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Nikon Z 1,8/50 mm
Nikon Z 1,8/50 mm. Preis: ca. 680 Euro.

Im Test: Nikkor Z 1,8/50 mm S

Mehr als normal
08.10.2019

Als drittes Objektiv zum spiegellosen Nikon Z-System erschien das Nikkor Z 1,8/50 mm S. Wir haben es im Labor- und in der Praxis getestet – die Ergebnisse jetzt auch online.

 

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Nikon Nikkor Z 1,8/50 mm S

Nikon Nikkor Z 1,8/50 mm S.
Dem breiten Fokussierring lassen sich im AF-Betrieb auch andere Funktionen zuweisen.

© Nikon

Geichzeitig mit der Nikon Z 6 ist das dritte Z-Objektiv verfügbar geworden, das Nikkor Z 1,8/50 mm S. Es ist das Standardobjektiv zum neuen Z-System mit Vollformat­sensoren von Nikon. Wobei auch gleich ein Blick auf den Preis geworfen werden soll: Mit einer Preisempfehlung von 680 Euro ist es exakt doppelt so teuer wie das AF-S 1,8/50 mm G der Special Edition, rund zweieinhalbmal so teuer wie die normale AF-S-Version oder etwa 500 Euro teurer als die einfache 1,8er-Version D (für 170 Euro UVP). Da dürfte der Kunde beim Vergleich mit den Spiegelreflexobjektiven schlucken, auch wenn das Z 50 mm das bislang günstigste Objektiv zu den Z-Kameras darstellt. Ist es denn seinen fulminanten Preis wert? Das beantwortet unser BAS-Digital-Test, dem sich das 50er stellen musste. 

Wie beim nahezu identisch aussehenden Schwesterobjektiv Z 1,8/35 mm S (Test in 11/18) fällt beim 50 mm die äußere Schlichtheit auf. Es gibt einen breiten Fokussierring aus Metall, der elektronisch (und nicht mechanisch) die Schärfe einstellt, und einen AF/MF-Schalter – das war es an Bedienelementen. Bei genauer Betrachtung fällt das ungewölbte Schutzglas bajonettseitig auf, das das Eindringen von Schmutz oder Nässe ins Objektiv verhindert und leichter zu reinigen ist als eine gewölbte Hinterlinse. Als zusätzlichen Schutz hat das Normalobjektiv eine Gummilippe am Metallbajonett. Frontseitig sitzt ein Filtergewinde aus Kunststoff und im Idealfall eine Bajonettstreulichtblende, die nicht spektakulär gestaltet ist, aber ihren Job sehr gut macht. Übrigens ist auch der Streulichtschutz im Objektivinneren ausgezeichnet gelungen.

Zurück zum Fokussierring: Er läuft hervorragend und verstellt – je nach Geschwindigkeit, mit der er gedreht wird – langsamer oder schneller die Entfernungseinstellung; sofern Sie nicht den Autofokus nutzen möchten. Falls doch, können Sie den Ring über die Kamera umprogrammieren: Zur Auswahl stehen die Blendeneinstellung und die Belichtungskorrektur. So feiert der Blendenring ein optionales Comeback in den Z-Objektiven. Doch auch hier reagiert der Ring adaptiv an die Drehgeschwindigkeit und schießt gerne über das gewünschte (Blenden-)Ziel hinaus, zumal der Ring ja nicht plötzlich an jeder Drittelstufe rastet. Die Blende selbst besteht aus neun Lamellen und sorgt bei Offenblendaufnahmen in den Unschärfen für ein gefälliges Bokeh.

Insgesamt sammelt das in Thailand gefertigte Nikkor in der Mechanikprüfung 89 Prozent, ein Prozent mehr als das aus China stammende Z 35 mm.
In der optischen Messung schneidet das Z 1,8/50 mm noch besser ab. Die Auflösung zeigt erwartungsgemäß nicht ihr Maximum bei offener Blende, wo es mittlere Werte liefert, sondern erst ab Blende f/4,5 mit ausgezeichneten Leistungen. Beugung spielt über die ersten fünf Blenden keine Rolle, was für einen sehr flexiblen Praxiseinsatz sorgt.
Die Randabdunklung bei Offenblende beträgt gut eine Blendenstufe bei sehr natürlichem Verlauf. Um zwei Stufen abgeblendet wird sie sehr gut mit einer sehr geringen spontanen Vignettierung in den äußersten Bildecken. Zur Messung der Verzeichnung konnten wir bei diesem Objektivtyp die Korrektur in der Kamera ausschalten. In diesem Fall zeigt das 50er nur eine geringe tonnenförmige Verzeichnung. Unter dem Strich kommt das 1,8/50 mm S auf überragende 94 Prozent in der Optik-Wertung. Das ist umso beeindruckender, als die Note (mangels entsprechender Kamera) ohne „Unterstützung“ durch eine Messung an einem kleineren APS-C-Sensor zustande kommt, wovon Vollformatobjektive häufig profitieren.

FAZIT
Nikon hat sein Können beim Nikkor Z 1,8/50 mm S in die Waagschale geworfen. Das harmlos wirkende Normalobjektiv liefert absolut erstklassige Leistungen – zum deshalb nicht unberechtigten und stolzen Preis. Das entsprechende Spiegelreflex-Pendant-50er mit dem FTZ-Adapter kann dieses Niveau nicht erreichen.

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Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit den Ergebnissen aus unserem Labortest (Nikon Z Nikkor 1,8/50 mm S).

Labormessungen: Anders Uschold
 

Dieser Test ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 1/2019 erschienen. Zur Einzelheftbestellung gelangen Sie hier.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Technikredakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.