Blitzsynchronisation: Tipps & Tricks für Anfänger

Von HSS bis Supersync
21.09.2017

Ihr Blitz ist zu schwach? Sie sehen schwarze Balken im Bild? Die Belichtungszeit ist nicht mehr frei wählbar? Dann wird es Zeit sich mit der Blitzsynchronisation zu beschäftigen

 

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Blitzsynchronisation Beispielbild 02

Kamera: Canon EOS 5D Mark II
Objektiv: EF 1,8/85 mm USM
Einstellungen: 1/250 s, f/3,5, ISO 100

Ein herkömmlicher Blitzeinsatz bei Zeiten kürzer als die Synchronzeit (bei dieser Kamera 1/200 s) bewirkt schwarze Balken im Bild

© Tilo Gockel

Die meisten Systemkameras sind mit einem Schlitzverschluss ausgestattet, der aus zwei Teilen besteht. Bei längeren Verschlusszeiten fährt der erste Vorhang herunter und gibt den Sensor komplett frei. Dann fährt der zweite Vorhang herunter, verschließt den Sensor wieder und beendet die Belichtung.

Wenn man Blitzlicht einsetzt, kann das normalerweise nur in jenem Zeitraum geschehen, in welchem der Sensor komplett offen ist, und genau das ist die sogenannte Synchronisationsbedingung. Bei kürzer werdenden Belichtungszeiten werden die Vorhänge schneller und erreichen dann einen Punkt, an welchem der Sensor zu keiner Zeit mehr vollständig offen liegt. Die zwei Vorhangteile jagen einander nach, geben nur noch einen wandernden Lichtschlitz frei, und herkömmlicher Blitzeinsatz hat schwarze Balken im Bild zur Folge.

Der Zeitpunkt kurz vor dem Übergang heißt Synchronisationszeit, Blitzsynchronzeit oder englisch X-Syncspeed (X für Xenonblitz), und liegt häufig bei 1/200 s oder 1/250 s. Mit diesem Sachverhalt wären wir Fotografen also beim Blitzeinsatz stets auf eine minimale Belichtungszeit von rund 1/200 s beschränkt. Die Verwendung kürzerer Belichtungszeiten zum Einfrieren schneller Bewegungen oder beim offenblendigen Fotografieren im hellen Sonnenlicht wäre dann nicht mehr möglich.

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Infografik Blitzsynchronisation

1: Beim Blitzeinsatz mit einer Kamera mit Schlitzverschluss bestimmt die Synchronisationsbedingung die kürzestmögliche Belichtungszeit

2: Der stroboskopartige High-Speed-Sync-Modus macht auch kürzere Belichtungszeiten möglich

3: Das Supersync/Hypersync-Verfahren nutzt einen langsam abbrennenden Blitz als Dauerlichtquelle. Wichtig ist dabei, dass der Blitz „pünktlich“ gezündet wird

© illuteam43 für fotoMAGAZIN

Highspeed-Sync

Glücklicherweise haben aber die Hersteller auf dieses Problem reagiert und als Ausweg den teureren Systemblitzen den Modus Highspeed-Sync mitgegeben – je nach Hersteller kurz HSS oder auch Focal-Plane-Sync (FP-Sync) genannt. Hierbei leuchtet der Blitz stroboskopartig während der kompletten Belichtungszeit und fungiert somit als Dauerlicht. Auch Belichtungszeiten von 1/8000 s sind hiermit problemlos möglich.

Die Nachteile sind allerdings gravierend: Allein der Übergang in diesen Modus bedeutet rund zwei EV Lichtverlust. Damit nicht genug, müssen Sie weiterhin mit HSS-Blitzen generell wie mit Dauerlicht rechnen: Wenn Sie von 1/250 s auf 1/500 s wechseln, halbieren Sie die Lichtausbeute. Wenn Sie auf 1/1000 s wechseln, steht nur noch ein Viertel der Blitzenergie zur Verfügung (und so weiter).

Ein Ausweg kann sein, die Blitze zu vervierfachen oder zu verachtfachen und ein sogenanntes „Gang Light“ aufzubauen. Das funktioniert, ist aber mit einem immensen Aufwand verbunden. Wohlgemerkt funktioniert der HSS-Trick nicht mit den billigen, tumben Blitzen aus Fernost und auch nicht mit preiswerten Funkmodulen. Nur teure (TTL)-Systemblitze und teure Funkmodule beherrschen diesen Modus, und so wird ein Gang Light sehr schnell sehr teuer.

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Glossar

  • HSS: Eine Betriebsart moderner Systemblitze, welche es ermöglicht, auch mit Belichtungszeiten kürzer als die Synchronzeit zu arbeiten. Der Blitz wird hierfür auf einen Stroboskopmodus von ca. 30 bis 50 kHz geschaltet und wirkt dann als Dauerlichtquelle.
  • Neutraldichtefilter, ND-Filter: ND-, Neutral Density- bzw. Neutraldichte-Filter, zur Lichtabschwächung; entweder als Neutraldichtewert, als Verlängerungsfaktor hinsichtlich der Belichtungszeit oder direkt in Lichtwerten angegeben. Beispiel: ein 1000-fach ND-Filter ermöglicht eine um 10 Lichtwerte längere Belichtung. Dies entspricht der 1024-fachen Belichtungszeit in Sekunden.
  • Supersync: Blitztechnik, bei welcher leistungsstarke, langsam abbrennende Blitze verwendet werden. Auf hoher Leistung brennen diese Blitze ausreichend lange ab, um als Dauerlichtquelle verwendet werden zu können. Der dann noch notwendige Kniff ist eine besonders frühe Zündung des Blitzes, zum Beispiel zeitgleich mit dem ersten HSS-Lichtimpuls.
  • Synchronisations-Bedingung: Die Synchronisations-Bedingung ist beim Schlitzverschluss dann erfüllt, wenn der Sensor komplett offen liegt. Wird die Belichtungszeit kürzer als die Synchronzeit, so liegt der Sensor zu keinem Zeitpunkt mehr komplett offen und die zwei Vorhangteile jagen einander nach. Der Blitzeinsatz hätte schwarze Balken im Bild zur Folge.
  • Synchronzeit, Blitz-Synchronzeit: Kameraabhängige, kürzeste Belichtungszeit, bei der die Synchronisationsbedingung gerade noch erfüllt ist.

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Supersync und Co.

HSS kann helfen, um im hellen Sonnenlicht ein Portrait aufzuhellen, aber als Universallösung ist die Technik nicht besonders gut geeignet.

Aber kann nicht auch ein Standardblitz – wenn er kräftig genug ist und damit ausreichend lange abbrennt – als Dauerlicht dienen? Wenn man einen leichten Helligkeitsverlauf im Bild in Kauf nimmt, funktioniert das tatsächlich. Es fehlt dann für diesen Synctrick nur noch die „pünktliche“ Zündung des Blitzes, denn beim herkömmlichen Timing am Blitzschuh wird der Blitz bei Verschlusszeiten kürzer als die Synczeit erst dann gezündet, wenn der Verschluss bereits wieder fast geschlossen ist.

Für diese pünktliche Zündung benötigen Sie spezielle Funkmodule, die diese Technik unterstützen. Vertreter, die in Frage kommen, sind YN-622N/C (TX), Phottix Odin und einige PocketWizard-Module. Die Technologie heißt dann je nach Hersteller entweder Supersync, Over Drive Sync oder Hypersync, und manchmal liest man auch Pseudo-HSS oder Long-tail Sync Hack. Gemeint ist stets das Gleiche.

Am besten funktioniert das Verfahren mit langsam abbrennenden Blitzen aus Fernost ab einer Blitzenergie von rund 400 Ws, aber der Trick ist grundsätzlich sogar mit einem entfesselten Aufsteckblitz möglich. Weitere Details und auch Messungen zum Supersync- bzw. Hypersync-Verfahren finden Sie im Wiki der Firma PocketWizard und auf der Website von Oliver Wende.

Typische Fehlerquellen rund um die Blitzsynchronisation
Fehlerbild Erklärung
Schwarze Balken im Bild Die Synchronbedingung wurde verletzt. Die Belichtungszeit war für den klassischen Blitzeinsatz zu kurz.
Schwarze Balken im Bild, trotz Einhaltung der Syncbedingung Es wurden funkentfesselte Blitze verwendet – hier kommt durch die Funkmodule eine weitere Verzögerung hinzu.
Fotos stark überbelichtet Es wurde ein TTL-Systemblitz auf der Kamera eingesetzt, ohne HSS zu aktivieren. In diesem Falle begrenzt die Kamera die Belichtungszeit auf die Synchronzeit – bei hellem Tageslicht können dann die Aufnahmen überbelichtet werden.
Fotos trotz HSS-Blitzeinsatz zu dunkel Die HSS-Technik bedeutet per se eine Einbuße von rund zwei Lichtwerten. Es steht somit nur noch 1/4 der ursprünglichen Blitzenergie zur Verfügung. Des Weiteren wirkt der Blitz nun als Dauerlicht: Beim Übergang von 1/500 s auf 1/1000 s hat man nur noch die Hälfte der Lichtausbeute, von 1/1000 s auf 1/2000 s nur noch ein Viertel usw.
Auslösung per Supersync funktioniert nicht, liefert eine sehr geringe Lichtausbeute oder erzeugt einen starken Verlauf im Bild Ob die Supersync-Technik funktioniert, hängt von vielen Faktoren ab. Keinesfalls alle Blitz-Kamera-Kombinationen sind geeignet. Hier hilft nur Ausprobieren. Für eine Hilfestellung bei der
Fehlersuche siehe auch hier.

Noch mehr Tricks

Und es gibt auch noch einen anderen Trick, um mit den Einschränkungen des Schlitzverschlusses umzugehen: Wenn Sie einmal einen Hochzeitsfotografen beobachten, der seine Kamera auf dem Kopf stehend betreibt, dann wundern Sie sich nicht. Damit kommt der schwarze Streifen vom Verschlussvorhang von oben ins Bild – in einem Bereich (im Himmel), der vom Umgebungslicht ausreichend beleuchtet ist. Nun muss der Fotograf nur noch das Brautpaar im unteren 2/3-Bereich außerhalb des schwarzen Streifens positionieren und hat damit einen Sprung von vielleicht 1/200 auf 1/320 s gewonnen.

Eine weitere Möglichkeit, mit der Synchronisationsbedingung umzugehen, ist die Verwendung eines Neutraldichtefilters bzw. Graufilters. Diese Filter ermöglichen durch die Verlängerung der Belichtungszeit auch in der hellen Sonne den Blitzeinsatz bei Offenblende. Auch bedeutet der Graufiltereinsatz im Vergleich zum HSS- oder Supersync-Verfahren eine höhere Lichtausbeute. Nachteilig ist, dass starke ND-Filter die Bildqualität verschlechtern und den Autofokus behindern.

Text: Tilo Gockel

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Dieser Artikel ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 08/2017 erschienen. Zur Einzelheftbestellung gelangen Sie hier.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
fotoMAGAZIN

1949 erschien die erste Ausgabe der ersten Fotozeitschrift im deutschsprachigen Raum. Seither begleiten wir die Fotogeschichte. Unsere Kamera- und Objektivtests unter Labor- und Praxisbedingungen helfen Einsteigern und Profis seit jeher bei der Kaufentscheidung. Mancher Fotograf wurde von uns entdeckt. Und seit Steven J. Sasson 1975 für Kodak die erste Digitalkamera entwickelte, haben wir die digitale Fotografie auf dem Schirm. Unsere Fotoexpertise ist Ihr Vorteil.

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