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Leica Q2
Die Leica Q2 hat eine Höhe von 80 mm und ist 130 mm breit.
Fotos: © Leica

Im Test: Leica Q2

Qualitätsoffensive
02.06.2020

Mit einem massiven Auflösungssprung von 24 auf 47 Megapixel wertet Leica seine Vollformatkamera Q mit lichtstarker 28-mm-Festbrennweite auf. Ob Leica die beste Vollformat-Kompakte baut, zeigt unser Praxis- und Labortest.

 

Fast konkurrenzlos ist Leicas Q-Serie auf dem Markt der Vollformatkameras mit festmontierter Weitwinkelbrennweite. Am ehesten ist die Sony RX1 RII (42 Megapixel) vom Oktober 2015 eine Alternative. Sie ist allerdings etwas lichtschwächer (f/2 statt f/1,7) und hat eine Brennweite von 35 mm. Schnäppchen sind beide Kameras nicht: Sony verlangt 3500, Leica 4800 Euro. Eine preiswerte Alternative könnte eine Wechselobjektivkamera sein: Die Sony Alpha 7R II mit 42 Megapixeln geht für 1800 Euro über die Ladentheke, das Sony 2/28 mm gibt es für rund 400 Euro. Diese Kombination ist allerdings etwas schwerer und größer als die beiden Kompaktkameras.
Die Q2 bringt 734 Gramm auf die Waage und ist damit auch kein Leichtgewicht. Dafür fühlt sich das flache Magnesiumgehäuse im Messsucher-Design grundsolide an und ist nun gegen Staub und Spritzwasser geschützt (nach IP52). An der klassischen Bedienweise hat sich nur wenig geändert. Blende und Entfernung werden über Ringe am Objektiv gesteuert. Der Blendenring lässt sich in die Automatik-Position bringen und der Fokusring auf Autofokus umstellen. Ein Makro-Umschaltring verkürzt die Naheinstellgrenze von 30 auf 17 cm, wobei die maximale Blendenöffnung auf 1:2,8 verringert wird. Mit dem Zeitenrad auf der Oberseite kann der Fotograf Verschlusszeiten von 1/2000 s bis zu 1 s direkt anwählen. Über das Daumenrad sind weitere Zeiten zugänglich: Bis zu 120 s bzw. bis zu 1/40.000 s – bei der Leica Q war bei 1/16.000 s Schluss. Für Zeiten kürzer als 1/2000 s kommt ausschließlich der elektronische Verschluss zum Einsatz. Einen Schwachpunkt, den wir beim Test der Q bemängelt hatten, hat Leica beseitigt: Der lautlose E-Verschluss lässt sich nun auch bei Zeiten zwischen 1s und 1/2000 s nutzen, was beispielsweise das Fotografieren im Theater erleichtert. Wie bei allen aktuellen Kameras kann es auch bei der Q2 beim Einsatz des E-Verschlusses unter flackerndem Kunstlicht zu Streifenbildungen kommen. Hier empfiehlt sich also der mechanische Verschluss, der angenehm leise ist.

Einige Änderungen hat sich Leica bei der Bedienung einfallen lassen. Im Test der Leica Q hatten wir kritisiert, dass der Einschalthebel auch für Serienbilder zuständig ist und man daher beim schwungvollen Einschalten schnell im Serienbildmodus landet. Dies hat Leica nun geändert: Die Serienbildfunktion ist ins Menü gewandert, kann aber auch auf eine Funktionstaste gelegt werden. Außerdem lässt sich das Rad für den Dioptrienausgleich nun im Gehäuse versenken, sodass es sich nicht mehr versehentlich verstellt.
Das Bedienkonzept ist puristisch. So ist die Viererwippe nicht mit Funktionen belegt, sondern dient nur zum Verschieben des AF-Messfeldes. Pfiffig gelöst ist die Belegung der beiden Funktionstasten. Durch kurzes Drücken werden voreingestellte Funktionen aufgerufen, nach längerem Drücken taucht ein kleines Menü auf, mit dem sich die Funktionszuweisung ändern lässt. Etwas unübersichtlich zu navigieren ist das Hauptmenü. Der 3,0-Zoll-Monitor ist touch-sensitiv und erlaubt beispielsweise des Setzen das AF-Messfeldes sowie das Blättern und Zoomen im Wiedergabemodus.

Neue Ausstattungsmerkmale

Neben dem neuen Bildsensor und dem Verbesserungen beim elektronischen Verschluss hat die Q2 noch einige weitere Neuerungen zu bieten. Den Sucher hat Leica vor allem durch die Umstellung von LCD- auf OLED-Technologie verbessert. Außerdem ist er etwas größer geworden – die Vergrößerung beträgt nun 0,76x statt 0,72x. Er hat nach wie vor eine hohe Auflösung von 3,68 Millionen Punkte und liefert damit ein brillantes Bild. Vor dem Kauf lohnt sich möglicherweise ein Kontrollblick. Bei unseren fabrikneuen Testgerät hatte sich Staub in die Sucheroptik gesetzt.
Vom neuen 47-Megapixel-Sensor profitiert auch der digitale Crop-Modus. So stehen bei kleinbildäquivalenten 35 mm noch 30 Megapixel zur Verfügung, bei 50 mm 14,7 und bei 75 mm 6,6. Der gewählte Ausschnitt wird im Sucher und auf dem Monitor als Rahmen dargestellt, der Fotograf hat auch den Bereich außerhalb des gewählten Crops im Blick. Positiv fällt der optische Bildstabilisator auf, der in der Automatikposition erst bei längeren Belichtungszeiten ab 1/60 s aktiv wird. Leica macht keine Angaben zur Effektivität. Zu den besten Stabilisatoren auf dem Markt dürfte er allerdings nicht zählen – vereinzelt gelangen uns scharfe Aufnahmen aus der sehr ruhigen Hand mit 1/4 s, zum Teil waren aber auch schon Aufnahmen mit 1/15 s unscharf.

Deutliche Verbesserungen gibt es bei der Videoauflösung. So nimmt die Q2 nun 4K auf, sogar im 17:9-Cinema-Format, also mit 4096 x 2160 Pixeln und 24p. 16:9-4K lässt sich wahlweise mit 24p oder 30p aufzeichnen, Full-HD mit bis zu 120p. In unserem Test konnten wir ca. 29 Minuten 4K am Stück aufnehmen. Die Q2 hätte also durchaus das Potenzial für eine sehr gute Videokamera, wären da nicht zwei große Schwachpunkte: Zum einen erfolgt die Belichtung ausschließlich vollautomatisch – Blende und Zeit lassen sich nicht beeinflussen. Zum anderen fehlt ein Mikrofonanschluss. Eine weitere Neuerungen ist die Bluetooth-Schnittstelle, die eine permanente Kopplung zwischen Kamera und Smartphone ermöglicht. Die drahtlose Bildübertragung und Fernsteuerung erfolgt per Wi-Fi und mit der Leica Fotos-App. Ungewöhnlich ist das völlige Fehlen mechanischer Schnittstellen – weder USB noch HDMI sind an Bord. Verbessert hat Leica außerdem die Akkulaufzeit: Sie beträgt nun 350 statt 270 Aufnahmen. Schon aus der Q bekannt sind die Funktionen Gesichtserkennung, Intervallaufnahmen, Panorama, HDR und eine 3D-Wasserwaage.

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.