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Praxistest Fuji X100V
Unser Technikredakteur Andreas Jordan hat die Fujifilm X100V kurz nach Markteinführung in der Praxis getestet und für das fotoMAGAZIN 5/2020 ins Labor geschickt. In diesem Video stellt er Ihnen die Kamera ausführlich vor.
© fotoMAGAZIN
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Im Test: Fujifilm X100V

High Five
27.05.2021

Kompaktkameras mit lichtstarken Festbrennweiten sind bei Straßenfotografen beliebt. Fujis X100-Serie geht nun schon in die fünfte Generation. Wir haben die Fujifilm X100V mit ihrer Vorgängerin, der X100F und der Ricoh GR III verglichen.

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Fuji X100V in Schwarz und Silber

Die X100V ist in Schwarz oder Silber-Schwarz erhältlich. Neu ist unter anderem der Klappmonitor.

© Fujifilm

Im neunten Jahr stellt Fujifilm die fünfte Generation seiner Edelkompakten mit APS-C-Sensor und Festbrennweite vor. Bisher waren die Kameras nach dem englischen Zahlenzusatz benannt, das letzte Modell war die X100F für Fourth-Generation. Da das F für Five damit schon belegt ist, kommt nun also die römische V zum Einsatz.
Im direkten Vergleich mit ihrer Vorgängerin fällt zunächst auf, dass die Neue etwas größer und schwerer geworden ist. Im Gegenzug erhält der Käufer erstmals einen Spritzwasserschutz; um auch das Objektiv abzudichten ist allerdings ein zusätzlicher Filter erforderlich. Relevante Unterschiede zeigen sich auf der Rückseite. So hat Fuji den Vierwege-Controller weggelassen. Dessen Funktionen lassen sich aber – wie schon bei anderen Fuji-Kameras – auf den Touchscreen verlagern. Für die Drive-Modi gibt es jetzt eine eigene Taste neben dem Sucher. Die restliche Bedienung ist bekannt und orientiert sich an klassischen Vorbildern: Die Blende wird am Objektiv eingestellt, für ISO, Zeit und Belichtungskorrektur gibt es eigene, beschriftete Räder. Über die jeweiligen Automatikeinstellungen lässt sich die Kamera in der Programm- oder den Halbautomatiken betreiben. Zeit und ISO können auch „moderner“ über vorderes und hinteres Einstellrad gewählt werden, was spätestens dann notwendig wird, wenn andere als die eingravierten Vorgaben für die Belichtungszeit genutzt werden sollen. Das AF-Messfeld kann der Fotograf wahlweise mit dem AF-Joystick oder über den Touchscreen verschieben. Neu ist der Klappmechanismus des 4,4 mm flachen Monitors, der sich nun um ca. 100 Grad nach oben und 30 Grad nach unten kippen lässt. Er hat außerdem eine höhere Auflösung (1,62 statt 1,04 Millionen Punkte), ist erstmals als Touchscreen ausgelegt und erlaubt per Touch die üblichen Bedienfunktionen; nur das Hauptmenü ist ausgenommen.

Fuji X100V mit Hybrid-Sucher

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Fujifilm X100V frontal

Die Fuji X100V ist etwas größer und schwerer als ihre Vorgängerin: (B x H x T) 128 x 74,8 x 53,3 mm / 478 Gramm.

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Ein Alleinstellungsmerkmal der X100-Serie ist der elektronisch-optische Hybrid-Sucher. Mit einem Hebel auf der Vorderseite kann der Fotograf zwischen den beiden Suchern umschalten. Der optische sitzt links oben neben dem Objektiv und weist eine entsprechende Parallaxe auf – der tatsächlich aufgenommene Bereich wird durch einen Leuchtrahmen angezeigt. Je nach Fokusdistanz ändern sich Größe und Position des Rahmens. Grundsätzlich ragt das Objektiv leicht in den Sucher. Der Vorteil des optischen Suchers liegt vor allem im größeren Kontrastumfang. Im elektronischen Sucher brennen Lichter eher aus, was wiederum dem tatsächlich aufgenommenen Bild entspricht. Spätestens beim manuellen Fokussieren sollte man besser den elektronischen Sucher wählen, der Hilfefunktionen wie Peaking, einen digitalen Schnittbildindikator und ein digitales Microprisma bietet. Er hat nun eine höhere Auflösung von 3,69 statt 2,36 Mio. Punkten und basiert auf einem OLED- statt einem LC-Display. Wer will, kann übrigens im optischen Sucher ein kleines elektronisches Sucherfenster einblenden, um beispielsweise eine Vorschau auf Filmsimulationen oder eine manuelle Fokussierhilfe zu erhalten.

Höhere Auflösung und 4K-Video

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Fujifilm X100V Monitor

Die Auflösung des Monitors hat Fuji auf 1,62 Millionen Punkte erhöht. Neu ist auch die Touch-Bedienung.

© Fujifilm

Unter der Haube gibt es zahlreiche Neuerungen. So setzt Fuji auf den aus der X-T3 und X-T30 bekannten Bildsensor mit 26 statt 24 Megapixeln und Phasendetektionspixeln. Auch das Objektiv hat der Hersteller mit einer zusätzlichen asphärischen Linse verbessert und an die gestiegene Sensorauflösung angepasst; Brennweite (23 mm, 35 mm beim KB) und Lichtstärke 1:2 sind aber gleichgeblieben. Mehr Flexibilität ermöglichen optionale Weitwinkel- und  Telekonverter, welche die kleinbildäquivalente Brennweite auf 28 mm verkürzen bzw. auf 50 mm verlängern.
Wer nicht nur fotografieren, sondern auch filmen will, findet eine wichtige Neuerung im 4K-Videomodus. Hier stehen Cinema-4K (4096 x 2160 Pixel) oder UHD-4K (3840 x 2160 Pixel) mit maximal 30p und 200 Mbit/s zur Verfügung, wobei die Länge der Clips auf zehn Minuten begrenzt ist und die Kamera sehr warm wird. Full-HD-Filme mit 60p können bis zu 15 Minuten lang werden. Zeitlupen in Full-HD gelingen mit bis zu 120p. Für bessere Tonaufnahmen lässt sich ein externes Mikrofon mit einem 2,5-mm-Klinkenstecker anschließen. Über HDMI kann die Kamera auf einem externen Rekorder mit 10 Bit Farbtiefe und 4:2:2-Fabunterabtastung aufnehmen.

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Fujifilm X100V side

Ausgestattet mit USB 3.1/Typ C-Schnittstelle.

© Fujifilm

Weitere Neuheiten sind der HDR-Modus für Aufnahmen mit großem Dynamikumfang und die erweiterte Kornsimulation: Neben der Stärke lässt sich nun auch die Größe des Korns einstellen. Die Filmsimulationen hat Fuji um Classic Negativ und Eterna ergänzt. Der integrierte ND-Filter dunkelt nun um vier statt drei Blendenstufen ab. Neu ist außerdem die USB 3.1/Typ C-Schnittstelle. Weitere – schon aus der Vorgängerin bekannte – Funktionen sind der lautlose E-Verschluss, der 1/32.000 s ermöglicht, Intervallaufnahmen, ein integrierter Raw-Konverter, eine Augenerkennung, Mehrfachbelichtungen und ein Schwenkpanoramamodus. Nicht ganz auf dem Stand der Technik ist die X100V bei der Speicherkartenunterstützung: SD-Karten werden nur mit UHS-I-Geschwindigkeit betrieben. Vermisst haben wir außerdem einen Bildstabilisator; den bringt im Testfeld die Ricoh GR III mit. Angesichts des Preises unnötig sparsam war Fuji außerdem bei der Stromversorgung: Es wird weder eine Ladeschale noch ein USB-Ladeadapter mitgeliefert, lediglich ein USB-C-Kabel liegt bei.

Aus dem Testlabor

Die X100V ist sehr schnell. Das gilt sowohl für die Auslöseverzögerung mit Einzelautofokus (0,16 s) als auch für den Serienbildmodus: Mit elektronischem Verschluss schafft die Kamera bis zu 30 Bilder/s, allerdings nur mit 1,25fach-Crop und 17 Megapixeln. Ohne Crop sind mit E-Verschluss 20 Bilder/s und mit mechanischem 11 Bilder/s möglich – jeweils mit kontinuierlichem Autofokus. Etwas größer könnte lediglich der Puffer ausfallen. Bei 20, 11 oder 8 Bildern/s wird die Kamera schon nach rund 17 bis 18 Raws in Folge langsamer.
Deutlich gesteigert hat Fuji die JPEG-Bildqualität, was vor allem am verbesserten Objektiv liegen dürfte. In den unteren ISO-Stufen haben wir sehr hohe Wirkungsgrade von über 90 % gemessen. Die höchste Auflösung erreicht das Objektiv bei Blende f/5,6, bei Offenblende (f/2,0) fällt der Wirkungsgrad auf gut 75 % und steigt dann mit dem Abblenden kontinuierlich an. Ab Blende f/8 geht die Auflösung aufgrund von Beugungseffekten wieder leicht zurück. Gemessen über den ISO-Bereich hält sich die X100V ebenfalls sehr gut. Bis ISO 3200 liegt der Wirkungsgrad bei deutlich über 80 %, bei ISO 6400 bricht er dann allerdings kräftig auf etwas über 71 % ein. Trotz der gegenüber der Vorgängerin und der Ricoh GR III höheren Sensorauflösung zeigt die X100V auch beim Bildrauschen eine starke Leistung. Die gemessenen Rauschwerte liegen etwa auf dem Niveau der X100F und sind in den höheren ISO-Werten besser als bei der Ricoh. Der Belichtungsumfang ist mit rund 8,5 Blendenstufen durchschnittlich, aber ebenfalls vergleichbar mit den Werten der Konkurrenz. Sehr gering fällt die Verzeichnung aus und auch die Vignettierung ist unproblematisch.

FAZIT
Vor allem bei der Bildqualität hat die X100V deutlich hinzugewonnen. Zusammen mit der sehr hohen Geschwindigkeit und der knapp sehr guten Ausstattung fährt die Kamera den Testsieg ein. Der einzige größere Schwachpunkt ist der fehlende Bildstabilisator, den im Testfeld nur die Ricoh GR III mitbringt. Diese erhält aufgrund des mit Abstand niedrigsten Preises auch unseren Preis-Tipp. Außerdem punktet sie durch kompaktere Abmessungen und geringeres Gewicht, dafür ist anders – als bei Fuji – kein Sucher eingebaut.

> Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test (Fujifilm X100F, Fujifilm X100V, Ricoh GR III).

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 5/2020 erschienen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.