Der Netflix-Film „The Stringer“ will den Beweis liefern, dass Nick Ut nicht das berühmte Foto „Napalm Girl“ aufgenommen hat.
Die Anwälte des Fotojournalisten Nick Ut haben in Frankreich Strafanzeige wegen Verleumdung gegen Netflix und die VII Foundation eingereicht, so berichtet die Internetseite PetaPixel. Auslöser für die Klage ist der am 28. November 2025 veröffentlichte Netflix-Film „The Stringer: The Man Who Took the Photo“. Darin recherchiert Gary Knight von der VII Foundation zu der Behauptung, nicht Nick Ut, sondern ein unbekannter Freelancer namens Nguyen Nghe habe 1972 das weltberühmte „Napalm Girl“-Foto aufgenommen, das sowohl einen Pulitzer-Preis als auch den World Press Photo Award gewann.
Der Film spaltete die Fotojournalisten-Community: Viele stellen sich hinter Ut, der damals für Associated Press arbeitete; andere halten die im Film präsentierte Rekonstruktion für plausibel. World Press Photo setzte daraufhin Uts Urheberschaft an dem Bild nach Sichtung des Films vorläufig aus.
Die französische NGO Index Investigations hat die Umstände der Aufnahme des Kriegsfotos „Napalm Girl“ digital rekonstruiert und kommt zu dem Ergebnis, dass die dass die Zuschreibung an Nick Ut falsch sei.
Screenshot aus „The Stringer“Nun könnte die Angelegenheit vor einem französischen Gericht entschieden werden: Nick Ut fordert 100.000 Euro Schadenersatz wegen öffentlicher Verleumdnung sowie 20.000 Euro Prozesskosten. Die in dem Film genannten Anschuldigungen würden „die berufliche Reputation, die persönliche Integrität und das humanitäre Vermächtnis von Herrn Ut erheblich“ schädigen, so die Anwälte des Fotografen. Sie argumentieren, dass der Film den Fotografen als „schamlosen Lügner“ darstellt, „der über Jahre hinweg geschickt eine Erzählung kultiviert hat, von der er wusste, dass sie falsch ist".
Legendäres Kriegsfoto
Das Bild aus dem Jahr 1972 gehört zu den bekanntesten Kriegsfotografien des 20. Jahrhunderts und soll dazu beigetragen haben, den Vietnamkrieg zu beenden. Bis heute sind sein mutmaßlicher Fotograf Nickt Ut und Kim Phuc, die auf dem Bild als nacktes und schwer verletztes Mädchen zu sehen ist, eng befreundet.
Der Dokumentarfilm rekonstruiert die Szene dieses berühmten eines Napalm-Angriffs bei Trang Bang und erzählt, wie das Foto der fliehenden, schwer verletzten Phan Thi Kim Phuc um die Welt ging. Dabei konzentriert sich der Film auf Nguyen Thanh Nghe, einen lokalen freien Fotografen („Stringer“), der erstmals öffentlich erklärt, er habe die Aufnahme gemacht. Parallel zeigt die Doku, wie Knight alte Kontakte besucht, Archive durchsucht und verschiedene Erzählungen miteinander vergleicht.
Crowdfunding gestartet, um Prozess zu finanzieren
Die Anklage wurde nun in Frankreich eingereicht, weil der Film bei Netflix Frankreich vertrieben wurde. Zudem haben VII Foundation als auch die gemeinnützige Organisation Index Investigation einen Sitz in Frankreich.
Auf der Crowdfunding-Plattform GoFundMe wurde zudem eine Spendenaktion gestartet, um den Fotografen Nick Ut zu unterstützen. Unter dem Slogan „Justice for Nick Ut is on the way!" wurden bereits mehr als 46.000 US-Dollar gesammelt, 85.000 Dollar sind das Ziel. Mit dem Geld soll der Prozess mitfinanziert werden.
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