Archiv 2009: Praxistest der Mittelformatkamera Voigtländer Bessa III

Nischenfüller
24.02.2015

Lange genug mussten die Fans auf die Voigtländer Bessa III warten. Ob sich die Geduld ausgezahlt hat, klärt unser erster Test der analogen Mittelformatkamera.

Der Name der analogen Voigtländer-Mittelformatkamera sagt schon das Wesentliche über diese Kamera aus. Bessa III 667 steht für ein Kamerakonzept, das Voigtländer vor gut 50 Jahren einstellte: Die Bessa II, als indirekte Vorgängerin der jetzigen Bessa III, war die letzte Kamera aus diesem Hause, welche den Typ der hochwertigen Reisekamera verkörperte. Diese Bessa II erfreut sich noch heute großer Beliebtheit, da sie erstklassige Aufnahmen auf Rollfilm mit einer Bildgröße von 6x9 cm liefert – bei reisefreundlich geringen Abmessungen dank einklappbarem Objektiv.

Mittelformat Originalgröße 6x7cm, Kodak Ektrachrome 200

Mittelformat Originalgröße 6x7cm, Kodak Ektrachrome 200

Mittelformat Originalgröße 6x7cm, Kodak Ektrachrome 200

© Winfried Warnke

Die Bessa III nutzt das Mittelformat anders, wie der Zusatz 667 andeutet: Mit dem 6x6-cm-Format und dem moderneren „Idealformat“ 6x7 knüpft die neue Voigtländer an die Tradition der Mehrformatkameras an. Entwickelt wurde die Kamera von Cosina mit Fujifilm. So ist es kein Zufall, dass die Bessa III viele konstruktive Gemeinsamkeiten mit früheren Fuji-Kameras der 645er-Baureihe aufweist.

Konsequent wird bei der Bessa III aktuelle Technik eingesetzt. Der sehr helle Sucher verfügt über einen Parallaxen-Ausgleich, der Sucherrahmen wird – genauso wie Filmfenster und Zählwerk – bei Umschaltung des Filmformats automatisch geändert. Weiterhin zeigt er die Verschlusszeit nach Blendenvorwahl gut ablesbar an, die Schärfe wird über einen Mischbild-Entfernungsmesser eingestellt.

Solide und transportabel

Die Bessa III liegt mit einer Masse von einem Kilogramm gut in der Hand, ohne klobig zu wirken. Mit den Abmessungen eines Buches vergleichbar, ist sie für eine MF-Kamera durch ihre geringe Dicke ausgesprochen transportabel.
Das Gehäuse aus Aluminium-Magnesium-Druckguss betont den soliden Eindruck, selbst die aus Kunststoff gefertigte Rückwand ist von großer Verwindungssteifheit. Die Rückwandverriegelung hätte gern etwas hochwertiger und größer dimensioniert sein können. Alle wichtigen Teile sind aus Metall, so auch die sehr sauber gearbeitete Filmführung und die Balgen- und Objektivbefestigung – Wertigkeit überall.
Die für den Nahbereich so wichtige automatische Verschiebung der Sucherrahmen zwecks Parallaxen-Ausgleich ist nur eingeschränkt zu verwenden.

Verschoben werden nur zwei Sucherbegrenzungen, den rechten unteren Teil muss man sich um den verschobenen Bereich hinzu denken. Auslösung und Verschluss-Ablauf sind ein Gedicht – butterweich. Die Auslösegeräusche sind noch unter Leica-M-Niveau. Hier punktet die Bessa III mit ihrem Zentralverschluss deutlich. Insgesamt gibt die Bedienung dieser Kamera keinerlei Rätsel auf. Keine verschachtelte Menü-Führung, alles ist direkt an eindeutigen Bedienelementen einstellbar.

Voigtländer Bessa III

Voigtländer Bessa III

Das Balgenprinzip lässt die Optik im Gehäuse verschwinden.

© Winfried Warnke

Die wunden Punkte von Faltkameras, die Balgenführung und -befestigung, machen in der Praxis einen langlebigen Eindruck. Beim Ausklappen des Objektivs ist allerdings Vorsicht geboten. Beim einfachen Herausziehen der Objektiveinheit befindet sich diese noch nicht in der endgültigen Position – erst nach einem Ruck rastet diese ein. Unglücklicher Weise ist ein Auslösen schon vorher möglich. Auf eine feste Verriegelung der Zugstangen ist ebenso zu achten wie auf die Unendlich-Position des Entfernungseinstellrings beim Einklappen: Ansonsten kann die Frontabdeckung nicht geschlossen werden, zu viel Druck führt unweigerlich zu schweren Schäden – die nicht durch die Garantie gedeckt werden.

Abweichung wird angezeigt

Beim Fotografieren im 6x7-Format fällt angenehm auf, dass die 80-mm-Brennweite eine leicht weitwinklige Tendenz besitzt. Ein Umschalten des Filmformats während eines Films ist nicht möglich. Im manuellen Betrieb blinkt im Sucher die Verschlusszeit, die die Kamera automatisch einstellen würde, aber auch die manuell vorgewählte Zeit wird im Sucher angezeigt. Ein Abgleich beider oder eine bewusst gewählte Differenz ist so schnell möglich.
Die als Zubehör erhältliche Streulichtblende kann auch als Filteradapter (40,5 mm) verwendet werden, 58-mm-Filter lassen sich direkt vor das Objektiv schrauben.

In der Praxis hat die Bessa III überzeugt: Technisch mit wesentlichen Merkmalen ausgestattet, liefert die Kamera exzellente Bildergebnisse – ihre Kompaktheit macht sie in ihrer Klasse der analogen Reisekameras konkurrenzlos.

Technische Daten

Voigtländer Bessa III, erschienen 2009

Voigtländer Bessa III, erschienen 2009

Voigtländer Bessa III, erschienen 2009

© Winfried Warnke

■ Kamera: Voigtländer Bessa III
■ Preis: ca. 2000 Euro
■ Aufnahmeformat: 6 x 7 cm auf Rollfilm 120 o. 220 (10/20 Aufnahmen);
6 x 6 cm auf Rollfilm 120 o. 220 (12/ 24 Aufnahmen)
■ Objektiv: Heliar 3,5/80 mm
■ Belichtungsmessung: mittenbetont
■ Belichtungssteuerung: Zeitautomatik, manuell
■ Verschluss: 1/500 - 4 s, B
■ Blitzsynchronisation: alle Zeiten
■ Filmempfindlichkeit: ISO 25 - 3200 in Drittel-Blendenstufen ■ Stromversorgung: 1 x 3 V-Lithium CR2
■ Maße: 178 x 109 x 64/138 mm
■ Gewicht: 1000 g

Dieser Artikel ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 11/2009 erschienen und wurde unserem Archiv entnommen.

Haben Sie eine alte Kamera und suchen Informationen oder einen Test dazu? Schreiben Sie uns in den Kommentaren, wir schauen gern im Archiv für Sie nach.

Einen weiteren Test zur Bessa III hat der Fotograf Christian Baron, der seine alten Kameras röntgte, in seinem Blog bereit gestellt. 

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand.  Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.