Im Test: Panasonic Lumix GH5S

Herausragend bei Video und Lowlight
23.04.2018

Nur gut 10 Megapixel löst Panasonics neue MFT-Kamera Lumix GH5S auf. Dafür will die Videospezialistin mit besonders guten Lowlight-Fähigkeiten überzeugen. Ob das gelingt, zeigt unser Test.

 

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Panasonic Lumix GH5S schräg

Das Gehäuse der GH5S ist relativ groß und gegen Staub und Spritzwasser geschützt.

© Panasonic

Vor nicht einmal einem Jahr hat Panasonic die Lumix GH5 auf den Markt gebracht – eine Micro-Four-Thirds-Kamera mit 20-Megapixel-Sensor und herausragenden Videofunktionen. Sie wird auch gerne als Hybrid-Modell bezeichnet, weil sie sowohl für Foto- als auch für Videoaufnahmen optimiert ist. Im Januar 2018 folgte mit der Lumix G9 ein neues Foto-Flaggschiff, das sich beispielsweise durch einen noch größeren Sucher und einen schnelleren Serienbildmodus von der GH5 abhebt, dafür aber im Videobereich auf einige Profifunktionen verzichtet. Die Lumix GH5S richtet sich nun noch stärker an Videografen. Sie sieht der GH5 fast zum Verwechseln ähnlich – lediglich der rote Ring am Drive-Rad, das rote S unter dem Kameranamen und die komplett rot gefärbte Videotaste verraten die Filmspezialistin. Wie ihr Schwestermodell ist sie für eine Micro-Four-Thirds-Kamera ungewöhnlich voluminös. Tasten und Einstellräder haben eine angenehme Größe und die Bedienung ist mit drei Einstellrädern, Joystick sowie Dreh- und Schwenkmonitor mit Touchscreen hervorragend gelungen. Monitor (3,2 Zoll, 8,0 cm, 1,6 Mio. Punkte) und Sucher (3,68 Mio. Punkte) sind groß und hochauflösend. Staub und Spritzwasserschutz, zahlreiche Schnittstellen (darunter eine kombinierte Blitzsynchron-/Time-Code-Buchse) und zwei SD-Karten-Slots mit UHS-II-Kompatibilität runden den positiven Ersteindruck ab.

Vor- und Nachteile für Fotografen

Und unter der Haube? Wer Lumix-Kameras kennt, weiß, dass Panasonic bei der Ausstattung gerne aus dem Vollen schöpft. Prinzipiell gilt das auch für die GH5S, allerdings mit einer größeren Einschränkung: Die duale Bildstabilisierung, die Panasonic sonst in alle aktuellen, hochwertigen Kameras integriert hat, fehlt der GH5S. Die Bildstabilisierung findet also ausschließlich über das Objektiv statt und nicht stabilisierte Objektive werden auch nicht per Sensor-Shift entwackelt – ein echter Nachteil gegenüber der GH5 und G9. Ein möglicher Grund hierfür könnte sein, dass der Sensor etwas größer ist als bei der GH5, um den Bildwinkel bei verschiedenen Seitenverhältnissen beibehalten zu können (Multi-Aspekt-Sensor); außerdem setzen viele Videoprofis die Kamera in einem stabilisierten Rig oder auf einem Gimbal ein.

Aus allen neuen Panasonic-Kameras ist der 4K-Foto-Modus bekannt, in dem die Kamera kurze Videosequenzen mit 60 Bildern/s aufnimmt, aus denen Einzelbilder mit 8 Megapixeln extrahiert werden können, um beispielsweise schon vor dem endgültigen Auslösen aufzunehmen („4K Pre-Burst“ mit temporärem Speicher), die Schärfeebene nachträglich zu wählen („4K Post-Focus“) oder bei Makroaufnahmen aus den verschiedenen Schärfeebenen eine Aufnahme mit großer Schärfentiefe zu generieren („Focus-Stacking“). Die GH5 und G9 beherrschen dies mit 6K-Videos, also rund 18 Megapixeln – das gibt der 10-Megapixel-Sensor der GH5S nicht her. Ein weiterer kleiner Nachteil der GH5S gegenüber den Schwestermodellen ist der fehlende erste elektronische Verschlussvorhang, der in anderen Kameras dafür sorgen soll, dass keine Unschärfe durch die Vibrationen des mechanischen Verschlusses entsteht. Ein rein elektronischer Verschluss, der das lautlose Auslösen und ultrakurze Zeiten (bis zu 1/16.000 s) ermöglicht, ist aber weiter vorhanden.

Auf der anderen Seite bietet die GH5S auch im Fotobereich ein paar Vorteile gegenüber den Schwestermodellen. So bleibt dank des Multi-Aspekt-Sensors der horizontale Bildwinkel bei verschiedenen Seitenverhältnissen gleich. Natürlich verändert sich die Auflösung, die bei 4:3 mit ca. 10,2 Megapixeln am höchsten ist; bei 3:2 sind es 9,8, bei 16:9 ca. 9,1 und bei 17:9 rund 8,6 Megapixel. Ein weiterer Vorteil der GH5S: Der Autofokus ist noch lichtempfindlicher und arbeitet nun bis -5 EV (statt -4 EV). Außerdem kann die Kamera jetzt Raw-Dateien mit 14 Bit (statt 12 Bit) Farbtiefe aufnehmen – auch im Serienbildmodus. Schließlich hat Panasonic die Akkulaufzeit beim Einsatz des Monitors von 410 Bildern bei der GH5 auf 440 verbessert – einer der besten Werte bei spiegellosen Systemkameras. Einige Neuerungen gegenüber der GH5 hat die GH5S von der G9 übernommen. So steht nun für Sucher und Monitor ein dunkler, rötlicher Nachtmodus zur Verfügung. Die Bildwiederholraten des Monitors und des Suchers lassen sich von 60 auf 120 Bilder/s umschalten; bei der GH5 ist der Sucher fest auf 60 B/s eingestellt und der Monitor kann zwischen 30 auf 60 B/s umgeschaltet werden. Wie in der G9 lassen sich Aufnahmen schon in der Kamera mit Sternen bewerten. Bereits bekannte Funktionen sind Mehrfachbelichtungen, der integrierte Raw-Konverter und diverse Bracketing-Varianten (AE, Fokus, Weißabgleich, Blende).

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.