Einige Beispielbilder aus der Imago Camera. Die Bilder sind zwei Meter hoch und zeigen die Menschen im Maßstab von 1:1.
Anfang 2025 hat Susanna Kraus noch nach einem Nachfolger für die weltweit einzigartige Imago Camera gesucht, die ihr Vater Werner Kraus Anfang der 1970er Jahre konzipiert hat (wir berichteten), doch dann starb sie plötzlich und unerwartet im März 2025 und niemand wusste genau, wie es mit der Imago weitergehen soll. Das Besondere an der Imago Camera: Sie ist sieben mal vier mal vier Meter groß, begehbar und schafft lebensgroße Ganzkörper-Porträts auf Direktpositivpapier im Maßstab 1:1 und im Format 62 × 200 Zentimeter. Da bei dem Prozess kein Negativ entsteht, ist jedes Bild ein Unikat, das nicht ohne Qualitätsverlust reproduziert werden kann.
Nun gibt es eine gute Nachricht: Der kunst- und fotografiebegeisterte Zahnarzt Bodo Reck aus Kiel übernimmt die Kamera und wird sie an ihrem bisherigen Standort in Berlin-Kreuzberg weiterhin betreiben. Die mobile Variante der Imago Camera, die Imago Fotour, soll hingegen auf Deutschland-Tour gehen und an verschiedenen Standorten gezeigt und vorgeführt werden. Erste Station ist am 19. März 2026 Kiel, die Heimat des neuen Eigentümers, wo sie vier Wochen lang zum Einsatz kommt. Weitere Stationen sind in Planung, möglicherweise auch auf Messen und Festivals im Ausland.
Die mobile Imago Fotour soll auf Deutschland-Tour gehen und wird ab 19. März in Kiel ausgestellt.
Bild: Imago CameraAber damit nicht genug: „Wir wollen die Website neu gestalten und deutlicher darauf hinweisen, dass mit der Kamera nicht nur Künstler und Prominente fotografiert werden, sondern dass sich jeder fotografieren lassen kann“, erklärt Bodo Reck. Der ist übrigens eher durch Zufall neuer Eigentümer der Imago Camera geworden, denn „eigentlich wollte ich mich einfach nur noch mal in Berlin fotografieren lassen, weil ich die Imago sehr schätze, und dann bin ich quasi mit der Kamera zurückgekommen.“
Der neue Inhaber der Imago Camera Bodo Reck vor einem Selbstporträt, das er mit der Kamera gemacht hat.
Bild: PrivatEntwickelt wurde diese besondere Kamera vom Physiker Werner Kraus, ursprünglich für wissenschaftliche Zwecke: Er sollte den Verbrennungszyklus eines Wankelmotors von Daimler-Benz fotografisch dokumentieren. Auf dessen Basis entstand schließlich die Imago Camera, die auch während der Fluxus-Bewegung in München ausgestellt wurde, weil sie eben lebensgroße Selbstporträts ermöglichte. 1978 musste sie jedoch eingelagert werden, weil das für sie benötigte Fotopapier nicht mehr hergestellt wurde.
2005 entdeckte Tochter Susanna Kraus die Fotos und schließlich die Kamera wieder und konnte Ilford davon überzeugen, die Produktion des Direktpositivpapiers wieder aufzunehmen. Seit 2011 ist sie im Fotostudio am Berliner Moritzplatz im Betrieb und soll nach Auskunft von Bodo Reck dort auch vom alten Team betrieben werden.
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