Sigma-Zooms für Spiegelreflexen

Das ungleiche Pärchen
27.12.2017

Sowohl Freunde des Superweitwinkels als auch des gepflegten Teles kommen bei diesem Pärchen auf ihre Kosten: Wir testen zwei neue Sigma-Zooms für Vollformat-Spiegelreflexen von Canon und Nikon. Wo liegen ihre Stärken und Schwächen?

 

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Überblick Testobjektive Sigma

Die Testobjektive auf einen Blick

Viel größer könnten die Unterschiede kaum sein, dennoch passen sie gut zusammen: das Weitwinkelzoom 4/12-24 mm DG HSM Art und das Telezoom 5-6,3/100-400 mm DG OS HSM Contemporary, beide von Sigma.

Ein paar Gemeinsamkeiten haben sie schon, sie sind für Vollformat-Spiegelreflexkameras von Canon und Nikon gerechnet, haben Autofokus und sind vor Spritzwasser geschützt. Sigma-typisch können sie über das als Zubehör erhältliche USB-Dock individuell eingestellt werden, und sollte mal ein anderer Kameraanschluss nötig sein, sorgt Sigma auch dafür.

Doch damit gehen die Gemeinsamkeiten langsam zur Neige. Das 4/12-24 mm DG HSM Art ist ein hervorragend gefertigtes Superweitwinkelzoom mit einem guten Kompromiss aus moderater Lichtstärke und Brennweitenbereich. Immerhin beträgt sein maximaler diagonaler Bildwinkel 122 Grad. So eignet es sich besonders für Landschafts- und Architekturaufnahmen als auch für Innenräume.

Mechanisch schneidet es auf sehr hohem Niveau sogar etwas schwächer ab als das Telezoom der einfacheren Contemporary-Objektivreihe. Das liegt an der reduzierten Ausstattung (ohne Bildstabilisator, Fokussierbereichsbegrenzer, Individualeinstellungen, Zoom-Lock, Filtergewinde) und der konservativen Nahgrenze, die mit minimal 24 cm keineswegs schlecht ist und optische Probleme im Nahbereich weitgehend zu vermeiden hilft.

Maßstäbe setzt der Streulichtschutz. Im Inneren finden sich ausgezeichnete Mattierungen und perfekte Linsenrandschwärzungen, die Sonnenblende aus Kunststoff ist fest eingebaut. Der Objektivdeckel wird aufgesteckt und hält durch seine innere Samtbeschichtung. Die Frontlinse läuft beim Zoomen innerhalb der Gegenlichtblende, sodass sich das Objektiv nicht verlängert.

Als Objektiv der Art-Linie ist es vor allem auf höchste Bildqualität getrimmt. Wie bei einem derart extremen Zoom zu erwarten, liegt die Auflösung bei der Anfangsöffnung noch nicht auf ihrem höchsten Niveau. Aber es reicht bei allen Sensorgrößen und Brennweiten – mit Ausnahme der 24 mm im Vollformat – ein Abblenden um einen Lichtwert, damit das Zoom seine maximale Auflösung mit guten Werten erreicht. Während die Auflösung über die Blenden am APS-C-Sensor sehr ausgeglichen verläuft, lohnt sich das Abblenden an der Vollformatkamera auf f/5,6 erheblich mehr. In Anbetracht der aktuellen, fordernden Kamerageneration sind das mehr als respektable Ergebnisse.

Geringe, typische Schwächen

Objektivtypisch zeigt sich auch die Randabdunklung: Im Vollformat besonders bei der Anfangsbrennweite stark und auch um zwei Stufen abgeblendet noch sichtbar bis deutlich. Die Verzeichnung meistert das 12-24 mm sehr gut, lediglich bei 12 mm ist sie – wie üblich – stark tonnenförmig. Ansonsten ist sie im Vollformat nur leicht und bei APS praktisch ohne Relevanz.

Beim Telezoom 5-6,3/100-400 mm DG OS HSM handelt es sich um ein vergleichsweise günstiges Objektiv aus der einfacheren Contemporary-Linie. In der Praxis erwies es sich ideal als 150-600 mm (entsprechend Kleinbild) an APS-C-Kameras, an einem Canon-APS-C-Sensor wird dank Crop-Faktor 1,6 sogar ein 160-640 mm daraus. Dank Fokussierbereichsbegrenzer, einem minimalen Aufnahmeabstand von 160 cm und dem größten Abbildungsmaßstab von 1:3,8 gelingen sogar passable Makroaufnahmen.

Der Zoom-Lock fixiert die Brennweite bei 100 mm, doch die Tuben fahren auch ohne kaum aus. Wie schon beim 150-600 mm Sports kann das Drehzoom – mit der Einbuchtung an der Streulichtblende als Griff – wie ein Schiebezoom verwendet werden. Das funktioniert recht geschmeidig. Hilfreich könnte sich eine Stativschelle erweisen, die dann aber zu Lasten des recht geringen Gewichts ginge. Daher erweist sich der überzeugende zweistufige Bildstabilisator als sehr hilfreich.

Gerade bei langen, lichtschwachen Telezooms wünscht sich der Fotograf, dass das Objektiv schon bei Offenblende zur Höchstform aufläuft, um unter dem Strich die Verschlusszeiten möglichst kurz halten zu können. Das ist Sigma hier gelungen. Ist die Auflösung bei der kurzen und mittleren Brennweite gut bis sehr gut, sinkt sie bauart-typisch bei der Endbrennweite auf mittlere Werte ab. Klingt dramatischer, als es ist und ist für diese Objektiv- und Preisklasse sehr gut.

Schwächen zeigen sich in der Randabdunklung, die aufgeblendet im Vollformat bei 100 und 200 mm deutlich und spontan auftritt. Abgeblendet, bei 400 mm und bei APS-C fällt der unerwünschte Effekt deutlich geringer aus. Im Vollformat ist die Verzeichnung bei 200 und 400 mm sichtbar bis deutlich, ansonsten zu vernachlässigen.

Fazit: zwei interessante Angebote

Mit den beiden Zooms hat Sigma zwei interessante Angebote auf Lager. Das Superweitwinkelzoom 4/12-24 mm Art löst das betagte 4,5-5,6/12-24 mm DG HSM II ab und wartet zwar nicht mit perfekten Leistungen auf, doch die konstruktionstypischen Schwächen sind zu verschmerzen. Ähnlich sieht es beim leichtgewichtigen Telezoom 100-400 mm Contemporary aus: Was hier für den Preis geboten wird, ist besonders am kleinen Sensor sehr attraktiv.

Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test (Sigma 4/12-24 mm DG HSM Art, Sigma 5-6,3/100-400 mm DG OS HSM Contemporary).

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 08/2017 erschienen. Zur Einzelheftbestellung gelangen Sie hier.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Redakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen weiteren Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.