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Festbrennweiten von Nikon, Sigma, Sony und Tamron
Diese fünf Festbrennweiten von Nikon, Sigma, Sony und Tamron mussten sich in der Praxis und im Labor beweisen.
Fotos: © Hersteller

Im Test: Fünf Festbrennweiten für das Vollformat

Optische Gewinner
29.01.2021

In letzter Zeit erscheinen immer mehr neue Festbrennweiten-Objektive für Vollformat­kameras. Wir haben fünf in den BAS-Digital-Test geschickt.

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Nikon Z Nikkor 1,8/85 mm S

Nikon Z Nikkor 1,8/85 mm S. Preis: ca. 900 Euro

© Nikon

Nachdem das Spektrum an Brennweiten durch Zooms für die Vollformatkameras zu großen Teilen abgedeckt ist, haben jetzt auch die großen Hersteller die Festbrennweiten wiederentdeckt. Schließlich mühen sich die kleineren Fremdhersteller schon länger und nicht gänzlich erfolglos mit (meistens) Manuellfokusobjektiven in diesem Bereich ab. Einen fotografischen „Gewinn“ bieten Festbrennweiten nur, wenn sie lichtstärker als Zooms mit dieser Brennweite sind. Deswegen finden sich in unserem Test vier Modelle mit Anfangsöffnung f/1,4 oder 1,8: das Tamron SP 35 mm mit f/1,4 und die 1,8er Nikon Z 85 mm, Sony FE 35 mm und Sony FE 135 mm GM. Die Ausnahme: Sigmas DG 2,8/45 mm DN Contemporary ist alles andere als ein Lichtriese, punktet aber deshalb mit kompakter Bauart, geringem Gewicht und dem kleinsten Preis im Testfeld. „Gewinnen“ können die Festbrennweiten allerdings auch, wenn sie den entsprechenden Zooms optisch überlegen sind.

Für Reflexen und Spiegellose

Die bislang tatsächlich längste Brennweite für das Nikon-Z-System ist das Nikkor 1,8/85 mm S, wenn man von Adapterlösungen absieht. Mechanisch reiht es sich nahtlos in die bislang vorgestellten Z-Nikkore ein – unspektakulär, aber sehr solide. Seine Fassung ist sehr gut gefertigt, von einem typischen Portraitobjektiv erwartet der Kunde auch keine opulente Sonderausstattung. Aber hohe optische Leistungen: Auch die liefert das Nikkor. Es sammelt am Ende 95 Prozent in der Optik ein und ist damit die beste Z-Festbrennweite. Schon bei offener Blende zeigt es eine gute bis sehr gute Auflösung, die sich schnell auf ausgezeichnet steigert. Weder Randabdunklung noch Verzeichnung bieten Grund zur Klage, es springt ein souveränes „Super“ heraus.

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Sigma 2,8/45 mm DG DN Contemporary

Sigma 2,8/45 mm DG DN Contemporary. Preis: ca. 570 Euro

© Sigma

Gespannt waren wir auf das Sigma DG 2,8/45 mm DN Contemporary. Das kleine, aber sehr solide in Metall gefertigte Objektiv besitzt eine überzeugende Mechanik auf Art-Serien-Niveau. Optisch ist es am kleinen Sensorformat ebenfalls top und ab Blende 4 ausgezeichnet. Am Vollformatsensor (VF) zeigt sich jedoch trotz der geringen Lichtstärke eine deutliche Offenblendschwäche. Kräftiges Abblenden führt zu einer hervorragenden Auflösung. Hier (und am Preis) wird deutlich, dass das Sigma 45 mm doch in der einfacheren Contemporary-Klasse spielt.
Einen Klassenunterschied gibt es auch zwischen den beiden Sony-Objektiven für die spiegellosen Kameras. Das kurze 1,8/35 mm kostet nur gut ein Drittel des 1,8/135 mm aus der professionellen G Master-Serie. Seine Auflösung ist – ähnlich wie beim Sigma – bei APS erheblich höher als bei VF, auch Randabdunklung und Verzeichnung schwächeln bei VF. Die Fassung ist sehr gut bis ausgezeichnet, hervorstechend sind die geringe Nahgrenze und die programmierbare Fokushaltetaste. So schafft das Sony FE 1,8/35 mm ein knappes „Super“.

Schwergewicht im Höhenflug

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Sony FE 1,8/135 mm G Master

Sony FE 1,8/135 mm G Master. Preis: ca. 2000 Euro

© Sony

Diese Hürde überspringt das Sony FE 1,8/135 mm GM deutlich höher. Das Portrait-Tele ist ein Schwergewicht, das nicht nur gleich zwei Fokushaltetasten besitzt, sondern auch noch einen Fokussierbereichsbegrenzer mit drei Einstellungen und eine abschaltbare Blendenrastung aufweist. Es ist insgesamt ein wenig detailverliebter gestaltet, was sich dann auch im Preis widerspiegelt.
Optisch liefert das 135 mm im Labor eine im Grunde viel zu hohe Auflösung, was an der sehr agressiven Abstimmung der Sony-Kameras mit einer hohen Artefaktrate liegt. Für Artefakt-arme Bilder sollte der Fotograf auf Blende f/5,6 oder mehr abblenden. Dennoch ist die Auflösung ab Offenblende ausgezeichnet und auch Randabdunklung und Verzeichnung liefern sehr gute Werte.

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Tamron SP 1,4/35 mm Di USD

Tamron SP 1,4/35 mm Di USD. Preis: ca. 1300 Euro.

© Tamron

Als einziges Spiegelreflexobjektiv ist das Tamron SP 1,4/35 mm Di USD im Rennen. Das äußerst lichtstarke Weitwinkel zeigt eine bemerkenswert ausgewogene Auflösung über die Blenden. Im Vollformat steigert es sich von guten auf sehr gute bis ausgezeichnete Werte durch Abblenden. Bei APS liegt sie bis Blende f/4 noch darüber. Eine erwartbare Schwäche bei einem 1,4er ist die Randabdunklung im VF, die auch bei Blende f/2,8 noch sehr deutlich ist und spontan verläuft. Die Verzeichnung spielt keine große Rolle. Ausgezeichnet verarbeitet ist die Fassung, hier leistet sich das Tamron keine nennenswerten Schwächen.

Optische Gewinner

FAZIT
Unter dem Strich tolle Leistungen innerhalb ihrer Preisklassen liefern die fünf Festbrennweiten in unserem Test. Auch wenn die beiden preiswerten Sigma 45 mm und Sony 35 mm auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz überzeugen mögen, sollten insbesondere APS-C-Fotografen den Kauf in Erwägung ziehen. Keine Bedenken brauchen Sie bei den anderen drei Kandidaten zu haben, sie werden Ihnen viel fotografische Freude bereiten.

Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test (Nikon Nikkor Z 1,8/85 mm S, Sigma 2,8/45 mm DG DN Contemporary, Sony FE 1,8/35 mm, Sony FE 1,8/135 mm GM, Tamron SP 1,4/35 mm Di USD).

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 12/2019 erschienen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Redakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen weiteren Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.