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Aufmacher Kitobjektive
© Angela Franke

Sechs Kitobjektive im Test: für APS-C von Canon und Nikon

Die günstige Grundausstattung
05.12.2017

Die mit den Einsteigerkameras verkauften Kit-Zooms sind bei engagierteren Fotografen aus Qualitätsgründen eher verpönt. Doch was leistet die aktuelle Generation für APS-C von Canon und Nikon? Sechs Kitobjektive im Test

 

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Übersicht Testobjektive

Die Testobjektive auf einen Blick

Sowohl bei Canon als auch bei Nikon haben sich in letzter Zeit neue Objektive eingefunden, die normalerweise nur in Verbindung mit einem Kameraneukauf von Kunden erworben werden: die Kitobjektive. „Damit können Sie dann sofort loslegen“, sagt der Verkäufer und meint „besser als nichts“. Denn die im Kamerakarton mitverkauften Objektive sind in aller Regel einfach gestrickte Mehrlinser, die kostenoptimiert als Zugabe zum Gehäuse fungieren und qualitativ am unteren Ende der Skala rangieren.

Oder etwa nicht? Deshalb haben wir sechs aktuelle Kit-Zooms für APS-C-Sensoren ins Testlabor gebeten und im BAS-Digital-Verfahren gecheckt.

Im Einzelverkauf liegen die Zooms preislich laut Liste zwischen 250 und 350 Euro. Nur das Superzoom EF-M 3,5-6,3/18-150 mm IS STM ragt mit rund 500 Euro oben heraus. Es gehört zu den drei Canon-Objektiven für das spiegellose M-System, auf die wir besonders gespannt waren. Sie warten – ebenso wie das vierte Canon-Objektiv, das EF-S 4-5,6/18-55 mm IS STM für Spiegelreflexkameras – mit einem Stepping-Motor auf. Dieser sehr leise und sanfte Autofokusantrieb ist besonders für Video­filmer interessant, die keine Kamerageräusche in ihrer Tonaufzeichnung haben möchten.

Auch Nikon integriert schrittweise Schrittmotoren in seine Objektive, die Sie am Kürzel „AF-P“ erkennen. Das Standardzoom Nikkor DX 3,5-5,6/18-55 mm G VR hat solch einen Schrittmotor, das ergänzende Telezoom AF-S DX Nikkor 4-5,6/55-200 mm G ED VR II hat ihn nicht; vermutlich wird er in der nächsten Generation Einzug halten. Es gibt allerdings zwei 70-300-mm-DX-Zooms mit AF-P, die wir noch nicht untersucht haben. Im Test haben uns jedenfalls beide Antriebe von Canon und Nikon überzeugt.

Problem: Anfangsöffnung

Zu den Merkmalen von Kitobjektiven gehört eine geringe Lichtstärke, was aus Herstellersicht Größe, Gewicht und Preis reduziert. Umso wichtiger ist es, bereits bei der Anfangsöffnung eine maximale (und im Idealfall hohe) Auflösung zu erreichen. Zumindest maximal gelingt dem Spiegelreflexobjektiv Canon EF-S 18-55 mm IS STM. Es schafft zwar nur im mittleren Brennweitenbereich gute Werte, aber der Wirkungsgrad sinkt beim Abblenden nur langsam ab. Das ist beim etwas weitwinkligeren Pendant für Spiegellose, dem EF-M 15-45 m IS STM, nicht der Fall. Bei ihm lohnt sich das Abblenden um eine Stufe, um die beste Auf­lösung zu erzielen. Weiteres Abblenden wird dann eher wieder kontraproduktiv.

In der Praxis bedeutet das Abblenden längere Verschlusszeiten bei gleicher Empfindlichkeit und weniger Spielmöglichkeiten mit der Schärfentiefe. Bei der Randabdunklung sammelt das EF-S 18-55 mm ebenfalls mehr Punkte, denn die ist sehr gut korrigiert, während beim EF-M 15-45 mm speziell im Weitwinkel bei offener Blende die Ecken abdunkeln. Typisch für diese Objektive ist die Verzeichnung, die besonders bei Weitwinkelaufnahmen mal mehr, mal weniger stark sichtbar ist.

Die Fassungqualität ist gut bis sehr gut. Material, Verarbeitung und Ausstattung sind auf das Nötigste reduziert, immerhin gibt es Bildstabilisatoren. Die haben sogar alle unsere sechs Testkandidaten; dafür liegt keinem eine Streulichtblende bei. Sie wissen schon, die hohen Kunststoffpreise am Weltmarkt ...

Praktisch für den Transport ist die Parkposition des Zooms beim EF-M 15-45 mm, das dadurch kürzer wird und gut zu den kleinen spiegellosen Ms passt. Eine schnelle Schussbereitschaft haben Sie damit allerdings nicht.

Das Superzoom Canon EF-M 18-150 mm hat die erwähnte Basisausstattung und beeindruckt mit seiner kurzen Nahgrenze im Tele. Seine Auflösung ist bei 18 und 50 mm bereits auf dem Maximum, ausgerechnet bei der lichtschwächsten Telebrennweite sollte – für wenigstens mittlere Auflösungswerte – abgeblendet werden.

Wenig Spannendes lässt sich über das EF-M 55-200 mm berichten. Immerhin ist es bei der lichtschwachen Endbrennweite 200 mm offenblendtauglich mit mittleren Werten. Anfangs- und mittlere Brennweite liegen höher, sollten für das Maximum jedoch leicht abgeblendet werden. Mechanisch liegt es auf dem Niveau der anderen M-Objektive.

Das Duo von Nikon schneidet insgesamt besser ab und schrammt jeweils knapp am „Sehr gut“ vorbei. Die Ausstattung ist ähnlich wie bei den Canons, einfache Kunststoffbajonette ohne Abdichtung, herausfahrende Tuben und fehlende Entfernungsskalen. Doch die Machart ist etwas besser, manche Details wertiger ausgeführt. Beide Nikkore können über den Einzugsmechanismus in eine kürzere Transportposition gefahren werden.  

Optik der Nikkore

Das AF-P DX 18-55 mm G VR hat bei den gemessenen drei Brennweiten einen sehr ähnlichen und ausgewogenen Auflösungsverlauf. Ausgehend von einer mittleren bis guten Auflösung steigert sie sich nach Abblenden um ein bis zwei Stufen auf gute bis sehr gute Werte, weiteres Abblenden führt zu sanft fallenden Kurven. Die Randabdunklung ist nur bei 18 und 30 mm bei Offenblende sichtbar, die starke tonnenförmige Verzeichnung bei 18 mm verhindert eine bessere Note.

Beim AF-S DX 55-200 mm G ED VR II hat Nikon eine sehr gleichmäßige und sehr gute Auf­lösung über die Blenden erreicht; leider nur bei der kurzen und mittleren Brenn­weite. Bei der langen verhilft Abblenden lediglich auf ein mittleres Werteniveau. Seine Verzeichnung ist leicht bis sichtbar und die Randabdunklung bei offener Blende stets leicht und spontan. Punkte verliert das Zoom bei der Handhabung der Einstellringe.

Fazit: teils zufriedenstellend, aber keine Profiqualität

Macht es Sinn, eine neue Kamera mit Kit-Objektiv(en) zu kaufen oder ist es besser, gleich ein hochwertigeres, lichtstärkeres und teureres Objektiv zu wählen? Klar, es kommt auf die Schwere der Geldbörse an und darauf, was bereits an Fotoausrüstung vorhanden ist. Wer bei Nikon im Einstiegssegment keine Profiqualität erwartet, dürfte mit den hier getesteten Zooms eine Weile zufrieden sein. Auch der Canon-Kunde bekommt mit dem EF-S 18-55 mm eine ordentliche Optik vor die Kamera. Etwas enttäuschend sind hingegen die Leistungen der moderneren M-Objektive von Canon. Dass das Superzoom keine Berge versetzt, war zu erwarten, doch die kürzeren Zooms sind nur in kleinen Teilbereichen besser.

Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test (Canon EF-S 4-5,6/18-55 mm IS STM, Canon EF-M 3,5-6,3/15-45 mm IS STM, Canon EF-M 3,5-6,3/18-150 mm IS STM, Canon EF-M 4,5-6,3/55-200 mm IS STM, Nikon AF-P Nikkor DX 3,5-5,6/18-55 mm G VR, Nikon AF-S DX Nikkor 4-5,6/55-200 mm G ED VR II DX VR).

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 07/2017 erschienen. Zur Einzelheftbestellung gelangen Sie hier.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Technikredakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.