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Fotografieren im Herbst: Aufmacher
© Tamara Skudies

Fotografieren im Herbst: 9 Tipps für schönere Fotos

Zeit für warme Farben und goldenes Licht
05.10.2017

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Die Tage werden kürzer und die Bäume werfen ihr Blätterkleid ab. Fotografisch gesehen ist der Herbst eine äußerst facettenreiche Jahreszeit. Wir haben 9 Tipps zum Fotografieren im Herbst für Sie parat

 

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Doppelter Regenbogen
© Anne Schellhase

Er ist nass, stürmisch, kalt – und doch steckt der Herbst voller Überraschungen! Erst vergangenes Wochenende machte ich mich auf den Weg, um endlich mal wieder ein paar schöne Herbsmotive einzufangen. Gerade aus der Tür getreten, brach der Himmel auf und es fing fürchterlich an zu regnen. Mein Ärger darüber war groß und doch beschloss ich, meinen Weg zum Hafen fortzusetzen. Dort angekommen wurde ich mit einem wunderbaren, doppelten Regenbogen belohnt. Der Herbst hat eben – wie jede andere Jahreszeit auch – seinen ganz besonderen Reiz. Man muss nur mit ihm umgehen lernen: Zeit für ein paar Praxis-Tipps!

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Fotografieren im Herbst: Nebel zur Morgenstund

Nebel zur Morgenstunde können Sie am wahrscheinlichsten im Herbst einfangen. Hier ein Beispiel von Fotografin Tamara Skudies aus Landshut, entstanden in der Flutmulde

© Tamara Skudies

1. Morgenstund hat Gold im Mund

Fotografisch gesehen passt diese Redewendung zu keiner anderen Jahreszeit besser. Denn bei Frühaufstehern bedankt sich der Herbst direkt nach Sonnenaufgang mit einer Lichtgebung, wie wir sie sonst das ganze Jahr über vergeblich suchen: Nebelige Landschaften, Morgentau und lange, weiche Schatten mischen sich zur Morgenstunde mit einer angenehm warmen Lichttemperatur.

2. Dem Nebel auf der Spur

Nebelschwaden hauchen Ihren Bildern einen besonderen, ja fast schon mystischen Effekt ein und sind ein sehr facettenreiches Gestaltungselement: Bricht Sonnenlicht durch einen Dunstschleier, schimmert dieser blassblau bis goldgelb. Am besten fangen Sie dieses Schauspiel ein, indem Sie mit Gegenlicht arbeiten und manuell fokussieren. Da die wenigstens Kameras auf eine Graufläche à la Nebel kalibriert sind, empfiehlt es sich außerdem auch die Belichtung manuell zu steuern. Als einfachste Variante nehmen Sie hierfür eine Belichtungsreihe auf, stellen eine lange Belichtungszeit ein (Achtung: Stativ benutzen!!!) und nehmen einen Weißabgleich vor. Wählen Sie im Anschluss die beste Aufnahme aus und fahren mit den gewünschten Einstellungen fort.

3. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung

Herbstzeit ist Erkältungszeit, deswegen sollten Sie unbedingt die richtige Klamotte tragen. Je nach Bedingungen sollte diese atmungsaktiv, vor allem aber regenfest und winddicht sein. Damit das Konzept von Feuchtigkeit transportierender Funktionskleidung auch wirklich greift, sollten die darunter liegenden Schichten ebenfalls atmungsaktiv sein. Außerdem wichtig: festes Schuhwerk! Gerade im Herbst kann feuchtes Laub sehr schnell zur Rutschpartie werden. Die Frühaufsteher unter Ihnen sollten zusätzlich an eine Mütze denken und ab dem Spätherbst empfiehlt es sich, Fingerhandschuhe mit in die Kameratasche zu packen. 

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Bunte Baumkronen im Herbst

Bunte Baumkronen im Herbst

© Tamara Skudies

4. Mittags in den Wald verziehen

Die Mittagssonne führt auch im Herbst zu sehr harten Schatten. In bewaldeten Gebieten allerdings sind die Mittagsstunden genau der richtige Moment, um bunt gefärbtes Laub einzufangen. Dieses bekommt dann das meiste Sonnenlicht ab und die Farben wirken umso kräftiger. Durch das Geäst fallende Sonnenstrahlen lassen sich hier außerdem sehr gut einfangen und das Spiel mit dem Gegenlicht führt meist zu sehr schönen Herbstbildern.

5. Vorhandene Motive nutzen

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Spinnennetz mit Tau

Der aufmerksame Beobachter findet sie zwischen Bäumen und Büschen: vom Tau bedeckte Spinnennetze

© Tamara Skudies

Der Herbst bietet uns eine Vielzahl interessanter Motive, wir müssen sie uns nur zunutze machen. Nicht nur Nebelschwaden sind typisch für den Herbst. Gehen Sie einmal in sich: Was verbinden Sie mit dieser Jahreszeit? Spontan fallen mir da Kastanien, Pilze, Käfer, Laub, Regen und von Tau besetzte Spinnennetze ein. Wird Ihr Fotowalk beispielsweise von einem Wolkenbruch bedroht? Setzen Sie Ihre Kapuze auf und warten ab, die ersten Pfützen bilden sich schon bald und dann können Sie draufhalten. Laufen Sie einem Fliegenpilz über den Weg? Gehen Sie unbedingt nah ran! Das Laub wird vom Winde verweht? Hier kommen Langzeitbelichtungen gut. Sie werden sehen: Die Motive liegen Ihnen wortwörtlich zu Füßen.

6. Besser im RAW-Format fotografieren

Wer im Herbst auf der Suche nach den absolut perfekten Lichtverhältnissen ist, der kann lange suchen. Denn so schön der Herbst auch ist – oft müssen Sie hinterher ein wenig nachhelfen. Benutzen Sie also unbedingt den RAW-Modus Ihrer Kamera. So können Sie im Nachgang noch ausgefressene Himmel retten, Schatten ausbessern und zu dunkel geratene Bildteile korrigieren. Je nach Motiv ist es außerdem ratsam, Belichtungsreihen anzufertigen. Doch Achtung: RAW-Bilder sind um einiges größer als JPEGs. Nehmen Sie also genügend Speicherkarten mit!

7. Hilfreiches Equipment nicht vergessen

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© Fabian Schreiter

Welches Equipment hilft Ihnen noch auf der Suche nach schönen Herbstbildern? Da hätten wir zunächst das Stativ. Denn gerade wenn Sie früh am Morgen unterwegs sind, ist für das eine oder andere Motiv Ihre Geduld gefragt. Denn manchmal kommt es vor, dass Sie zwar das perfekte Bild gefunden habe, aber noch auf die Sonne warten müssen. Oder darauf, dass sich der Nebel ein wenig legt. Damit Ihnen nicht der Arm abfällt, positionieren Sie Ihre Kamera doch einfach auf einem Stativ und atmen Sie die herrliche Luft ein. Ein Stativ benötigen Sie ohnehin auch in der Dämmerung, erstrecht wenn Sie mit langen Brennweiten und Belichtungszeiten arbeiten wollen.

Außerdem sinnvoll dürfte der Polarisationsfilter sein. Dieser kommt beispielsweise zum Einsatz, sobald Sie die herbstliche Farbenvielfalt einfangen wollen. Kleiner Tipp: Der Filter erzielt seine beste Wirkung, wenn Sie mit Ihrer Kamera ungefähr im 90-Grad-Winkel zur Sonne stehen.

8. Schützen Sie Ihre Ausrüstung

Sprühregen, Niesel, Nebel und plötzliche Schauer: Da der Herbst in Punkto Wetter immer für eine Überraschung gut ist, sollten Sie für den Schutz Ihrer Ausrüstung sorgen und wenigstens einen Lappen griffbereit haben. Wer unerwarteten Wolkenbrüchen vorbeugen will, kann auch gerne eine Duschhaube einstecken – diese sind schnell über Kamera und Objektiv gestülpt.

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Eine Straße im Abendrot

So schön kann die untergehende Herbstsonne aussehen. Entstanden ist dieses Bild im Stuttgarter Kernerviertel

© Fabian Schreiter

Besonders die Akkus Ihrer Digitalkamera sind kälteempfindlich. Je näher sich die Temperaturen in Richtung Gefrierpunkt bewegen desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass diese an Leistung verlieren. Schützen Sie Ihre Akkus möglichst gut vor der Kälte, beispielsweise indem Sie diese nah am Körper tragen. 

9. Oh du schönes Abendrot

Der letzte Tipp widmet sich der Abenddämmerung. Etwa ein bis zwei Stunden vor Sonnenuntergang liefert uns der Herbst eine sehr fotogene Stimmung. Zu dieser Zeit werden sanfte Schatten in goldiges Licht getaucht und der Himmel erstrahlt noch einmal in warmen Farben bevor die Dunkelheit einbricht.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Anne Schellhase

Das jüngste Mitglied der fotoMAGAZIN Redaktion ist Anne Schellhase. Die studierte Sozialpädagogin fotografiert leidenschaftlich, vor allem analog, gerne als Lomographin - was in der Redaktion immer wieder zu interessanten Debatten führt. Anne kümmert sich um unseren Online-Auftritt und ist meist die Erste, die antwortet, wenn Sie auf dieser Seite kommentieren oder uns über Social-Media-Kanäle kontaktieren.