Im Test: Extreme Festbrennweiten für MFT

Grenzgänger
01.06.2018

Nach den üblichen Zooms und Festbrennweiten trauen sich die Micro-Four-Thirds-Firmen Olympus und Panasonic nun auch an ausgefallene Objektivkonstruktionen. fotoMAGAZIN hat sich vier neue und extreme Festbrennweiten im Labor vorgeknöpft.

 

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Panasonic Leica DG Elmarit 2,8/200 mm Power O.I.S.

Panasonic Leica DG Elmarit 2,8/200 mm Power O.I.S.
Preis: ca. 3000 Euro

© Panasonic

Ein ganz anderes Brennweitenkaliber ist das Panasonic Leica DG Elmarit 2,8/200 mm Power O.I.S., das im Vollformat einem 2,8/400 mm entspricht. Die Festbrennweite ist umfassend ausgestattet und lässt kaum einen Wunsch offen. Das beginnt beim optischen Bildstabilisator und dem Frost-, Staub- und Nässeschutz, geht über den Memory-Schalter für eine vorgewählte Entfernung oder eine über die Kamera ausgewählte Funktion bis hin zu Fokussierbereichsbegrenzer, Blendenring und eine Stativschelle mit Gewinde, in das zusätzlich ein Stativfuß eingeschraubt werden kann. Hinzu kommt im Lieferumfang (für rund 3000 Euro) ein Telekonverter mit 1,4facher Brennweitenverlängerung (unter Verlust einer Blendenstufe wird das Objektiv zum 4/280 mm).
Mit ins Labor haben wir den separat erhältlichen 2x-Telekonverter TC20 (für ein 5,6/400 mm) geschickt. Alle drei Teile sind ausgezeichnet aus Metall gefertigt, die Konverter stehen dem Grundobjektiv in nichts nach. Die sehr geringe Nahgrenze von 1,15 m erlaubt ansprechende Makroaufnahmen. Sehr gut ist die Streulichtdämpfung gelungen. Die aus Kunststoff und Metall bestehende Gegenlichtblende ist ausgezeichnet, lediglich die kleine Feststellschraube, die die Sonnenblende an beliebiger Stelle fixiert, macht einen anfälligen Eindruck und sorgt nicht gerade für flinkes An- und Absetzen.

Gerade bei langen Telebrennweiten stellt sich die Frage, ob die Blendenanfangsöffnung eine qualitativ nutzbare Blende mit hoher Auflösung ist, um aus Gründen der Gestaltung und gegen Verwacklungen mit ihr fotografieren zu können. Das ist beim Leica 200 mm der Fall. Im Kurvenverlauf ist zwar eine Offenblendschwäche zu erkennen, doch schon bei f/2,8 ist die Auflösung hervorragend und steigt bei f/4 auf extreme Werte an. Beim weiteren Abblenden sinken die Werte wieder und ab f/8 treten unerwünschte Beugungseffekte auf, die die Bildqualität sinken lassen. Seine Randabdunklung ist gut und natürlich, abgeblendet sogar ausgezeichnet – ebenso wie die vernachlässigbare Verzeichnung. Werden die beiden Konverter angesetzt, bleibt die Leistungscharakterisitk unverändert, doch auf niedrigerem Niveau. Für höchste Werte empfiehlt sich das Abblenden um eine Stufe, dann werden die Auflösungsleistungen ausgezeichnet (TC14) bzw. sehr gut (TC20). Die Randabdunklung profitiert von den Konvertern, die Verzeichnung nimmt minimal zu und wird tonnenförmig. Insgesamt erhält das 2,8/200 mm mit und ohne Konverter TC14 das Super-Siegel, mit dem TC20 fällt es leicht auf ein „Sehr gut“ ab.

FAZIT

Für die Olympus-Freunde von anspruchsvollen Festbrennweiten für Straßen-, Reportage- oder Portraitfotografie sind die drei 1,2er Pro-Objektive erste Wahl. Ihre äußerliche Uniformität wird im Inneren optisch fast fortgeführt, ihre Leistungen sind absolut erstklassig. Panasonic hat nun mit dem Leica 2,8/200 (und den Konvertern) eine ansprechende, lichtstarke Telebrennweite für Tier- und Sportfotografen im Programm. Es zeigt eine außergewöhnlich hohe optische Leistung und ist insbesondere mit dem mitgelieferten TC14 zu empfehlen.

Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test (Olympus M.Zuiko Digital Pro 1,2/17 mm, Olympus M.Zuiko Digital Pro 1,2/25 mm, Olympus M.Zuiko Digital Pro 1,2/45 mm, Panasonic Leica DG Elmarit 2,8/200 mm Power O.I.S.).

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test wurde in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 3/2018 veröffentlicht. Zur Einzelheftbestellung gelangen Sie hier.
 

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Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Technikredakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.