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Schatten erzeugen
Besonders spannende Ergebnisse erhalten Sie, wenn Sie auf Ihrem Bild individuelle Schatten erzeugen. Foto: © Sebastian Sonntag

Kreative Ideen für Portraits mit Blitzlicht

Kreativ Blitzen
04.04.2020

Blitzlicht erfreut sich vor allem bei Personen-Fotografen großer Beliebtheit. Zurecht, denn mit etwas Kreativität lassen sich mit einem oder mehreren Blitzen einzigartige Foto-Kunstwerke zaubern.
Wir haben einige Ideen für Sie zusammengestellt.

 

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Bewegung einfrieren

Mit der kurzen Abbrenndauer eines Studioblitzes lassen sich Bewegungen optisch einfrieren. Das eröffnet dem Fotografen zahlreiche kreative Möglichkeiten und führt bisweilen zu spektakulären Bildern.

© Sebastian Sonntag

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Studio-Aufnahme mit Blitz? Wie haben Sie damals das Licht gesetzt? Möglicherweise mit zwei Softboxen, leicht seitlich vom Model platziert. Diese Variante ist sehr beliebt, denn dadurch wird das Gesicht sehr gleichmäßig ausgeleuchtet, es entstehen kaum Schatten, und wenn, sind sie sehr weich. Das ist praktisch, aber auch schnell sehr langweilig. Dabei bietet der Einsatz von Blitzen viele kreative Möglichkeiten, von dezenten Optimierungen bis hin zu extremen, experimentellen Ergebnissen. Egal, welcher Fotografen-Typ Sie sind, es lohnt sich, alle Optionen auszuprobieren. Damit erweitern Sie nicht nur Ihre fotografische Bandbreite – was bei einer spontanen Konzept-Änderung während des Shootings ein großer Vorteil sein kann – sondern auch Ihren Horizont, denn jedes Setting hat seinen eigenen Stil und seine eigenen Herausforderungen. Gerade bei experimentellen Varianten sollten Sie allerdings etwas Zeit einplanen. Bis ein vorzeigbares Ergebnis entsteht, kann einige Zeit vergehen. Nutzen Sie den Vorteil des digitalen Zeitalters, in dem Sie das Bildergebnis sofort betrachten und angemessene Veränderungen vornehmen können. Und vor allem: Trauen Sie sich!

Bewegungen einfrieren

Die einfachste Variante, die kreativen Möglichkeiten des Blitzens zu entdecken, wird Ihnen technisch vorgegeben, ohne dass Sie selbst etwas dazu beisteuern müssen. Dank seiner sehr kurzen Abbrenndauer von etwa 1/2000 Sekunde friert ein Studioblitz jede Bewegung optisch ein. Das ermöglicht eine Wahrnehmung der Welt, wie wir sie aus unserem täglichen Leben nicht kennen – und genau dieser Aspekt macht das Bild besonders interessant. In Kombination mit der kontrast- und detailreichen Darstellung einer Blitz-Aufnahme wirken die eingefrorenen Bewegungen wie surreale Momentaufnahmen, herausgerissen aus der Welt um uns herum. Die kreative Aufgabe des Fotografen besteht bei dieser Form der Fotografie darin, die gewünschte Bewegung zu definieren und dann das Model zu instruieren. Das kann ein tänzerischer Sprung ebenso sein wie das Hochwerfen der Haare oder eine andere dynamische Bewegung.
Für ein überzeugendes Bildergebnis kommt es unabhängig von der Art der Bewegung neben kreativen Aspekten vor allem auf das richtige Timing an. Der Moment, in dem alles stimmt, ist extrem kurz und es braucht viel Erfahrung und etliche Versuche, bis es gelingt, in diesem Moment den Auslöser zu drücken.
Unser Tipp: Bitten Sie sprung-unerfahrene Models, bereits vor dem Sprung das Posing einzunehmen. Das verhindert, dass beim Abspringen intuitiv der Kopf nach oben gerissen wird.

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Spotlight

Ein Spotlight lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters noch stärker auf das Hauptmotiv. Vorsicht: Die harten Schatten wirken schnell unvorteilhaft.

© Sebastian Sonntag

Spotlight

Beim Fotografieren mit Spotlight sind die Herausforderungen bei der Lichtsetzung besonders hoch. Zum einen wirft ein Spotlight sehr hartes Licht, was bei einer falschen Blitzposition zu sehr hässlichen Schatten führen kann. Zum anderen genügt eine geringe Bewegung des Models und die Ausleuchtung passt nicht mehr. Dennoch kann es sich in vielen Fällen lohnen, zumindest ergänzend zu gewöhnlichen Aufnahmen noch einige mit Spotlight zu machen. Als Lichtformer können Sie wahlweise einen dafür vorgesehen Spotaufsatz verwenden oder mit Pappe und etwas Klebeband einen selbstgebastelten Trichter an einem Standardreflektor anbringen. Letztere Variante bietet den Vorteil, dass Sie durch die Trichteröffnung auf der kleinen Seite die Größe Ihres Spotlights selbst bestimmen können. Achtung: Beim Fotografieren durch eine Pappe unbedingt das Einstelllicht nach dem Einrichten abschalten, sonst besteht Brandgefahr.
Damit die Aufnahme trotz der sehr punktuellen Ausleuchtung gelingt, macht es Sinn, zunächst die Position des Models festzulegen. Schalten Sie dann das Einstelllicht an und richten Sie Ihren Blitz aus. Arbeiten Sie hier präzise, schon eine marginal falsche Ausrichtung kann zu völlig anderen Ergebnissen führen. Schalten Sie das Einstelllicht dann wieder ab. Gerade bei Aufnahmen von Männern, deren Hautstruktur etwas deutlicher hervortreten darf, hat ein seitlich positioniertes Spotlight einen ganz besonderen Reiz. Wer den Spot etwas größer wählt, kann aber auch das ganze Model ausleuchten und erhält eine Aufnahme, die dank der dunklen Schatten besonders interessant und intensiv wirkt.

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Schatten erzeugen

Besonders spannende Ergebnisse erhalten Sie, wenn Sie auf Ihrem Bild individuelle Schatten erzeugen. Die Hand vor dem Blitz eignet sich dazu ebenso wie der Wäschekorb, der auf dieser Aufnahme als Schattenspender zum Einsatz kam.

© Sebastian Sonntag

Schatten erzeugen

Wer sich etwas intensiver mit dem Thema Fotografie beschäftigt, der lernt schnell: Gute Bilder leben von ihren Schatten. Gerade beim Arbeiten mit Blitzen gehen diese jedoch schnell verloren. Natürlich kann man den Blitz einfach etwas zur Seite rücken, um das Gesicht auf einer Seite etwas abzudunkeln, allerdings wirken diffuse, undefinierbare Schatten, die sich über das Model legen, noch deutlich interessanter. Praktischerweise können Sie diese ganz einfach selbst erzeugen. Halten Sie einen Gegenstand oder Ihre Hand vor den Blitz und schon entsteht eine Aufnahme mit spannenden Helligkeitsverläufen auf dem Körper und Gesicht Ihres Models. Übrigens setzen auch große Fotokünstler wie der fantastische Peter Lindbergh bisweilen solche Effekte ein, um ein Bild noch dramatischer zu gestalten.
Mindestens ebenso wichtig wie der Schatten erzeugende Gegenstand selbst ist dessen Abstand zum Blitz.

  • Generell gilt:
  • Je näher sich der Gegenstand am Model befindet, desto kleiner und scharfkantiger wird der Schatten, je näher er am Blitz ist, desto diffuser wirkt er. Wer besonders kreativ ist, kann kleine bunte Glas- oder Plexiglas-Bruchstücke als Schattenspender verwenden – dadurch werden die entstehenden Schatten dann gleich noch eingefärbt.
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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Sebastian Sonntag

Der Münchner Sebastian Sonntag ist sowohl freier Journalist, als auch Fotograf. In seinen Arbeiten konzentriert er sich auf die experimentelle Seite der Mode- und Beautyfotografie.