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Vollformatobjektive Panasonic
Panasonics Vollformat-Trio für das L-Bajonett. Produktfotos: © Panasonic

Im Test: Panasonic Lumix L-Objektive

Ein starkes Trio
01.05.2020

Passend zu seinen Vollformatkameras hat Panasonic eine Reihe neuer Vollformatobjektive mit dem L-Bajonett auf den Markt gebracht. Was leistet die erste Generation an den spiegellosen Systemkameras?

 

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Panasonic Lumix S1 und S1R

Panasonics Lumix S1 und S1R sind seit März 2019 auf dem Markt.

© Panasonic

Nach den Tests der Vollformat-Zwillinge S1 und S1R in fotoMAGAZIN 4/2019, in dem die Kameras hervorragend abschnitten, waren wir gespannt auf die Resultate, die die drei passenden Premieren-Objektive von Panasonic liefern. Als Partner der neuen L-Bajonett-Allianz, die Leica, Panasonic und Sigma im Jahr 2018 gründeten, können Lumix-Fotografen derzeit bereits auf sieben Leica-Linsen (und demnächst eine ganze Handvoll Art-Festbrennweiten von Sigma) zurückgreifen. Doch die spannende Frage lautet, wie performen die Lumix-S-Objektive an den Lumix-Kameras? Dazu unterzogen wir das Trio, bestehend aus dem S 4/24-105 mm O.I.S., dem S Pro 1,4/50 mm und dem S Pro 4/70-200 mm O.I.S., dem BAS-Digital-Test. Dabei testeten wir nur die Kombinationen im Panasonic-Vollformat; auf den wenig praxisnahen Test an einer Leica-APS-C-Kamera haben wir verzichtet.

Das sind die Unterschiede

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Panasonic Lumix S Pro 1,4/50 mm

Panasonic Lumix S Pro 1,4/50 mm
Preis: ca. 2500 Euro

© Panasonic

Die ersten drei auf die Konsumenten losgelassenen Objektive haben einen gemeinsamen Look, der an die MFT-Objektive Panasonics erinnert. Die beiden Zooms, die mit mittlerer Lichtstärke von durchgängig Blende f/4 beliebte Brennweitenbereiche abdecken, sind mit dem optischen Bildstabilisator O.I.S. versehen. Die Festbrennweite 1,4/50 mm aus der Untergruppe der Pro-Objektive soll hingegen als lichtstarkes Normalobjektiv das Referenzmodell der Lumix-S-Reihe darstellen, weshalb Panasonic keine Kompromisse einging und den – möglicherweise die Auflösung hemmenden – O.I.S. nicht installierte. Dafür besitzt es sowohl einen Linear- als auch einen Schrittmotor zur Fokussierung, einen Blendenring und einen stolzen Preis von rund 2500 Euro. Zur Orientierung unter den Spiegellosen: Das Canon RF 1,2/50 mm bietet zum gleichen Preis eine noch höhere Lichtstärke, das lichtschwächere Nikon Z 1,8/50 mm liegt bei nur 680 Euro. Bei Sony kostet das FE 1,4/50 mm laut Liste etwa 1800 Euro.

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Panasonic Lumix A Pro 4/70-200 mm O.I.S.

Panasonic S Pro 4/70-200 mm O.I.S.
Preis: ca. 1900 Euro

© Panasonic

Das zweite Objektiv der Pro-Reihe ist das 4/70-200 mm. Wie das 50er besitzt es einen verschiebbaren Fokussierring, den Focus-Clutch, bekannt von Olympus- oder Tokina-Objektiven. Damit wechselt der Fotograf zwischen elektronischem und Direktantrieb im manuellen Betrieb. Mit dem Ruckeln am Objektiv muss man sich anfreunden. Das Telezoom verfügt über eine gut laufende, abnehmbare Stativschelle mit Arca-Swiss-kompatiblem Fuß.

Bildstabilisiert und makrotauglich

Mechanisch einfacher, nichtsdestotrotz sehr gut ist das längere Standardzoom S 4/24-105 mm gefertigt. Mit dem inte­grierten Bildstabilisator steht an Panasonic-Kameras der Dual-IS zur Verfügung, die Kombination beider Bildstabilisierungssysteme. Der Verwacklungsausgleich in fünf Bewegungsachsen kann bis zu sechs Belichtungsstufen kompensieren, genau wie beim Telezoom. Interessant ist die Makrofunktion des Zooms, bei Einstellen der Nahgrenze ist ein Abbildungsmaßstab von 1:2 zu erreichen. Außerdem besitzt es einen Zoom-Lock gegen ungewolltes Herausfahren der Zoom-Mechanik. Alle drei Neuheiten sind staub- und spritzwasser- sowie bis minus zehn Grad Celsius frostgeschützt. Mechanisch liegen die beiden Pro-Modelle auf Augenhöhe, das 24-105 mm fällt im Vergleich ein wenig ab.

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Panasonic Lumix S 4/24-105 mm O.I.S.

Panasonic Lumix S 4/24-105 mm O.I.S.
Preis: ca. 1400 Euro

© Panasonic

In der optischen Prüfung verschieben sich die Verhältnisse etwas. Da wir nur am Vollformatsensor gemessen haben, können sie auch nicht von möglicherweise besseren Noten an einem kleinen Sensor profitieren. Umso beeindruckender sind die starken Leistungen des Trios. Das 1,4/50 mm beginnt bei Offenblende mit guten Werten, die um zwei Stufen abgeblendet ausgezeichnet werden und beim weiteren Abblenden noch sanft ansteigen. Seine Randabdunklung ist bei f/1,4 für diese hohe Lichtstärke ebenfalls sehr gut, abgeblendet bessert sie sich erwartungsgemäß, bildet aber in den Ecken eine spontane Vignettierung aus, was auf einen eingeschränkten Bildkreis schließen lässt. Seine Verzeichnung ist ausgezeichnet korrigiert. Hier greift Panasonic jedoch offensichtlich digital ein, denn wie bei den Zooms (besonders bei den Anfangs- und Endbrennweiten) auch, ist ein Nachlassen der Auflösung von der Bildmitte zum Rand hin bemerkbar.
Beim 24-105 mm ist die Auflösung bei 24 und 50 mm gut bis sehr gut und konstant ab Offenblende, während bei 105 mm eine Einschränkung messbar ist. Ab f/5,6 ist es dann gut. Seine Randabdunklung ist bei 24 und 105 mm leicht sichtbar und spontan, ansonsten hervorragend korrigiert. Eine leichte Offenblendschwäche zeigt das Telezoom bei 70 und 200 mm, um eine Stufe abgeblendet wird es gut bis sehr gut. Bei mittlerer Brennweite liefert es von Beginn an ausgezeichnete Werte. Seine Randabdunklung ist praktisch völlig korrigiert.

FAZIT
Kompliment: Panasonic hat nicht nur seine ersten Vollformatkameras prima hinbekommen, sondern auch die ersten drei Objektive zum S-System. Ihre Auflösung reißt zwar keine Bäume aus, ist aber insgesamt ziemlich ausgewogen und vor allem die Verzeichnung und Randabdunklung sind fleißige Punktelieferanten. Insbesondere das Telezoom hinterlässt einen starken Eindruck. Damit hat Panasonic von Beginn an ein attraktives Kamerasystem zu bieten.

> Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit den Ergebnissen aus unserem Test (Panasonic Lumix S Pro 1,4/50 mm, Panasonic Lumix S 4/24-105 mm O.I.S., Panasonic Lumix S Pro 4/70-200 mm O.I.S.).

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test wurde in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 5/2019 veröffentlicht. Zur Einzelheftbestellung gelangen Sie hier.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Technikredakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.