hat Olympus eine C-Lock Position integriert. Hier kann der Fotograf im Menü individuell festlegen, welche Elemente gesperrt werden sollen. Der Hochformatgriff bringt übrigens nicht nur ergonomische Vorteile. So lassen sich in der Kamera zwei Akkus vom Typ BLH-1 verwenden, die zusammen Strom für 870 Aufnahmen (nach CIPA-Standard) liefern; im Energiesparmodus sogar für bis zu 2580 Aufnahmen – das dürfte wohl der beste Wert bei einer spiegellosen Systemkamera sein. Passend zu den zwei Akkus liefert Olympus auch zwei Ladegeräte mit. Die Akkus lassen sich alternativ auch per USB laden und sogar ein Betrieb der Kamera mit einer kompatiblen USB-Powerbank ist möglich.

Verbesserte Ergonomie

Neue Bedienelemente sind – neben dem Joystick – die ISO- und Belichtungskorrekturtaste auf der Kameraoberseite. Die entsprechenden Einstellungen lassen sich durch Drücken und Drehen am Einstellrad ändern. Ab Werk wird die Belichtung auch ohne Drücken der +/-Taste mit dem vorderen Einstellrad verändert, was leicht versehentlich passieren kann. Wir empfehlen daher, eine andere Funktion auf das vordere Rad zu legen. Wie bei Olympus üblich, können die Bedienelemente nämlich fast vollständig frei konfiguriert werden. Einen schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen kann der Fotograf auch über das Mein-Menü mit drei Unterkategorien einrichten und auf dem Moduswahlrad stehen vier Custom-Positionen für verschiedene Grundeinstellungen zur Verfügung. Unter dem Strich hat Olympus die Bedienung gegenüber der E-M1 Mark II auf jeden Fall verbessert und wer etwas Zeit in die Individualisierung der Kamera investiert, sollte ein perfekt zu den eigenen Bedürfnissen passendes Werkzeug in der Hand halten.
Der solide Ersteindruck wird durch die offiziellen Spezifikationen untermauert: Laut Olympus hat die E-M1X „das weltbeste staub- und spritzwassergeschützte sowie frostsichere Gehäuse“. Konkret garantiert der Hersteller einen Schutz nach IPX1 (gegen senkrecht fallende Wassertropfen), in hauseigenen Tests soll sie aber auch deutlich stärkerem Wassereinfall standgehalten haben. Das gegenüber der E-M1 Mark II größere Gehäuse erlaubt außerdem eine bessere Hitzeableitung via Heatpipe und bietet Platz für zwei SD(HC/XC)-Laufwerke, die beide UHS-II unterstützen (in der E-M1 Mark II ist nur eins der beiden UHS-II-kompatibel).
Die Lebensdauer des Verschlusses hat Olympus auf 400.000 Auslösungen verlängert und auch der Super Sonic Wave Filter, der 30.000 Mal pro Sekunde vibriert, wurde verbessert: Unter anderem soll eine neue Beschichtung dafür sorgen, dass die Gefahr einer Verschmutzung des Bildsensors deutlich sinkt.

Sucher und Monitor

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Olympus OM-D E-M1X

Der Monitor lässt sich ausklappen und in alle Richtungen drehen. Neu auf der Rückseite ist der Multicontroller, alias Joystick.

© Olympus

Der Sucher beeindruckt auf den ersten Blick durch seine Größe – mit einer Vergrößerung von 0,83x (im Vergleich zum Kleinbild) gehört er zu den größten auf dem Markt. Leider ist die Auflösung nicht mitgewachsen und liegt immer noch bei 2,36 Millionen Pixeln. Zum Vergleich: Der Sucher in Panasonics Lumix G9 löst bei gleicher Größe 3,68 Millionen Punkte auf, was auch durchaus bei Motiven mit feinen Strukturen sichtbar ist – riesig ist der Unterschied allerdings nicht. Pluspunkt: der E-M1X-Sucher hat eine Bildwiederholfrequenz von 120 Bilder/s, was für eine absolut flüssige Darstellung sorgt.
Unverändert ist der dreh- und schwenkbare Touch-Monitor, der mit einer Diagonale von 3,0 Zoll (7,6 cm) und einer Auflösung von 1,037 Millionen Punkten ebenfalls etwas hinter dem herhinkt, was andere Hersteller in dieser Preisklasse bieten.

High-Res-Shot aus der Hand

High-Res-Aufnahmen mit Pixel-Shift beherrschen inzwischen einige Kameras. Im Vergleichstest in fotoMAGAZIN 1/2017 war die Olympus E-M1 Mark II durch eine besonders gelungene Umsetzung aufgefallen. Sie macht beim Stativeinsatz – genauso wie die E-M1X – acht Aufnahmen mit elektronischem Verschluss, bei denen der Sensor um jeweils 0,5 Pixel verschoben wird. In der Kamera wird aus den Einzelaufnahmen ein JPEG mit 50 Megapixeln generiert, aus dem Raw lässt sich in Olympus‘ Raw-Konverter sogar eine 80-Megapixel-Datei erstellen. Bei beiden Kameras steigt nicht nur die Auflösung, sondern zusätzlich fallen die Artefakte geringer aus. Neu in der E-M1X ist der Freihand-Modus mit aktivem Bildstabilisator, der sich die leichten Verwacklungen des Fotografen zu Nutze macht, um bis zu 16 leicht versetzte Bilder zu einem hochauflösenden zuammenzusetzen. Das setzt eine besonders schnelle Verarbeitung der Daten voraus, wofür zwei TruePic-VIII-Bildprozessoren sorgen. Da die Effizienz etwas geringer ist als bei der Stativaufnahme, hat Olympus hier auf die 80-Megapixel-Raw-Option verzichtet. Im Praxistest hat sich der Modus nichtsdestotrotz als beeindruckend effizient erwiesen. Die Testaufnahmen mit dem M.Zuiko Digital 2,8/12-40 mm weisen sichtbar mehr Details auf, als die normale Aufnahme. Geeignet ist der High-Res-Shot aus der Hand allerdings nur für statische Motive, bewegte Bildelemente, wie Bäume oder Blätter im Wind, werden wegen des Zeitversatzes zwischen den Aufnahmen unscharf. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden High-Res-Modi ist das ISO-Limit: Bei der Freihandaufnahme liegt es bei ISO 6400, bei der Stativmethode bei ISO 1600.

Olympus OM-D E-M1X mit Rekord-Bildstabilisierung

Den Bildstabilisator selber hat Olympus ebenfalls verbessert. Er soll jetzt in Kombination mit dem ebenfalls stabilisierten M.Zuiko Digital ED 4/12-100 mm IS Pro bis zu 7,5 Blendenstufen (bisher 6,5) kompensieren – ein Rekordwert. Bei nicht bildstabilisierten Objektiven schafft der Stabilisator in der Kamera laut Olympus immer noch bis zu 7 Blendenstufen. Möglich macht dies unter anderem ein neu entwickelter Gyrosensor von Epson. Wir haben das Ganze mit 2,8/12-40 mm und dem 4/12-100 mm IS ausprobiert. Vor allem die Ergebnisse mit dem 12-100 mm waren beeindruckend: Bei 80 mm kleinbildäquivalenter Brennweite gelangen vereinzelt scharfe Aufnahmen mit 2,5 s.

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.