Im Test: Telezooms für das Vollformat

Vier professionelle 70-200er von Nikon, Sony und Tamron
18.07.2017

Zu den ganz typischen Objektiven professioneller Fotografen zählt das leichte Telezoom 2,8/70-200 mm. In jüngster Zeit sind von Nikon, Sony und Tamron gleich drei neue Telezooms für das Vollformat erschienen, die wir dem BAS-Digital-Test unterzogen haben. Ein Oldie komplettiert das Testfeld

 

_sony-2870-200-g-ssm-ii.jpg

Sony 2,8/70-200 mm G SSM II

Sony 2,8/70-200 mm G SSM II: ca. 3500 Euro

© Angela Franke

Wie erwähnt, ist das Sony 2,8/70-200 mm G SSM II für Spiegelreflexkameras schon länger auf dem Markt und war bei Erscheinen auch keine neue optische Konstruktion, sondern ein durch optimiertes AF-Tracking und überarbeiteter Vergütung verbessertes Modell II. Die ältere Rechnung merkt man dem Zoom an. Die Auflösung an APS-C-Kameras ist noch in Ordnung, hier hilft bei 70 und 200 mm das Abblenden um eine Stufe, um ausgezeichnete (70 mm) oder mittlere bis gute Werte zu erzielen. Besser wird es dann nicht mehr.

Beim viel wichtigeren Vollformat allerdings liegen die Auflösungswerte bei 120 und 200 mm noch deutlich darunter. Ein erheblicher Randabfall der Auflösung bei 120 mm sorgt dafür, dass um vier Stufen abgeblendet werden muss, um eine (nur) sehr gute Auflösung zu erzielen.

Noch schwächer ist die lange Brennweite, um vier Blendenstufen geschlossen erreicht die Auflösung lediglich ein Gut. Daran zeigt sich die betagte optische Rechnung, die für die aktuelle Vollformat-Kamerageneration nicht mehr ausreicht.

sony-2870-200-g-ssm-ii-nah.jpg

Sony 2,8/70-200 mm G SSM II nah

Beim Sony 70-200 mm G SSM II kann über DMF in die Fokussierung eingegriffen werden

© Angela Franke

Unkritisch sind die Werte bei der Verzeichnung, wo die Endbrennweiten sichtbar bis deutlich (70 mm) zu gekrümmten Linien führen. Vergleichsweise gut ist die Randabdunklung. Sie ist im Vollformat bei allen Brennweiten und offener Blende gut, wenn auch etwas spontan; abgeblendet ist sie sehr gut.

Als G-Objektiv wartet das 70-200 mm SSM II erwartungsgemäß mit einer erstklassigen Mechanik auf. Aufgrund des sensorbasierten Bildstabilisators in den Sony-Gehäusen wurde auf den Stabilisator im Objektiv verzichtet.

Mit drei Fokushaltetasten am Tubus, einem Fokussierbereichsbegrenzer (bis drei Meter) oder der Streulichtblende mit Polfilter-Fenster gibt es dennoch einige Besonderheiten. Die Stativschelle hat je ein kleines und ein großes Stativgewinde im Fuß und lässt sich komplett abnehmen. Das kann durchaus Sinn machen, denn zum einen kann ihr Gewicht stören und zum – wichtigeren – anderen behindert sie das Zoomen. Der Zoomring liegt nämlich in der Mitte des Objektivs, was das Handling erschwert. Gleiches gilt übrigens auch für das FE 2,8/70-200 mm GM OSS von Sony.

Etwas verwunderlich ist, dass das G-Objektiv keine Dichtungslippe am Bajonett besitzt. Die lange Nahgrenze von 1,2 Metern ist nicht mehr standesgemäß.

Von den Prozentpunkten her würde das Sony G SSM II ein Super erreichen können – die bedeutsamen Schwächen in der Auflösung am entscheidenden Vollformatsensor haben uns zu einer Abwertung auf „Sehr gut“ veranlasst.

sony-fe-2870-200-gm-oss.jpg

Sony FE 2,8/70-200 mm GM OSS

Sony FE 2,8/70-200 mm GM OSS: ca. 3000 Euro

© Sony

Dass das Sony FE 2,8/70-200 mm GM OSS das modernere Objektiv ist, merkt man an vielen Stellen. Besonders bei der optischen Leistung: Zwar verträgt auch hier die Auflösung ein oder zwei Stufen Abblenden, um ihr Maximum zu erreichen, doch startet sie gleich auf einem viel höheren Niveau und gelangt abgeblendet auf sehr gute bis ausgezeichnete Werte.

Interessanterweise verhalten sich die beiden Sensorformate über die Anfangsblenden nahezu identisch. Zwar wirkt bei APS-C ab Blende 11 die Beugung negativ, doch bis dahin ist das FE 2,8/70-200 mm GM auch eine klare Empfehlung für die kleinen Sony-Spiegellosen.

Seine Randabdunklung ist bei Vollformat und Offenblende sichtbar, aber sehr natürlich und abgeblendet sehr gut. Bei der Verzeichnung zeigt das Objektiv das typische Verhalten der Telezooms: Während sie bei der mittleren Brennweite nahezu unsichtbar ist, macht sie sich bei den Endbrennweiten sichtlich bemerkbar.

sony-fe-2870-200-gm-oss-nah.jpg

Sony FE 2,8/70-200 mm GM OSS nah

Das Sony FE 70-200 mm GM OSS bietet zwei Stabilisierungsmodi

© Angela Franke

Die Fassungsqualität ist höher als beim Spiegelreflexbruder. So steckt beispielsweise ein Optical Steady Shot (OSS) im Tubus, der je nach verwendeter Alpha-7-Kamera alleine oder in Kombination mit dem Sensorstabilisator arbeitet. Das in Thailand gefertigte Zoom besitzt auch eine Dichtungslippe gegen Witterungseinflüsse am Bajonett und eine kürzere Nahgrenze.

Vermissen wird der ein oder andere Fotograf eine Entfernungsskala. Kritikwürdig ist auch die scharfkantige Erhebung, auf der die Schalter sitzen. Der Stativring lässt sich nicht abnehmen, wohl aber der kleine Fuß mit zwei kleinen Stativgewinden.

Zusammengefasst spielt das Sony FE 2,8/70-200 mm auf sehr hohem Niveau und erreicht locker das „Super“.

Seite 1
Seite 2
Seite 3
Seite 4
Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Redakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen weiteren Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.