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Alte Objektive an neuer Technik
Rüstige Rentner! Wir haben fünf Weitwinkelobjektive aus den 70er- und 80er-Jahren an der Nikon Z7 getestet.
© Christina Scheunemann

Im Test: 5 alte Weitwinkel an Nikon Z7

Oldtimer an hochmoderner Spiegelloser
17.06.2021

Wir haben uns mal wieder den Spaß gemacht, statt neuester Technik richtig alte Objektive zu testen – an neuester Technik. Fünf preiswerte Weitwinkelobjektive mussten an der Nikon Z 7 im Testlabor zeigen, was in ihnen steckt.

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Nikon Z7

Die Nikon Z7 ist Nikons erste Spiegellose Vollformatkamera. Sie kam Ende September 2018 auf den Markt.

© Nikon

Die spiegellosen Kamerasysteme boomen, besonders Modelle mit Vollformatsensoren, weiten Bajonetten und kontinuierlich wachsenden Objektivsortimenten zeigen eine breite Vielfalt. Und die Fremdhersteller offerieren zahlreiche Objektive auch mit manuellem Fokus für diese Kameras. Die spiegellosen Vollformatkameras warten mit deutlich kürzeren Auflagemaßen als die Spiegelreflexsysteme auf. Das bedeutet, dass sich per Adapter eine Vielzahl von alten Objektiven auf die verschiedensten Spiegellosen anbringen lassen. Das nehmen wir zum Anlass, um ein paar typische Objektive der 70er- und 80er-Jahre für eine zweite Karriere zu vermessen. Die Schätze schlummern noch in vielen Schränken – oder Sie werden auf dem Gebrauchtmarkt fündig, denn die Modelle waren bei Redaktionsschluss (Mai 2020) auf den üblichen Verkaufsplattformen problemlos und unter 100 Euro zu erwerben. Unserem Test dürfen sich folgende fünf Weitwinkelklassiker stellen:

  • Canon FD 3,5/28 mm S. C.
    Preis: ca. 50 Euro
  • Minolta MD W.Rokkor 3,5/28 mm
    Preis: ca. 50 Euro
  • Olympus G.Zuiko Auto-W 3,5/28 mm
    Preis: ca. 80 Euro
  • Nikon Nikkor-H • C Auto 3,5/28 mm
    Preis: ca. 100 Euro
  • Pentax smc Pentax-M 3,5/28 mm
    Preis: ca. 70 Euro

So haben wir getestet

Um die Kandidaten an der spiegellosen Vollformatkamera Nikon Z 7 testen zu können, haben wir Adapter von Novoflex verwendet. Neben der guten Verarbeitung und Innenmattierung besitzen diese ein etwas verlängertes Auflagemaß, sodass man die Objektive etwas über unendlich hinaus fokussieren kann, was ausgleicht, dass Weitwinkel früher manchmal nicht ganz bis unendlich gingen, weil sie die hyperfokale Distanz ausnutzten. Weil die Testobjektive eh keinen Autofokus oder gar elektronische Schnittstellen besitzen, kann man problemlos verkraften, dass die Adapter lediglich mechanisch den Kontakt herstellen.

Präzises Scharfstellen und feststehende Metallfrontfilterfassungen

Mechanisch bewegen sich alle Probanden auf höchstem Niveau, Präzision und Güte der Metallfassungen und Schneckengänge übertreffen heutige Kunststoffbauweisen deutlich. Das macht auch die Faszination dieser alten Klassiker an einer modernen Kamera aus, sie erlauben präzisestes Scharfstellen. Die Blendenringe sind entweder in Halbstufen hart rastend (Canon, Minolta und Pentax) oder in Vollstufen weich rastend, was auch Zwischenpositionen erlaubt (Nikon und Olympus). Bei der Nahgrenze lohnt sich der genaue Blick. Sie reicht von sehr konservativen 59 cm bei Nikon, über 39 cm bei Canon zu immer noch konservativen 29 cm bei den übrigen. Hier haben sich moderne Objektive deutlich weiterentwickelt. Differenzierter sind die Streulichtmaßnahmen. Canon und Olympus sind nur einfach vergütet, Nikon und Minolta gut mehrfach und Pentax hervorragend mehrfach vergütet. Liegt dies hinter den heutigen Leistungen zurück, so sind die matt lackierten Oberflächen der inneren Fassungen und Linsenränder über dem Niveau heutiger oft sparsam in Kunststoff gegossener Komponenten. Feststehende Metallfrontfilterfassungen sind bei den Oldies selbstverständlich.

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Randabdunklungskurve Pentax 28 mm

Ganz ähnlich wie hier beim Pentax 28 mm verläuft die Randabdunklungskurve auch bei den anderen Objektiven im Test.

Die Unterschiede in der Optik

Optisch hat sich in den letzten 50 Jahren natürlich viel getan. Trotz der leichter korrigierbaren niedrigen Lichtstärke ist vor allem der Abfall der Auflösung zu den Bildecken entscheidend, was der Schlüssel zur optimalen Vollformatnutzung ist. Dabei sind die Abstimmungen sehr unterschiedlich. So hat das Olympus aufgeblendet einen niedrigeren Kontrast, aber kaum richtungsabhängige Fehler zu den Ecken, das Pentax hingegen im APS-Sensor-Bereich eine brillante Auflösung, doch deutliche Fehler bei 80 % Bildhöhe, den Vollformat-Bildecken.
Überraschend gut sind die geringen Farbquerfehler, die interne Korrektur der Nikon Z 7 leistet hier Erstaunliches. Auch die Verzeichnung ist bei keinem Kandidaten wirklich unangenehm, eine unkorrigierte Tonnenform zwischen 1,3 und 0,7 % stünde heutigen Linsen auch gut.
Bei der Randabdunklung sind sich die Objektive weitgehend einig. Aufgeblendet ist sie deutlich und abgeblendet sichtbar. Die Blöße eines zu knappen Bildkreises mit spontaner Vignettierung gab sich kein Proband, im Gegensatz zu manch neuem Objektiv.

FAZIT
Im Test haben alle Probanden vor allem Spaß gemacht. Für wenig Geld ist das Gefühl präziser Mechanik bei teils ordentlicher optischer Leistung zu bekommen. Die zwei interessantesten Profile zeigen das – mit sieben Linsen optisch aufwändigste – Olympus Zuiko mit bester Auflösungshomogenität im Vollformat und das Pentax mit höchster Streulichtsicherheit und kontrastreichster Auflösung im APS-Bereich.

> Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test.

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 6/2020 erschienen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Anders Uschold