Im Test: die Lumix GH5 von Panasonic

Testvergleich mit den besten spiegellosen 4K-Kameras
05.07.2017

Panasonic hat sein Micro-Four-Thirds-Flaggschiff deutlich verbessert. Vor allem im Videomodus bietet die Lumix GH5 Herausragendes, doch auch für Fotografen hat sie kräftig zugelegt. Wir haben sie mit der spiegellosen Konkurrenz mit 4K-Video verglichen

 

Unser Testfeld umfasst die besten spiegellosen Systemkameras mit 4K-Video. Vorreiter Panasonic ist hier gleich mit vier Modellen vertreten, Sony mit drei und Fujifilm und Olympus mit jeweils einem. Da wir die anderen Kameras schon ausführlich getestet haben, steht die brandneue Lumix GH5 im Mittelpunkt, die uns mit einer für das Testlabor freigegebenen Vorserien-Firmware zur Verfügung stand – alle Testergebnisse finden Sie in der Tabelle am Ende des Artikels.

Die Panasonic Lumix GH5 im Überblick

Groß und schwer ist sie geworden, die neue GH5, und unterstreicht damit ihren professionellen Anspruch. In unserem spiegellosen Testfeld überbietet sie sogar Abmessungen und Gewicht des Vollformat-Modells von Sony. Im Gegenzug gibt es ein Gehäuse, das extrem robust ist – spritzwasser- und frostsicher bis -10 Grad Celsius – und zahlreiche große Bedienelemente mitbringt, die auch das Arbeiten mit Handschuhen ermöglichen.

Zwei Einstellräder für Zeit und Blende und ein Daumenrad zur Menü-Navigation sorgen für eine komfortable Handhabung. Zum schnellen Wechsel der Betriebsart gibt es ein eigenes Einstellrad, das neben Serienbildern und Selbstauslöser auch den direkten Zugriff auf die 6K-Foto-Funktionen und Zeitrafferaufnahmen bietet. Das Moduswahlrad lässt sich gegen ein versehentliches Verstellen sperren. Für weitere Einstellungen stehen diverse individuell belegbare Funktionsknöpfe zur Verfügung. Das AF-Messfeld kann der Fotograf wie gehabt per Touchscreen verschieben. Im Sucherbetrieb gelingt die Positionierung des AF-Punktes bequemer mit dem neuen Joystick, der mit dem Daumen gut erreichbar ist.

Die Robustheit setzt sich übrigens auch bei den Schnittstellen fort. So hat Panasonic eine große HDMI-Typ-A-Buchse verbaut und liefert einen Kabelhalter mit, der verhindert, dass sich der Stecker versehentlich löst. Beide SD-Karten-Slots sind mit dem schnellen UHS-II-Standard kompatibel und lassen sich auf jede erdenkliche Weise konfigurieren – beispielsweise kann eine Karte für Videos oder Raw-Dateien reserviert werden.

Wirklich beeindruckend ist der Blick durch den großen OLED-Sucher. Seine Auflösung von 3,68 Millionen Punkten ist die höchste im Testfeld und sorgt für eine weitgehend Moiré-freie Darstellung. In mäßig beleuchteten Innenräumen liefert er ein helleres Bild als optische Sucher, da er das Signal verstärken kann. Erst bei sehr wenig Licht fängt das Sucherbild an zu rauschen und zu ruckeln. Auch beim Monitor schöpft Panasonic aus dem Vollen: Er ist groß (3,2 Zoll bzw. 8 cm Diagonale), hat eine sehr hohe Auflösung (1,62 Mio. Punkte) und ist dreh- und schwenkbar gelagert. Einen Blitz hat Panasonic übrigens – anders als in der GH4 – nicht eingebaut, dafür gibt es aber neben dem Blitzschuh auch eine Synchronbuchse.

Die inneren Werte der Systemkamera

Eine Runderneuerung hat die GH5 auch bei den inneren Werten erfahren. Der Bildsensor hat wie in der Lumix GX8 gut 20 Megapixel, kommt aber anders als bei dieser ohne Tiefpassfilter aus, was eine höhere Auflösung ermöglicht (siehe Abschnitt Bildqualität).

Fortschritte gibt es auch beim Autofokus. Im Gegensatz zur Konkurrenz verzichtet Panasonic weiterhin auf Phasendetektions-Pixel auf dem Sensor, hilft dem Kontrast-Autofokus aber mit der DFD-Technologie auf die Sprünge (Depth From Defocus). Diese berechnet die Entfernung zum Motiv aus der Unschärfecharakteristik von zwei Bildern, was vor allem der Schärfenachführung zugute kommt. DFD ist nicht neu, allerdings hat Panasonic in der GH5 die Anzahl der Messfelder von 49 auf 225 erhöht und steuert den Autofokus nun schneller an (480 statt 240 fps). Die gestiegene Rechenleistung bewältigt der neue Bildprozessor Venus Engine 10.

Neu sind auch die individuellen AF-Einstellungen. Hierbei lassen sich die AF-Empfindlichkeit, die AF-Bereichswechselempfindlichkeit (also wie schnell der Autofokus sich von einem neuem Objekt ablenken lässt) und die Voraussage beweglicher Objekte verändern. Panasonic hat vier Settings voreingestellt, die sich an die individuellen Vorstellungen anpassen lassen.

Ebenfalls überarbeitet wurde der mechanische Verschluss. Er schafft als kürzeste Zeit wie in der GH4 1/8000 s, ist aber deutlich vibrationsärmer und angenehm leise. Für noch kürzere Zeiten bis zu 1/16.000 s und das lautlose Auslösen lässt sich ein rein elektronischer Verschluss zuschalten. Deutlich reduziert hat Panasonic den Rolling-Shutter-Effekt des elektronischen Verschlusses, also Verzerrungen bei schnellen Bewegungen, die vor allem bei der Videoaufzeichnung auftreten können.

Wie fast alle neuen Panasonic-Kameras (Ausnahme GX800, siehe Test in fM 3/17) bringt auch die GH5 eine Bildstabilisierung mit Sensorshift mit. Falls das Objektiv ebenfalls einen Stabilisator besitzt, was auf die meisten Panasonic-Objektive zutrifft, lassen sich die beiden Stabilisatoren kombinieren. Dieser Dual I.S. soll auf fünf Achsen bis zu fünf Blendenstufen Gewinn bringen (gemäß CIPA-Standard) – ein sehr guter Wert, der aber nicht ganz an die 6,5 Blendenstufen heranreicht, die Olympus bei der E-M1 Mark II in Kombination mit dem M.Zuiko Digital 4/12-100 mm IS erreicht. Bei unserem Test mit dem neuen Leica 2,8-4/12-60 mm waren die Bilder im Telebereich aus der Hand bis zu 1/5 s scharf, was fast fünf Blendenstufen entspricht.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.