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Canon EOS-1D X Mark III
Wir haben die Canon EOS-1D X Mark III für das fotoMAGAZIN 4/2020 ins Labor geschickt. Lesen Sie den ausführlichen Test nun hier!
© Canon

Im Test: Canon EOS-1D X Mark III

Canons Profi-SLR auf dem Prüfstand
26.04.2021

Die Canon EOS-1D X Mark III ist für die Sport- und Action-Fotografie prädestiniert. Wir haben das SLR-Flaggschiff bereits für das fotoMAGAZIN 4/2020 ins Labor geschickt. Lesen Sie das Testergebnis hier nun kostenlos online.

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Canon EOS-1D X Mark III top

Von oben zeigt sich die EOS-1D X Mark III weitgehend unverändert.

© Canon

Äußerlich hat sich Canons Sport- und Reportage-Flaggschiff wenig verändert – im hektischen Alltag wollen sich Profis in der Regel auf die erlernte Bedienung verlassen und nicht experimentieren. Die Entwickler haben es immerhin gewagt, ein neues Bedienelement zu integrieren: Der „Smart Controller“ arbeitet ähnlich wie eine optische Maus. Mit einem Finger lässt sich das AF-Messfeld sehr schnell verschieben. Der klassische Joystick lässt sich aber weiterhin nutzen. Eine Verbesserung ist die Beleuchtung der wichtigsten Tasten. Die Auflösung des Monitors hat Canon von 1,62 auf 2,1 Millionen Punkte angehoben und eine erweiterte Touch-Bedienung ermöglicht: Bei der Mark II ließ sich der Touchscreen nur im Videomodus nutzen, nun steht die volle Funktionalität, inklusive Menüsteuerung zur Verfügung.

Canon EOS-1D X Mark III – ausgestattet mit neuem Autofokus

Ein Schwerpunkt der Entwicklung lag bei der Verbesserung des Autofokus: 191 AF-Messfelder, davon 155 Kreuzsensoren, sorgen für eine beeindruckende Performance. Speziell bei kontrastarmen Motiven, feinen Details und diagonalen Linien arbeitet der AF besser. Optimiert wurde auch der AF-Arbeitsbereich, der nun von -4 bis +21 EV reicht (Mark II: -3 bis +18 EV). Die zahlreichen Autofokuseinstellungen hat Canon wie gehabt in Presets für verschiedene Bewegungssituationen zusammengefasst. Neu ist hier die Automatik-Einstellung, welche Bewegungsmuster analysiert und dann selbstständig die passenden Einstellungen wählt. Bei der Motiverkennung hilft der Belichtungssensor (ca. 400.000 Pixel, RGB und Infrarot). Desweiteren hat Canon die Kamera per „Deep Learning“ mit unzähligen Bildern gefüttert, sodass sie bestimmte Objekte erkennen und besonders gut verfolgen kann. Konkret nennt der Hersteller Gesichter von Sportlern, die einen Helm oder eine Brille tragen. Außerdem kann die Kamera nun auch Köpfe von hinten identifizieren. Bis die Objekterkennung greift, kann es den Bruchteil einer Sekunde dauern – es empfiehlt sich daher, das Objekt schon vor dem Auslösen mit halb gedrücktem Auslöser bzw. AF-on-Taste zu verfolgen. Im Praxistest (fotoMAGAZIN 2/2020) haben wir auf der Ascari-Rennstrecke in Andalusien sehr schnell auf die Kamera zufahrende Autos mit 16 Bildern/s fotografiert – unscharfe Bilder waren dabei die Ausnahmen.
Ein Nachteil des Sucher-AFs bleibt die recht mittige Anordnung der Messfelder. Dem kann der Fotograf nur im Live-View entgehen. Hier steht der bewährte Dual Pixel CMOS Autofokus (DPAF) mit Phasen-Detektion zur Verfügung: Seine 3869 AF-Messfelder decken fast das ganze Bildfeld ab (100 % in der Höhe, 90 % in der Breite). Außerdem gibt es im Live-View – anders als beim Sucher-AF – neben der Gesichts- eine Augenkennung.

Das SLR-Flaggschiff macht Videos mit 5,5K

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Canon EOS-1D X Mark III back

Für die neuen CFexpress-Speicherkarten stehen zwei Laufwerke zur Verfügung.

© Canon

Mindestens genauso beeindruckend wie der Autofokus ist der Videomodus. In mancher Hinsicht überbietet Canon hier sogar die Panasonic Lumix S1H. So kann die neue EOS Raw-Video intern auf CFexpress-Karten aufzeichnen. Die maximale Auflösung beträgt dabei 5,5K/60p (5472 x 2886 Pixel), die Datenrate erreicht gigantische 2600 Mbit/s. DCI- und UHD-4K (4096 x 2160 bzw. 3840 x 2160 Pixel) sind ebenfalls mit bis zu 60p möglich, allerdings nicht als Raw-Video, sondern wahlweise mit Einzelbild- (All-I) oder als Bildgruppenkomprimierung (IPB). Einziger Schwachpunkt: Der Autofokus funktioniert bei 4K oder 5,5K ohne Crop erst ab 30p, also nicht bei 50p oder 60p. Wer 4K mit 60p bzw. 50p und Autofokus aufnehmen will, muss einen 1,3fachen Crop in Kauf nehmen. Bei Full-HD sind Vollformat-Videos ohne Crop mit bis zu 120p und AF möglich. Dass Canon die Mark III in die Nähe zur eigenen Cinema-EOS-Serie rückt, zeigt sich auch bei der neuen logarithmischen Gammakurve C-Log mit 4:2:2 Farbunterabtastung und 10 Bit Farbtiefe bei Verwendung des H.265-Codecs. Zur Stabilisierung steht neben dem optischen Stabilisator in den Objektiven ein digitaler, 5-achsiger Movie-IS zur Verfügung. Raw-Video (Dateiendung .CRM) lässt sich übrigens nicht ohne weiteres wiedergeben und bearbeiten. Canon bietet hierfür ein Plug-in an, das beispielsweise mit Apples Final Cut Pro und Systemen von Avid zusammenarbeiten soll. Mit Adobes Premiere konnten wir die CRM-Dateien bei Redaktionsschluss nicht öffnen. (Stand: Februar 2020)

Weitere Verbesserungen bei der EOS-1D X Mark III

Insgesamt listet Canon 102 Verbesserungen gegenüber der EOS-1D X Mark II auf. Hier die wichtigsten:

  • • --Statt CFast- und CF- kommen die neuen CFexpress-Karten zum Einsatz, die deutlich schneller sind.
  • • --Den Spiegelmechanismus hat Canon an die erhöhte Geschwindigkeit angepasst; er wird nun schneller bewegt, was den Sucher-Blackout verringert.
  • • --Der gleiche Akku wie in der Mark II (LP-E19) liefert jetzt nach CIPA-Standard 2850 statt 1210 Aufnahmen per Ladung.
  • • --Die Auflösung des neuentwickelten CMOS-Bildsensors bleibt bei 20,1 Megapixeln, es kommt aber ein neuer, vierschichtiger Tiefpassfilter zum Einsatz, der mehr Bilddetails erhält.
  • • --Den Empfindlichkeitsbereich hat Canon um eine Stufe erweitert; er reicht nun bis ISO 102.400, bzw. 819.200 im erweiterten Modus (nach unten auf ISO 50 erweiterbar).
  • • --Da Sportfotografen in der Regel wegen der Datenmengen keine Raws aufnehmen, hat Canon der Mark III ein neues Bildformat spendiert. Das HEIFF (High Efficiency Image File Format) erzeugt kleine Dateien, die aber eine höhere Farbtiefe haben als JPEGs (10 statt 8 Bit pro Farbkanal) und dank effektiverer Komprimierung bei gleicher Dateigröße eine bessere Qualität erreichen sollen (siehe Belegbilder oben).
  • • --WLAN (2,4 Ghz) und Bluetooth wurden integriert.
  • • --Es steht eine moderne USB-C/3.1-Schnittstelle zur Verfügung.
  • • --Mikrokontraste (Klarheit) lassen sich bei JPEGs einstellen.
  • • --Das CR3-Format bietet eine Option zur Komprimierung von Raw-Dateien.

Aus dem Labor

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Canon EOS-1D X Mark III

Die Canon EOS-1D X Mark III is 167,6 mm hoch bei einer Breite von 158 mm.

© Canon

Im DCTau-Labor haben wir die Auslöseverzögerung mit Einzel-AF und dem 2,8/24-70 mm L II USM ermittelt. Mit rund 0,4 s braucht die Mark III etwas länger als ihre Vorgängerin, die wir mit dem 3,5-5,6/24-105 mm mit STM-Technologie vermessen haben. In der Praxis hat uns die Auslöseverzögerung allerdings nicht gestört. Hier ist Servo-AF-Performance relevanter, an der es nichts auszusetzen gibt. Rekordverdächtig ist die Seriengeschwindigkeit, die Canon von 14 auf 16 Bilder/s angehoben hat, im Live-View sind sogar 20 Bilder/s möglich. Beeindruckend ist – vor allem dank der schnellen CFexpress-Karten – die Serienbildlänge. Selbst bei Raws mit 16 Bilder/s füllt sich der Pufferspeicher praktisch nicht, sondern die Daten werden direkt auf die Karte geschrieben. Wir haben über 4000 Raws in Folge gemessen, bevor wir den Test abgebrochen haben.
Die Bildqualität hat unser Testlabor mit dem Referenzobjektiv 2,5/50 mm Macro im JPEG-Modus gemessen. Dabei haben wir eine höhere Auflösung und eine bessere Artefaktnote als bei der Mark II ermittelt, was angesichts des neuen Tiefpassfilters nicht überrascht. Der Wirkungsgrad liegt bei ISO 100 bei hervorragenden 95 % und bleibt bis ISO 1600 bei über 90 %. Einen stärkeren Einbruch gibt es erst bei ISO 12.800 (von 87 % auf 81 %), danach sinkt die Auflösung mit jeder ISO-Stufe deutlich. Geringe Unterschiede gegenüber der Vorgängerin gibt es beim Bildrauschen und der Eingangsdynamik: Das Rauschen ist im Wertungsbereich (bis ISO 6400) hervorragend niedrig, erst ab 12.800 fängt es an zu stören; ab ISO 51.200 fällt es sehr stark aus. Der JPEG-Dynamikumfang ist mit bis zu 9,2 Blendenstufen bei ISO 100 hervorragend und wird dann langsam schlechter. Unter dem Strich kann die Mark III bis ISO 6400 mit sehr guten Ergebnissen genutzt werden.

FAZIT
Die EOS-1D X Mark III begeistert vor allem mit ihrer extremen Serienbildgeschwindigkeit, einem sehr guten Tracking-Autofokus und beeindruckenden Videospezifikationen. Auch die Auflösung und die Artefaktneigung hat Canon mit dem neuen Tiefpassfilter verbessert.

> Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test (Canon EOS-1D X Mark II, Canon EOS-1D X Mark III).

Labormessungen: Anders Uschold

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Dieser Test ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 4/2020 erschienen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.

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Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Journalist und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.