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Original- gegen Fremdobjektive
Original- oder Fremdhersteller? Wir haben sieben "Zwillinge" untersucht.
© Getty Images

Im Test: Originalobjektive gegen Fremdobjektive

Sieben Zwillinge
07.04.2021

Im Test gibt es sieben Mal das Duell Kamerahersteller gegen Objektivproduzent für das gleiche Bajonett. Oft sind die Fremdobjektive günstiger, aber sind sie deswegen zwangsläufig schlechter?

Sie kennen das: Der Händler stellt Ihnen zwei Produkte auf den Tresen und sagt, „Sie können das hier nehmen oder dieses von einem anderen Hersteller, kostet 300 Euro weniger“. Tja, was nun? Bei Objektiven stellt sich dieses Frage besonders häufig, denn es gibt etliche Fälle mit gleichen Kennzahlen von Anfangsöffnung und Brennweite für den gleichen Bajonettanschluss. Die spannende Frage lautet, ob sich der Griff zu den (meistens) günstigeren Fremdherstellerobjektiven lohnt oder ob das Original immer vorzuziehen ist. Wir haben uns sieben dieser zweieiigen Zwillinge ausgesucht und im BAS-Digital-Test verglichen. In unserer Tabelle finden Sie die detaillierten Ergebnisse pärchenweise angeordnet.

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> Die Testobjektive auf einen Blick

Alt gegen Neu

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Samyang AF 2,8/14 mm EF

Das Superweitwinkel Samyang AF 2,8/14 mm EF ist neu auf dem Markt. Es bietet keine Filterhalterung und seine eingebaute Streulichtblende besteht aus Kunststoff.

© Samyang

Gehen wir nach Brennweiten vor: Gleich das erste Duell der Superweitwinkel AF 2,8/14 mm von Canon und Samyang für Spiegelreflexen hat es in sich. Laut Preisliste ist das Canon-Modell fast dreimal so teuer wie das Samyang, aber auch dreimal so gut? Nein. Die Optiknoten sind sich sehr ähnlich, wobei dem Canon zugute gehalten werden muss, dass selbst die aktuelle Version II bereits 2007 das Licht der Welt erblickte; das Samyang ist eine nagelneue Rechnung. Die Auflösung des Koreaners ist ab Offenblende im Vollformat höher, dafür sind Verzeichnung und Randabdunklung stärker. Der kleine Notenvorsprung für das Canon resultiert vor allem aus der etwas besseren Mechanik.

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Voigtländer Nokton 1,4/35 mm E

Die Fassung des Voigtländer Nokton 1,4/35 mm E ist erstklassig. Der Blendenring liegt allerdings sehr nah am Fokussierring.

© Voigtländer

Für Sonys Spiegellose gibt es sehr licht­starke 1,4/35 mm – das hausinterne Distagon FE ZA und das manuelle Voigtländer Nokton E. Auch hier kostet der Herausforderer nicht einmal die Hälfte, wartet dennoch mit einer hervorragenden Mechanik auf. Optisch hat das Nokton aber große Probleme: Es weist nicht nur eine Bildfeldwölbung auf, sondern die verschiebt sich zusätzlich beim Abblenden. Vereinfacht gesagt, ist das Bild beispielsweise in der Mitte scharf, aber zu den Rändern hin nicht. Abblenden ohne Neufokussieren verschiebt dann diesen scharfen Bereich – die Auflösung variiert daher stark innerhalb des Bildes. Bei Offenblende zeigt es eine extrem niedrige Auflösung und Kontrast, Abblenden steigert vor allem den Kontrast. Ob dieses Verhalten für diesen Objektivtyp normal ist, konnte vor Redaktionsschluss nicht geklärt werden. Deshalb ist das Sony Distagon der klare Sieger.

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Samyang 2,8/35 mm FE

Ein Leichtgewicht ist das Kunststoff-dominierte Samyang 2,8/35 mm FE mit seinen 86 Gramm – hier ohne Streulichtblende abgebildet.

© Samyang

Ebenfalls für Sony E sind das Zeiss Sonnar FE ZA und das Samyang AF FE mit jeweils 2,8/35 mm. Das Original ist rund dreimal so teuer und setzt sich in diesem Vergleich durch. Absolute Offenblendtauglichkeit mit sehr guter Auflösung und eine hochwertigere Fassung rechtfertigen den höheren Preis.

Umgekehrte Verhältnisse
Gegenteilig verhält sich das Pärchen 1,8/85 mm für Canon EF: Das alte Original ist viel billiger als das Tamron laut Listenpreis (Straßenpreis knapp 700 Euro). Auch hier gewinnt das teurere Modell, besonders durch seine Mechanik und die deutlich höhere Auflösung am Vollformatsensor. Das Canon kann nur am kleinen Sensor mithalten. Einen Außenseitersieg kann Sony mit seinem FE 1,8/85 mm über das erheblich teurere Zeiss Batis feiern. Das günstigere Original für das E-Bajonett überzeugt bei allen optischen Kriterien, lediglich die bessere Mechanik rettet die Zeiss-Ehre.  

Nikon vs. Sigma

Sehr lichtstarke Portraitobjektive mit den Daten 1,4/105 mm liefern Nikon mit dem AF-S Nikkor E ED und Sigma mit dem DG HSM Art für Nikon-Reflexen. Das Sigma ist um rund ein Viertel günstiger, kommt jedoch optisch auf sehr ähnliche Werte am Vollformatsensor wie das Nikkor. Uns haben aber die Mechanik und Ausstattung des Sigmas mehr überzeugt, das deshalb die Kaufempfehlung ist.
Anders herum läuft es bei den beiden Zooms von Nikon und Sigma mit 2,8/14-24 mm. Hier ist das AF-S Nikkor G ED gegenüber dem DG HSM Art im Vorteil. Mechanisch liegt das Sigma minimal vorne, bei der Optik hat das Nikkor in der Auflösung an beiden Sensorformaten und der Randabdunklung die besseren Karten.

FAZIT
Was lernen wir aus diesem Test? Die Welt ist nicht Schwarz und Weiß, Original ist nicht besser, teurer ist nicht überlegen. Es kommt eben immer auf das Produkt an und bei Objektiven darauf, wie gut die Optikingenieure und die Herstellung ihren Job machen. Eine kleine Tendenz lässt sich ausmachen: Höherer Konstruktionsaufwand und damit verbundener Preis sorgen oft für bessere Qualität. Zum Glück testet fotoMAGAZIN ständig weiter, um die Ausnahmen von der Regel zu finden.

> Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test.

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 3/2020 erschienen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Redakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen weiteren Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.