DJI Osmo Pocket 4P im Test: Gimbal-Kamera mit zwei Objektiven

DJIs Osmo Pocket 4P ist aktuell eine der leistungsfähigsten Gimbal-Kameras auf dem Markt. Wir haben das neue Gerät, das mit zwei Objektiven ausgestattet ist, ausprobiert und auch für Fotografen interessante Funktionen entdeckt.

Farbiges Porträt von Andreas Jordan vor neutralem Hintergrund

Andreas Jordan

Andreas Jordan ist freier Journalist und Mediendesigner.

Die Osmo Pocket 4P ist in Schwarz und in Weiß erhältlich. Das 2-Zoll-Display ist mit einem Touchscreen ausgestattet, über den sich die meisten Kamera-Funktionen steuern lassen.

Die Osmo Pocket 4P ist in Schwarz und in Weiß erhältlich. Das 2-Zoll-Display ist mit einem Touchscreen ausgestattet, über den sich die meisten Kamera-Funktionen steuern lassen.

© DJI
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Gimbal-Kameras wenden sich primär an Menschen, die mit kleinem Equipment unkompliziert Videos erstellen wollen. Der integrierte 3-Achsen-Stabilisierung sorgt für ruhige Aufnahmen, selbst im Gehen. DJI ist hier schon seit Längerem führend, seit Kurzem kommt Konkurrenz von Insta360 in Form der Luna Ultra, die ebenfalls auf zwei Objektive setzt (20 und 60 mm), aber bei Zeitlupenaufnahmen nicht ganz mithalten kann (4K/120p statt 4K/240p).

DJI Osmo Pocket 4P: Was leisten die beiden Kameras?

Die neue Osmo Pocket 4P (ab ca. 600 Euro) ist das weiterentwickelte Schwestermodell der Osmo Pocket 4 (Straßenpreis ca. 490 Euro) und bringt neben einer 1-Zoll-Kamera mit 2/20-mm-Objektiv erstmals eine zweite Kamera mit. Diese nutzt einen etwas kleineren 1/1,28-Zoll-­Sensor mit leichtem Teleobjektiv (1,8/60 mm). Videos können beide Kameras mit bis zu 4K aufnehmen (24p, 25p, 30p, 48p, 50p, 60p), bei Zeitlupen gibt es leichte Unterschiede: Die 20-mm-Kamera schafft 4K/240p, die 60-mm-Kamera 4K/200p.

Was ist der Vorteil von zwei Kameras bei der DJI Osmo Pocket 4P?

Die DJI Osmo Pocket 4P verwendet bei einer Aufnahme jeweils nur eine ihrer beiden Kameras. Beim Zoomen wechselt sie zwischen der 20-mm-Weitwinkelkamera und der 60-mm-Telekamera. Die Bilder beider Sensoren werden nicht miteinander kombiniert. Der Vorteil liegt in den unterschiedlichen optischen Brennweiten: Während sich die Weitwinkelkamera für Landschaften, Gruppenaufnahmen und Vlogs eignet, ermöglicht die Telekamera engere Bildausschnitte, etwa für Porträts und entfernte Details. Die 60-mm-Brennweite entsteht durch ein eigenes Objektiv mit eigenem Sensor und nicht durch einen digitalen Ausschnitt aus der Weitwinkelaufnahme. Damit bleibt die volle Sensorfläche der Telekamera für die Aufnahme verfügbar.

Wie funktioniert das Active Track 8 der DJI Osmo Pocket 4P?

Weiterentwickelt hat DJI auch die Motivverfolgung: Active Track 8 beherrscht das „Multi-Person Tracking“ und kann automatisch bis zu acht Personen im Bildausschnitt erkennen und zentrieren. Wenn während der Aufnahme jemand ins Bild tritt, passt die Gimbal-Kamera den Bildausschnitt dynamisch an, um diese Person einzubeziehen. Außerdem ist es möglich, bis zu drei Motive zu registrieren, auf die vorrangig fokussiert werden soll. Der Gimbal lässt sich mit einem Joystick manuell steuern. Es gibt aber auch zwei feste Tracks: Spinshot 90⁰ und 180⁰ schwenken den Objektivkopf bei der Aufnahme automatisch um den entsprechenden Winkel.

Videoqualität im Test: 17 Blendenstufen Dynamikumfang mit D-Log-2

Verbessert hat der Hersteller auch den Dynamikumfang beim Filmen. Im D-Log-2-Modus mit 10 Bit Farbtiefe gibt DJI rekordverdächtige 17 Blendenstufen für die Weitwinkel-Hauptkamera an (Osmo Pocket 4: D-Log mit 14 Blendenstufen). Möglich macht dies unter anderem die LOFIC-Bauweise (Lateral Overflow Integra­­­tion Capacitor) des 1-Zoll-Sensors, die bspw. aus dem Smartphone Xiaomi 17 Ultra und dem weitgehend baugleichen Leica Leitzphone bekannt ist.

Welche Vorteile bieten D-Log, HDR und 10-Bit-Video?

Die 60-mm-Kamera ist dagegen auf D-Log mit immer noch sehr guten 14 Blendenstufen beschränkt. Beide Log-Profile liefern gutes Ausgangsmaterial für nachträgliches Colorgrading und die Angleichung vom Bildmaterial aus verschiedenen Kameras. Alternativ stehen auch HDR (für die direkte Wiedergabe auf einem entsprechenden Display) und „Normal“ mit 10 Bit zur Verfügung. Im normalen Modus lassen sich bereits in der Kamera verschiedene Film-Looks auf das Video legen.

DJI Osmo Pocket 4P: Überhitzung, 4K-Zeitlupe und Audio im Praxistest

In 4K/50p konnten wir im Test mehrere Stunden lang aufnehmen. Bei 4K/240p brach die Aufnahme nach einer kappen halben Stunde wegen Überhitzung ab. Die Bildqualität ist in allen Modi hervorragend. Weitere Video- und Audio-Funktionen sind: manuelle Einstellungen (Weißabgleich, Verschlusszeit, ISO), ein 12x-Zoom per Sensorcrop, eine digitale Breathing-Kompensation, Beauty-Effekte, Windgeräusche-Reduzierung, Stimmverstärkung und direktionales Audio (vorne, vorne und hinten, räumlich, Audio-Zoom).

Welche Zeitraffer- und Livestreaming-Funktionen bietet die Gimbal-Kamera?

Natürlich beherrscht die Gimbal-Kamera auch 4K-Zeitraffervideos (Timelpse, Hyperlapse, Motionlapse), wobei bei Bedarf auch die Einzelbilder als JPEGs oder Raws gespeichert werden. Die maximale Aufnahmezeit mit Zeitraffer beträgt zehn Minuten die in 12s wiedergegeben werden. Schließlich lässt sich die Osmo als Webcam nutzen und es gibt es eine Live-Streaming-Funktion für YouTube oder per RTMP.

DJI Osmo Pocket 4P: Wie gut sind Fotos mit bis zu 37 Megapixeln?

Auch für Fotografen bietet die Osmo Pocket 4P einige interessante Funktionen. Fotos (JPEG, Raw) nimmt sie im 16:9-­Format mit 8 oder 33 Megapixeln auf, in der hohen Auflösung („SuperPhoto“) sind auch quadratische 37 Megapixel möglich. Der Panorama-Modus bietet zwei Optionen: 180⁰ mit 6,5 Megapixeln (4096 x 1590 Pixel) oder quadratisch mit 16 Megapixeln (4000 x 4016 Pixel). Letzteres simuliert eine Ultraweitwinkel-Fisheye-Aufnahme.

Quadratische Panoramen der DJI Osmo Pocket 4P simulieren ein Ultraweitwinkel- Fisheye-Objektiv. Das aus vier Aufnahmen zusammengefügte Bild hat 16 Megapixel.

Quadratische Panoramen der DJI Osmo Pocket 4P simulieren ein Ultraweitwinkel-Fisheye-Objektiv. Das aus vier Aufnahmen zusammengefügte Bild hat 16 Megapixel.

© DJI

Fotoqualität und Zoom: Wie schlägt sich die Pocket 4P gegen Highend-Smartphones?

Neben den beiden physikalischen Brennweiten stehen weitere Zoomstufen zur Verfügung, die per Sensor-Crop und in der längsten Brennweite (180 mm, 9-fach-Zoom) zusätzlich per Digitalzoom erzeugt werden. Die Bildqualität liegt – wie schon die Sensorgröße vermuten lässt – auf dem Niveau von Highend-Smartphones mit sehr guter Bildschärfe, geringem Rauschen, einem großem Dynamikumfang (vor allem bei der 20-mm-Kamera). Auch die per Crop-Zoom erzeugten kleinbildäquivalenten Brennweiten oberhalb von 60 mm sind noch erstaunlich gut, obwohl hier nur noch ein Teil des Bildsensors genutzt wird.

Bedienung der DJI Osmo Pocket 4P: Touchscreen, Gesten und Mimo-App

Die Steuerung des Gimbals kann direkt am Gerät über den Touchscreen, einen Joystick, eine Aufnahmetaste und eine individualisierbare C(ustom)-Taste erfolgen. Einige Funktionen lassen sich auch per Gesten steuern, z. B. Start und Stopp der Aufnahme. Am komfortabelsten und auch aus der Distanz erfolgt die Bedienung mit der Mimo-App für Android und iOS, mit der sich Fotos und Videos auch auf das Smartphone übertragen und dort bearbeiten lassen.

Wie viel Speicher bietet die DJI Osmo Pocket 4P und welches Zubehör gibt es?

In der Osmo Pocket 4P stehen 103 GB Speicher zur Verfügung, die Platz für 210 Minuten 4K/60p bieten, und sich mit micro-SD-Karten erweitern lassen. Neben dem reinen Gimbal bietet DJI auch Kombi-Lösungen mit Zubehör ab: Standard enthält eine kleine magnetische LED-Aufhellleuchte, einen Griff, der auch als Mini-Stativ dient, und eine Tasche. Die Vlog-Kombi kommt zusätzlich mit dem Funk-Mikrofon „Mini 2“ und der Fernbedienung „Frame Tap“ mit Mini-Display, Joystick und Auslösetaste.

Fazit: Für wen lohnt sich die DJI Osmo Pocket 4P?

Die Osmo Pocket 4P bietet einen unkomplizierten und trotzdem leistungsstarken Einstieg in die Videografie. Auch Fortgeschrittene kommen mit den 10-Bit-Log-­Profilen auf ihre Kosten. Wer nebenbei Fotos machen will, bekommt auch hier eine sehr gute Bildqua­lität mit interessanten Panorama-Funktionen geboten. Unter dem Strich ist die Osmo Pocket 4P ein rundum gelungenes Imaging-Produkt.

Die DJI Osmo Pocket 4P auf einen Blick

ProduktDJI Osmo Pocket 4P
  Straßenpreisca. 600 Euro,
Vlog-Kombo: ca. 690 Euro
  1. Kamera (Ultraweitwinkel)
Bildsensor50 MP, 1 Zoll (LOFIC)
Objektiv*2,0/7,1 mm (20 mm)
Video-Auflösung (max.)4K/60p, Zeitlupe: 4K/240p
Foto-Auflösung (max.)37 MP, Raw und JPEG
  2. Kamera (leichtes Tele)
Bildsensor48 MP**, 1/1,28 Zoll
Objektiv*1,8/15,9 mm (60 mm)
Video-Auflösung (max.)4K/60p, Zeitlupe: 4K/200p
Foto-Auflösung (max.)37 MP, Raw und JPEG
BesonderheitenQuadratische Panoramen (Fisheye-Simulation), D-Log2 mit extrem großen Dynamikumfang, lange 4K-Videos ohne Überhitzung

* Brennweite echt (KB-äquivalent), Bildstabilisierung
** Sensorauflösung nicht offiziell bestätigt
fotoMAGAZIN Testurteil "Super"

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