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Edelkompakte von Fuji und Ricoh
Die Fuji XF10 (links) ist mit einer Breite von 112,5 mm und Höhe von 64,4 mm etwas größer als die Ricoh GR III (B: 109,4 mm, H: 61,9 mm).

Im Test: Fuji XF10 und Ricoh GR III

Zwei Edelkompaktkameras im Vergleich
26.06.2020

Mit der Fujifilm XF10 und der Ricoh GR III treten zwei sehr kompakte Kameras mit APS-C-Sensoren und 28-mm-Festbrennweiten zum Test an. Sie empfehlen sich vor allem für die Straßen-Fotografie. Erfahren Sie, wer sich die bessere Street Credibility verdient.

 

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Fujifilm XF10 schräg

Die Fujifilm XF10 gibt es in Schwarz oder Champagner mit braunem Griff.

© Fujifilm

Nach dem Vollformatmodell Leica Q2 (> Test aus fM 6/19) haben wir diesmal die preiswerte Fujifilm XF10 (ca. 500 Euro) und die Ricoh GR III (ca. 900 Euro) gegeneinander antreten lassen. Beide sind mit APS-C-Sensoren mit 24 Megapixeln und einigermaßen lichtstarken Festbrennweiten (2,8/28 mm entsprechend Kleinbild) ausgestattet. Weitere Gemeinsamkeit: Sie verzichten auf den eingebauten Sucher; Ricoh bietet allerdings einen optischen Aufstecksucher an. Offensichtlichster Unterschied: Die XF10 hat einen eingebauten Blitz aber keinen Blitzschuh, bei der GR III ist es umgekehrt.

Fujifilm XF10

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Fujifilm XF10 back

Neu bei der XF10 ist unter anderem der Joystick neben dem Touchscreen.

© Fujifilm

Fujifilm ist seit längerem für seine Kompaktkameras mit APS-C-Sensoren und Weitwinkel-Festbrennweiten bekannt. Das letzte Modell aus der hochwertigen X100-Serie mit Hybrid-Sucher stammt vom Februar 2017. Ein Jahr zuvor hatten die Japaner mit der X70 ein Einsteigermodell ohne Sucher für 700 Euro auf den Markt gebracht. Dessen Nachfolger ist nun die überraschend preiswerte XF10 für rund 500 Euro. Sie ist noch etwas kleiner und leichter geworden und damit geringfügig größer als die Ricoh GR III. Der knappe Platz erfordert Kompromisse bei den Bedienelementen. So hat Fuji die Viererwippe weggelassen – ihre Funktionen lassen sich nun durch Wischen nach oben, unten, links und rechts auf dem Touchscreen aufrufen. Rechts neben dem Monitor sitzt jetzt ein kleiner Joystick, mit dem sich das AF-Messfeld verschieben lässt. Außerdem dient er zur Menünavigation, die nicht per Touch möglich ist. Für die Drive-Modi gibt es eine eigene Taste, die nicht nur die Serienbildmodi aufruft, sondern auch diverse Belichtungsreihen (Helligkeit, Weißabgleich, ISO, Filmsimulationen, Dynamik, HDR). Auch der Videomodus findet sich etwas versteckt unter den Drive-Modi. Erwartet hätten wir ihn eher auf dem Moduswahlrad, das neben den üblichen PASM-Einstellungen Zugriff auf intelligente Automatik, Motivprogramme, Mehrfachbelichtungen, Schwenkpanorama und Filtereffekte gibt. Das Objektiv ist mit einem Fokusring ausgestattet; Peaking hilft bei der manuellen Fokussierung.

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Fujifilm XF10 top

Das Moduswahlrad der XF10 gibt schnellen Zugriff auf viele Belichtungsprogramme, aber nicht auf den Videomodus.

© Fujifilm

Kamera-Ausstattung

Das Weitwinkelobjektiv hat Fuji von der X70 übernommen, die Sensorauflösung wurde von 16 auf 24 Megapixel angehoben, was den Crop-Modi zugutekommt: Der sogenannte Digitale Telekonverter aktiviert eine kleinbildäquivalente Brennweite von 35 mm oder 50 mm. Eigentlich sinkt die Auflösung dabei auf 15 bzw. 7 Megapixel. Die Kamera rechnet die JPEGs aber wieder auf 24 Megapixel hoch, was zu einer entsprechenden Verschlechterung der Bildqualität gegenüber dem 28-mm-Original führt und unnötig Speicherplatz belegt.
Angesichts des gegenüber der X70 um 200 Euro niedrigeren Preises wundert es nicht, dass Fuji an der einen oder anderen Stelle den Rotstift angesetzt hat. So lässt sich der Monitor nicht mehr ausklappen und der Blitzschuh fehlt. Auf der Habenseite steht, dass neben dem mechanischen ein elektronischer Verschluss aktivierbar ist, der das lautlose Auslösen und sehr kurze Verschlusszeiten (bis 1/16.000 s) ermöglicht. Auch die Simulation verschiedener Filme ist eine typische Fuji-Stärke – dank integriertem Raw-Konverter lassen sich diese auch nach der Aufnahme anwenden. Neu sind zwei Filtereffekte: „Detailliert & Fein“ empfiehlt Fuji für die Food-Fotografie. Hierbei werden die Farben in der Mitte besonders kräftig dargestellt und eine Vignette betont das Motiv. „Schwarz-Weiß (Nahes Infrarot)“ eignet sich speziell für Landschaftsaufnahmen. Ein neuer „Square“-Modus erstellt schließlich Bilder mit dem Seitenverhältnis 1:1. Ebenfalls integriert wurden die aus den neuen Systemkameras bekannten Funktionen 4K-Serienbilder und 4K-Mehrfachfokussierung (Auswahl der Schärfeebenen nach der Aufnahme, Focus-Stacking), die Augenerkennung und Intervallaufnahmen. Auch die Kombination von Wi-Fi (zur Fernsteuerung und Bildübertragung) mit Bluetooth (zur ständigen Kopplung von Kamera und Smartgerät) ist bereits bekannt. Im Videobereich beherrscht die XF10 zwar 4K, aber nur mit ruckeligen 15p, Full-HD dagegen mit 60p. In HD-Auflösung (1280 x 720 Pixel) gelingen auch Videos mit bis zu 4facher Zeitlupe in. Ein Mikrofonanschluss ist vorhanden.

Geschwindigkeit und Bildqualität

Serien schießt die XF10 mit bis zu 6 Bildern/s, mit aktivierter AF-Nachführung haben wir 5,5 Bilder/s gemessen. Der Pufferspeicher ist eher knapp bemessen: Nach 15 JPEGs oder 5 Raws in Folge bremst die Kamera ab. Auch der Autofokus ist nicht gerade rasant: Mit einer Auslöseverzögerung von 0,36 s ist die XF10 deutlich langsamer als die GR III.
Bei der Auflösung erreicht die XF10 den besten Wirkungsgrad von gut 80 Prozent bei ISO 100, wobei der reguläre ISO-Bereich erst bei ISO 200 beginnt. Hier sind dann auch tatsächlich Rauschen und Dynamikumfang am besten – letzterer ist mit über neun Blendenstufen überdurchschnittlich gut. Perfekt ist die Umsetzung der Tonwerte im Bild. Die Auflösung fällt dagegen bei ISO 200 bereits auf knapp 73 Prozent und danach kontinuierlich weiter. Bei ISO 3200 steigt sie überraschend wieder leicht an. Das Bildrauschen stört erst ab ISO 6400 deutlich. Die vergleichsweise guten Rauschwerte werden durch heftige Texturverluste erkauft. Das Objektiv erreicht seine Bestwerte zwischen Blende 2,8 und 5,6. Ein Schwachpunkt ist der starke Auflösungsverlust am Bildrand – selbst bei bester Blende beträgt der Wirkungsgrad hier nur noch gut 60 %, bei Blende f/5,6 und f/8 sind es unter 50 %.

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.