Im Test: Canon EOS M50

Die erste EOS-M mit 4K
14.01.2019

Fast zeitgleich bringt Canon drei neue EOS-Modelle auf den Markt. Im Mittelpunkt unseres Tests steht die vielversprechende spiegellose EOS M50, die wir mit der teureren EOS M5 und den beiden neuen Einsteiger-SLRs EOS 2000D und 4000D verglichen haben.

 

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Canon EOS M50 schräg

Canon EOS M50: ambitionierte Mittelklasse

© Canon

Die spannendste der drei neuen Modelle ist sicher die EOS M50, eine spiegellose Mittelklasse-Kamera, die erstmals im EOS-M-System Video in 4K-Auflösung aufzeichnet. Das Interessanteste an den Einsteiger-SLRs dürfte wohl sein, dass Canon dieses Segment gleich mit zwei neuen Kameras bedenkt und mit der EOS 4000D die Messlatte in mancher Hinsicht nach unten verschiebt.

Die EOS M50 hatte schon im ersten kurzen Handhabungstest (fM 4/18) einen guten Eindruck hinterlassen. Für unter 600 Euro bekommt der Käufer eine Kamera, die erstmals in Canons M-System 4K-Video aufzeichnet und damit das Spitzenmodell EOS M5 überbietet. Doch bestätigt sich der positive Ersteindruck auch im ausführlichen Praxis- und Labortest?

Positiv fällt zunächst auf, wie klein und leicht die Neue ist. Mit zwei Objektiven passt sie locker in eine kleine Fototasche. Das Gehäuse ist spürbar aus Kunststoff, wirkt aber wertiger als die beiden Einsteiger-SLRs. Der Griff ist gut proportioniert – zumindest für kleine und mittelgroße Hände. Das Haupteinstellrad ist ebenfalls komfortabel bedienbar, im Gegensatz zur EOS M5 fehlen aber das zweite Einstell- und das Belichtungskorrekturrad. Etwas klein geraten ist die Viererwippe. Ein Multi-Funktionsknopf lässt sich individuell belegen, die wichtigsten Einstellungen können außerdem über das Q(uick)-Menü aufgerufen werden. Zusammen mit dem konsequent umgesetzten Touchscreen ist das Bedienkonzept trotz des geringen Platzes gut gelungen.

Einen dicken Pluspunkt gibt es für den vollbeweglichen Monitor, der sich nicht nur (wie bei der EOS M5) nach oben und unten kippen, sondern auch zur Seite ausklappen lässt. Damit ist er auch für Hochformataufnahmen vom Stativ sowie Selbstportraits geeignet und lässt sich für den Transport kratzsicher einklappen. Er ist allerdings etwas kleiner als in der EOS M5 (7,5 statt 8,0 cm Diagonale). Der Touchscreen lässt sich übrigens auch nutzen, um im Sucherbetrieb das AF-Messfeld zu verschieben („Touch-and-drag-AF“), wobei man das Touch-Feld auf einen Teil des Monitors beschränken kann, um den Fokus nicht versehentlich mit der Nase zu versetzen. Der OLED-Sucher ist der gleiche wie in der EOS M5 – er ist nicht allzu groß, hat ansonsten aber eine gute Qualität. Ein schicker virtueller Horizont lässt sich über die Info-Taste im Sucher und auf dem Monitor einblenden.

Ausstattung

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Canon EOS M50 mit Monitor

Ein Vorteil gegenüber der EOS M5 ist der ausklappbare Monitor.

© Canon

Auch bei der Ausstattung muss sich die EOS M50 nicht hinter der EOS M5 verstecken. In einigen Punkten ist sie sogar besser. So hat Canon die Gesichts- erstmals um eine Augenerkennung erweitert. Dabei wird wahlweise das linke oder rechte Auge erkannt und verfolgt. Einschränkung: Der Augen-AF steht bei der Videoaufzeichnung nicht zur Verfügung und lässt sich auch nicht mit Servo-AF kombinieren. Neu ist außerdem das lautlose Auslösen mit elektronischem Verschluss. Anders als bei der Konkurrenz ist es als Szenenprogramm implementiert und entzieht sich damit manuellen Einstellungen von Blende und Belichtungszeit. Auch Serienbilder sind in diesem Modus nicht möglich. Wie auch bei anderen Herstellern üblich, lässt sich der elektronische Verschluss nicht mit dem Blitz kombinieren und in bestimmten Aufnahmesituationen kann es zu Artefakten kommen: bei flimmerndem Kunstlicht zu Streifenbildungen und bei schnellen Bewegungen zu Verzerrungen durch den Rolling-Shutter-Effekt.
Mit dem Moduswahlrad sind neben den Szenenprogrammen auch die Kreativfilter anwählbar, die beispielsweise einen Miniatur- und vier verschiedene HDR-Effekte bereithalten. Etwas verwirrend ist, dass sich HDR zusätzlich in den Szenenprogrammen findet – hier allerdings ohne aufdringliche Effekte. Die meisten Kreativfilter lassen sich übrigens auch nach der Aufnahme anwenden – Ausnahme sind die HDR-Effekte, da hierfür mehrere Aufnahmen kombiniert werden müssen.

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Canon EOS M50 top

Mit Kitobjektiv ist die EOS M50 angenehm kompakt. Das 15-45 mm muss vor der Aufnahme entriegelt werden.

© Canon

Wer Raws aufgenommen hat, kann diese in der Kamera verarbeiten. Neben Standardeinstellungen wie Weißabgleich, Bildstil oder Objektivkorrekturen steht bei der Raw-Bearbeitung auch ein „Kreativassistent“ zur Verfügung, der gezielte Eingriffe in Farbe, Helligkeit und Kontrast ermöglicht.
Der Bildstabilisator sitzt bei Canon im Objektiv. Er nutzt neben den üblichen Informationen des Gyro-Sensors auch Daten des Bildsensors und hinterließ in unserem Test einen sehr guten Eindruck.

Die EOS M50 ist mit Wi-Fi-, NFC und Bluetooth ausgestattet. Letzteres ermöglicht eine permanente Verbindung zwischen Kamera und Smartphone (iOS, Android), zur Bildübertragung muss allerdings Wi-Fi in der Kamera gestartet werden. Mit der Funktion „automatische Bildübertragung“ lassen sich dann alle Bilder ohne manuelle Eingriffe auf das Smartphone übertragen.
Zur weiteren fotografischen Ausstattung gehört Peaking. Vermissen könnte der eine oder andere einen Schwenkpanoramamodus und eine USB-Ladefunktion – zumal die Akkulaufzeit mit 235 Aufnahmen (370 im Stromsparmodus) nicht gerade üppig ausfällt.

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.