Fotografieren im Frühling: 7 Tipps für schönere Frühlingsbilder

It´s Spring Time!
20.03.2017

Schon gesehen? Magnolie, Krokus & Co. durchbrechen endlich die graue Tristesse. Wir haben 7 Tipps zum Fotografieren im Frühling für Sie parat und verraten, was Sie sonst noch beachten sollten

 

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Schloss Dyck-Schellhase-01
© Anne Schellhase

Wenn die Tage wieder länger werden, die Bäume erste Knospen tragen und Krokus, Schneeglöckchen & Co. die graue Tristesse durchbrechen, dann wissen wir: Der Frühling lässt nicht mehr lange auf sich warten. Dem aufmerksamen Beobachter entgeht nicht, wie zaghaft die Natur wieder erwacht. Doch steigen die Temperaturen, geht plötzlich alles ganz schnell. Die Welt wird bunter und auch die Bienen trauen sich wieder raus.

Aus fotografischer Sicht sollte man sich also nicht allzu viel Zeit mit dem ersten Frühlingsspaziergang lassen – zumindest wenn man die aller ersten Frühlingsboten einfangen möchte. Und auch wenn der Frühling bereits voranschreitet, gibt es einiges zu beachten. Wie gestalte ich mein Bild, was mache ich bei schlechtem Wetter und wie fange ich Bienen und Blümchen besonders schön ein? Wir haben die Antworten!

1. Nichts mehr verpassen: Notieren Sie sich Blütezeiten und Events in Ihrem Kalender

Sie sind ein Fan der Blütezeit? Wissen Sie denn auch aus dem Effeff, wann Kirsche, Apfel und Magnolie blühen? Oft merken wir dies nämlich erst, wenn eben diese Bäume bereits auf dem besten Wege sind, ihre schönsten Seiten zu zeigen. Um auch ja nichts zu verpassen empfiehlt es sich daher, Kalender zu führen. Da der Beginn der Blütezeit aufgrund der Witterung natürlich nicht jedes Jahr gleich ist, sollten Sie aufmerksam die Zeitung lesen.

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Magnolien-Ruhrpott-Elsner-01

Magnolien lassen sich in vielen großen Städten finden. Dieses Exemplar steht mitten im Ruhrpott

© Daniela Elsner

Meist wird der Beginn der jeweiligen Blütezeit im Lokalteil großer sowie kleiner Tageszeitungen angekündigt – und sind mit speziellen Events verbunden: Manche Gegenden sind nämlich so bekannt für ihre Blütenpracht, dass ganze Feste und Märkte im Frühjahr veranstaltet werden. So können wir beispielsweise in Hamburg, Jork und Bonn Kirschblütenfeste feiern. Die Apfelblüte wird im Alten Land, im Schwäbischen Donautal und in Höchst im Odenwald groß zelebriert. Die Schönheit der Magnolie können Sie sich ausgiebig in der Wilhelma in Stuttgart anschauen: Etwa 70 Exemplare, bestehend aus 23 Arten, bilden dort den größten Magnolienhain nördlich der Alpen. Tolle Magnolien finden Sie auch in verschiedenen Städten, beispielsweise im Bochumer Stadtpark sowie auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg. Generell sollten Sie in den folgend genannten Zeiträumen besonders aufmerksam sein:

  • Die Magnolienblüte beginnt etwa Mitte März bis Anfang April.
  • Die Apfelblüte beginnt zwischen April und Mai.
  • Und die Kirsche fängt ebenfalls im April an zu blühen, spätestens aber Anfang Mai.

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Für diese Doppelbelichtung wurden Tulpen vor dem Zwinger in Dresden fotografiert, das zweite Foto zeigt ein paar Treppen im Innenhof der Sehenswürdigkeit

© Anne Schellhase

Neben den Blütenbäumen gibt es auch diverse Blumen, die unsere Welt im Frühling so herrlich bunt machen: Tulpen, Narzissen, Osterglocken und Schneeglöckchen sind nur einige Beispiele. Sie locken in Parkanlagen bereits eifrig summende Bienen an. Das ganze Frühjahr über gibt es viele Events, die Sie mit der Jagd nach schönen Frühlingsmotiven verbinden können. So sind Schlossmärkte hierfür sehr dankbare Veranstaltungen: Der “Schlossfrühling” im rheinländischen Schloss Dyck eignet sich ganz prima für einen ausgiebigen Ausflug mit der Kamera und findet jedes Jahr am Osterwochenende statt. Einmal kurz Google gefragt und Sie finden eine Fülle an Oster- oder Frühlingsmärkten, sicherlich auch in Ihrer näheren Umgebung.

2. Tagsüber fotografieren? Im Frühling ist das noch möglich

Ganz oft liest man etwas darüber, dass man für eine schöne Lichtstimmung vor allem das Morgen- und Abendlicht nutzen sollte. Generell ist dies auch richtig, im Frühling machen wir hingegen eine Ausnahme. Natürlich spenden Morgen- und Abendsonne auch dann besonders warmes Licht, aber zu dieser Jahreszeit ist auch die Zeit dazwischen gut zum Fotografieren geeignet. Denn im Frühling steht die Sonne noch flach am Himmel und wirft daher nicht so harte Schatten wie im Sommer. Somit kommen auch die Kontraste nicht so geballt rüber. Aber Obacht: Je weiter wir uns dem Sommer nähern, desto mehr sollten wir die harte Mittagssonne meiden.

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Für diese Magnolieblüte ist die Fotografin so nah rangegangen, dass man sogar den Tau auf den Blütenblättern sehen kann

© Tamara Skudies

3. Blüten und Blumen fotografieren: Perspektivwechsel leicht gemacht

Im April erwacht die Natur immer mehr zum Leben, diese erscheint uns von Tag zu Tag bunter. Etwa ab Mitte Mai erstrahlt die Natur in voller Pracht, beste Bedingungen für ein paar Nahaufnahmen – und in die Knie zu gehen! Denn wer interessante und intensive Fotos von Blüten und Blumen machen will, der sollte seinen Motiven entgegen kommen:

  • Gehen Sie nah ran! Nichts eignet sich so gut für Makroaufnahmen wie Blumen, Pflanzen und kleine Käfer, die Ihnen sicherlich vor die Linse krabbeln werden. Vergessen Sie dabei bitte nicht, ein Stativ zu nutzen.
  • Wechseln Sie die Perspektive: Begeben Sie sich auf Augenhöhe mit Ihrem Motiv oder fotografieren Sie die Tulpenwiese doch einmal von unten.
  • Arbeiten Sie mit einer offenen Blende bzw. geringen Schärfentiefe: Wir wollen uns ganz auf die Blüten konzentrieren, nicht auf den Hintergrund Ihrer Szene. Deswegen empfehlen wir Ihnen, mit Schärfe und Unschärfe zu arbeiten.
  • Achten Sie auf das Licht im Spätfrühling: Zum Sommer hin sollten Sie mittags lieber auf bewölkte Tage oder die Morgen- bzw. Abendstunden ausweichen.
  • Räumen Sie auf! Falls Sie nicht mit einer offenen Blende arbeiten wollen und der Hintergrund teil Ihres Bildes wird, räumen Sie diesen auf. Tannenzweige im Frühling wirken meist eher irritierend.
  • Details im Blick: Vergessen Sie nicht, wie schön Blumenstempel, Blumenstaub und einzelne Blüten sein können. Blüten im Gegenlicht haben eine fast schon verträumt anmutende Bildwirkung.
  • Arbeiten Sie mit Mehrfachbelichtungen. Kein Motiv dekoriert eher einfache und alltägliche Momentaufnahmen so sehr, wie Blumen. Probieren Sie es aus!
  • In den Morgenstunden losziehen: Wer sich den Wecker stellt, wird meist mit besonderen Motiven belohnt. Beispielsweise finden Sie in den frühen Morgenstunden von Tau bedeckte Blüten, Blumen, Wiesen und Spinnenweben.

Lassen Sie sich ja nicht von ein paar Wolken am Himmel verunsichern.

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Doppelbelichtung-Dresden-Schellhase-01

Diese Doppelbelichtung entstand an einem verregneten Tag in der "Elbflorenz" Dresden: Hierfür wurde der typische Touri-Doppeldecker-Bus mit ein paar Tulpen kombiniert, die vor dem Zwinger gepflanzt wurden

© Anne Schellhase

4. April, April: Seien Sie auf wechselhaftes Wetter vorbereitet

Der April, der macht was er will. Deswegen sollten Sie im Frühling auf jeden Fall eine Regenjacke und eine Duschhaube dabei haben. Nicht etwa für Ihren Kopf, sondern für Ihre Kamera! Denn Duschhauben sind für wenig Geld zu haben und lassen sich im Handumdrehen zu einem super Kameraschutz modifizieren: Schneiden Sie ein Loch für den Sucher und für ihr Objektiv in die Haube und fotografieren Sie munter weiter! Und lassen Sie sich ja nicht von ein paar Wolken am Himmel verunsichern. Gerade an super sonnigen Tagen wirken sie wie ein riesiger Diffusor und harte Schatten werden schön weich.

5. Street Photography im Frühling: Denn nicht nur Flora und Fauna erwachen zu neuem Leben

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Schloss Dyck-Schellhase-02
© Anne Schellhase

Das erste Eis im Freien genießen, mit einem Coffee to go im Park spazieren gehen oder an einem freien Tag über den Wochenmarkt schlendern? All das macht im Frühling viel mehr Spaß und das sieht man den Menschen auch an: Sie tragen wieder Sonnenbrillen, die Kleidung wird heller, bunter, ja einfach fröhlicher und sie halten sich ganz bewusst wieder draußen auf. Halten Sie diese Veränderungen fest! Der einfachste Weg zu guten Street-Fotos ist, selber in die Situation einzutauchen und sich drauf einzulassen. Hier ein paar Tipps:

  • Setzen Sie sich in Ihr Lieblings-Café, beobachten Sie, was um Sie herum geschieht und halten Sie Ihre Kamera bereit. 
  • Bauen Sie Emotionen auf. Man sieht Ihrer Aufnahme an, ob Sie Teil oder nur ferner Beobachter einer Situation waren. "Nähe" ist hier das Stichwort. Lassen Sie Ihr  Superzoom also besser zu Hause. Nehmen Sie stattdessen eine tolle Festbrennweite oder gar ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv mit.
  • Haben Sie keine Angst. Nur, weil Sie der Street  Photography nachgehen, tun Sie nicht automatisch etwas Verbotenes. Der Trick ist, eine Situation so einzufangen, dass sie auch dann noch wirkt, wenn man nicht frontal auf die Gesichter Fremder draufhält.
  • Sollte dies – je nach Situation und Motivwahl– doch nötig sein, bitten Sie um Erlaubnis und nehmen Sie Kontakt auf: Zeigen Sie der Person Ihre Aufnahme, tauschen Sie die Nummern aus und stellen Sie das Bild zur Verfügung. Erzählen Sie doch einfach, wieso die Situation so interessant für Sie war. Meist freuen sich unsere Mitmenschen über schöne Bilder!
  • Hinterfragen Sie Situationen, bevor Sie diese ablichten. Erstrecht wenn Sie den Alltag von seiner hässlichen Seite ablichten. Beispielsweise ist der Widerspruch zwischen Arm und Reich eine Facette, die uns überall begegnet. Ein respektvoller Umgang ist auch in der Fotografie das A und O.

Es gibt so viele, kleine Schrauben, welche Sie ohne großen Aufwand drehen können, sodass aus Ihrem Schnappschuss eine besonders gelungene Aufnahme wird.

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© Anne Schellhase

6.    Linienführung, Goldener Schnitt & Co.: Setzen Sie sich mit den Regeln der Bildgestaltung auseinander

Ihren Bildern fehlt der letzte Schliff? Setzen Sie sich – zumindest ein wenig– mit den Grundregeln der Bildgestaltung auseinander. Es gibt so viele, kleine Schrauben, welche Sie ohne großen Aufwand drehen können, sodass aus Ihrem Schnappschuss eine besonders gelungene Aufnahme wird. Achten Sie also auf folgende Dinge, wenn Sie durch Ihren Kamerasucher blicken:

  • Welches Format passt am besten zu Ihrer Aufnahme?
  • Welche Perspektive macht Ihr Bild besonders interessant?
  • Was ist Ihr Hauptmotiv und welcher Bildausschnitt bringt es am besten zur Geltung?
  • Macht Ihre gewählte Linien- und Flächenführung Sinn?
  • Gibt es Kontraste, mit denen Sie arbeiten können?
  • Der "Goldene Schnitt" und die "Drittel-Regel": Welchen Kompositionsstil mögen Sie am liebsten, wählen ihn gar intuitiv?
  • Mut zur Lücke: Probieren Sie öfter mal etwas Neues aus! Sind Sie experimentierfreudig?

7. Fotografieren im Frühling: das Equipment auf einen Blick

Wir haben jetzt sehr viel über die Motivwahl, die Ausrüstung für bestimmte Wettersituationen und Blütezeiten geredet. Wichtig ist jedoch auch, dass Sie sich vorher Gedanken über Ihre möglichen Motive und das hierfür nötige Equipment machen. Damit Sie nichts vergessen, fassen wir hier noch einmal zusammen, was Sie bei Ihrer Foto-Tour im Frühling auf keinen Fall vergessen sollten:

  • Eine Kamera mit passenden Objektiven, möglichst mit Schwenk-Display.
  • Ein lichtstarkes Makro-Objektiv  für Close-Up-Aufnahmen.
  • Ein Weitwinkelobjektiv für die Blumenwiese aus der Froschperspektive.
  • Ein kleines Stativ oder einen Bohnensack zur Stabilisierung der Kamera in Bodennähe.
  • Eine Regenjacke für wechselhafte Tage.
  • Eine Duschhaube, um die Kamera vor Nässe zu schützen.
  • Ein paar Bögen Fotokartons in bunten Farben, falls Sie einen anderen Hintergrund benötigen.
  • Eine Müllsack für den Fall, dass Sie sich auf den Boden legen bzw. knien müssen.

Fazit: Der Frühling ist die perfekte Jahreszeit für alle, die es lieben das Leben und die Natur zu fotografieren

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© Anne Schellhase

Das Fotografieren im Frühling ist prädestiniert für farbenfrohe, lebhafte und kreative Bilder. Es macht Spaß, meist ist es auch noch lecker (denn welcher Fotograf kann sich die Kugel Eis schon verkneifen?) und im Frühling fotografiert es sich wie ganz von selbst. Das immer besser werdende Wetter, die fröhliche Atmosphäre und der Frühlingsduft ziehen einen wie von selbst mit. Das Fotografieren fühlt sich überhaupt nicht wie Arbeit an, sondern ist fast schon erholsam – je nachdem, wieviele Kilo Equipment Sie mit sich rumschleppen ;-)

Neben den bereits sehr ausführlich beschriebenen Bildideen könnte Fotograf auch ein Projekt a lá "Mein Lieblingsbaum im Wandel der Jahreszeiten" draus machen: Suchen Sie sich doch einfach ein Motiv, das Sie täglich/wöchentlich/monatlich vom selben Standpunkt aus fotografieren. Sie werden über die tollen und vielseitigen Ergebnisse staunen. Gleichzeitig schärfen Sie Ihre eigenen Sinne und haben sich einen Ort geschaffen, an den Sie ganz bewusst und regelmäßig zurückkehren können. Und vergessen Sie bitte eine Sache nicht: Das Fotografieren soll Ihnen Spaß machen! Wenn dieser zu kurz kommt, wird man das Ihren Bildern auch ansehen auch können. Und das wäre doch schade, oder?

Genießen Sie den Frühling!

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Anne Schellhase

Das jüngste Mitglied der fotoMAGAZIN Redaktion ist Anne Schellhase. Die studierte Sozialpädagogin fotografiert leidenschaftlich, vor allem analog, gerne als Lomographin - was in der Redaktion immer wieder zu interessanten Debatten führt. Anne kümmert sich um unseren Online-Auftritt und ist meist die Erste, die antwortet, wenn Sie auf dieser Seite kommentieren oder uns über Social-Media-Kanäle kontaktieren.