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Sony Xperia 1 III: Auf der Rückseite bringt das Smartphone drei Kameras mit Zeiss-Label mit. Die Telekamera hat nun eine Vario-Optik in Periskopbauweise (links).
Bild: Sony

Im Test: Die Kameras des Sony Xperia 1 III

Preis: ca. 1300 Euro
13.07.2021

Sony verfolgt bei den Kameras in seinen Smartphones einen etwas anderen Ansatz als die Konkurrenz. Wir haben das neue Xperia 1 III getestet, dessen Kamera-App sich stark an die Alpha-Systemkameras des Herstellers anlehnt.

Vor knapp einem Jahr hatten wir bereits den Vorgänger des neuen Modells, das Xperia 1 II, getestet, das mit drei Objektiven auf der Vorderseite ausgestattet ist. Bei der dritten Generation seines Flaggschiff-Smartphones hat Sony nun sowohl eine weitere Telebrennweite ergänzt, als auch die Kamera-App überarbeitet.

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Das Xperia 1 III nutzt drei Rückseitenkameras

Das Xperia 1 III nutzt drei Rückseitenkameras: Oben 16 mm, darunter 24 mm, ganz unten das Periskop-Teleobjektiv mit Vario-Optik. Außerdem: der 3D-iTOF-Sensor zur Entfernungsmessung.

Bild: Sony

Xperia 1 III mit drei Sensoren und vier Objektive

Sony verfolgt kameraseitig weiterhin einen eher konservativen Ansatz. Während andere Hersteller inzwischen Sensoren mit 50 oder gar 100 Megapixeln für die Hauptkameras verbauen und diese für das digitale Zoomen nutzen, setzt Sony auf drei 12-Megapixel-Sensoren. Wie schon in der zweiten Generation basiert die Hauptkamera auf einem relativ großen 1/1,7-Zoll-Bildwandler (ca. 7,4 x 5,6 mm), der früher in hochwertigen Kompaktkameras  üblich war. Das zugehörige Objektiv hat eine Lichtstärke von 1:1,7 und eine kleinbildäquivalente Brennweite von 24 mm. Die Bildqualität dieser Kombination ist bis ISO 100 gut, in Bezug auf die Detailzeichnung aber auch in den unteren Bereichen einer Systemkameras mit großem Sensor klar unterlegen. Oberhalb von ISO 100 nimmt sie schrittweise ab. Je nach Anspruch sind die Aufnahmen aber bis ISO 400 oder 800 durchaus brauchbar, ab ISO 1600 werden sie deutlich schlechter, sprich: Details gehen verloren und Bildrauschen wird sichtbar.

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Die Bildqualität des Xperia 1 III

Die Bildqualität des Xperia 1 III: Von oben nach unten die Kameras mit 16 mm, 24 mm und 70 mm. Linke Spalte: ISO 100, rechte Spalte: ISO 800. Bei allen Bildern handelt es sich um ca. 1100 x 1400 Pixel große Ausschnitte aus dem Gesamtbild. Zur näheren Beurteilung können Sie das Bild herunterladen.

Bild: Andreas Jordan

Für den Superweitwinkel steht ein kleinerer 1/2,6-Zoll-Sensor zur Verfügung. Das Objektiv hat dabei eine Lichtstärke 1:2,2 bei kleinbildäquivalenten 16 mm. Auch hier ist die Bildqualität bei niedrigen ISO-Werten gut, nimmt aber mit der Anhebung des ISO-Wertes schneller ab: Schon Aufnahmen mit ISO 400 sind leicht verrauscht, höhere ISO-Werte sind nur für kleinere Darstellungen brauchbar.

Telekamera mit zwei Objektiven

Noch etwas kleiner ist der Sensor der Telekamera (1/2,9 Zoll). Beim Teleobjektiv hat sich Sony etwas Besonderes einfallen lassen. Zunächst ist es in Periskopbausweise mit Umlenkspiegel in das Gehäuse integriert – das ist schon aus dem Xperia 1 II und anderen Smartphones mit Telekamera bekannt. Die eigentliche Neuerung ist, dass sich ein optisches Element verschieben und damit die Brennweite verlängern lässt. Auf diese Weise kann man von 70 mm (bei Lichtstärke 1:2,4) auf 105 mm (1:2,8) umschalten. Wohlgemerkt handelt es sich dabei nicht um ein stufenloses Zoom, sondern um eine Vario-Optik mit zwei Festbrennweiten. Auch die beiden Teleobjektive liefern eine gute Abbildungsleistung, die ISO-Performance ist aber noch etwas schlechter als beim Superweitwinkel – ISO 400 sind schon kritisch, was angesichts der geringeren Lichtstärke und der Verwacklungsgefahr im Tele schnell zum Problem werden kann. Man kann die Telekamera daher wohl guten Gewissens als Schönwetter-Kamera bezeichnen – es sei denn, man fotografiert unbewegte Motive vom Stativ. Für alle drei Kameras steht ein Raw-Modus zur Verfügung (DNG-Format) und mit Ausnahme des Superweitwinkels auch eine Bildstabilisierung (bei Sony OSS genannt).

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Bokeh-Modus

Im Basic-Modus des Xperia 1 III steht ein Bokeh-Effekt zur Verfügung, der den Hintergrund weichzeichnet. Hier mit der 24-mm-Kamera aufgenommen: links ohne, rechts mit Bokeh-Effekt in maximaler Stärke.

Bild: Andreas Jordan

Starker Autofokus mit Anleihen bei den Alpha-Kameras von Sony

Ein echte Stärke des Xperias ist der Autofokus. Alle Sensoren arbeiten mit Dual-Pixel-Dioden und einer Phasen-Detektion und es stehen die aus den Alpha-Kameras bekannten Funktionen wie der Echtzeitaugenautofokus für Menschen und Tiere und das Real-Time-Tracking zur Verfügung. Unterstützt wird der AF außerdem von einem 3D-iTOF-Sensor für die Entfernungsmessung. Im Serienmodus kann das Xperia mit der Hauptkamera bei 20 B/s Autofokus und Belichtung nachführen, bei den anderen Kameras sind es 10 Bilder/s. Allerdings gelingen Serienbilder nur im JPEG-Modus.

Einen manuell zuschaltbaren Bokeh-Effekt mit digital simulierter Hintergrundunschärfe bietet das Xperia auch und zwar für die Haupt- und die Telekamera. Ausgenommen sind also die Ultraweitwinkel- und leider auch die Selfie-Kamera.

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Digitalzoom

Trotz künstlicher Intelligenz kann der Digitalzoom nicht zaubern. Aufnahme links mit 70-mm-Kamera, Aufnahme rechts mit 24-mm-Kamera und AI-Digitalzoom auf ca. 65 mm gezoomt (jeweils Ausschnitte aus dem Gesamtbild).

Bild: Andreas Jordan

Wie bei anderen Smartphones auch, ist die Hauptschwachstelle der Kamera die Lücke zwischen den „echten“ Brennweiten. Vor allem zwischen den 24 mm der Hauptkamera und den 70 mm des ersten Telekamera klafft eine große Lücke, die sich zwar per Digitalzoom überwinden lässt, dann aber mit deutlichen Einbußen bei der Bildqualität. Sony gibt an, die Qualität des Digitalzooms verbessert zu haben – und zwar mit Hilfe künstlicher Intelligenz (die Marketingabteilung hat sich hierfür den schönen Namen „AI Super Resolution Zoom“ ausgedacht), in der Praxis kocht aber auch dieser nur mit Wasser, bzw. 12 Megapixeln. Wir haben den Test gemacht und mit der Hauptkamera digital nahe an die 70 mm herangezoomt und die Aufnahme mit der echten 70-mm-Kamera verglichen. Diese erreicht – wenig überraschend – die deutlich bessere Qualität. Unseres Erachtens wäre es sinnvoll, entweder der Hauptkamera mehr Pixel zu gönnen und damit einen höherwertigen Digitalzoom zu ermöglich und/oder die Lücke zwischen der 24 mm und 70 mm mit einer weiteren Kamera zu füllen.

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Der Xperia 1 III hat einen einen mechanischen Auslöser.

Der Xperia 1 III hat einen einen mechanischen Auslöser.

Bild: Sony

Smartphone mit echtem Auslöser und professionellen   Apps für Foto und Video

Auch bei der Bedienung zeigen sich einige Besonderheiten des Xperia 1 III. Zunächst verfügt es – wie eine „richtige“ Kamera – über einen eigenen Auslöseknopf an der Oberseite, mit dem sich verwacklungsfreier arbeiten lässt als mit dem üblichen Touch-Auslöser. Auch bei der „Photography Pro“-App zeigt sich, dass Sony die Nähe zu seinen Alpha-Kameras herstellen möchte. Die App ist klar gegliedert: Links lässt sich eines der drei Objektive und ein Belichtungsprogamm wählen (P, S, M, Auto und Basic). Rechts stehen die klassischen Fotoeinstellungen wie Belichtungskorrektur, Serienbilder, AF, ISO, Weißabgleich, Bildformat und Belichtungsmessung zur Verfügung. Fotografen dürften sich hier schneller zu Hause fühlen als in vielen Kamera-Apps anderer Hersteller. Beim Xperia 1 II hatte uns noch gestört, dass man für Funktionen wie Selfies, Panorama und Bokeh und eine andere App wechseln musste. Das hat Sony nun geändert: Die „Photography Pro“-App hat jetzt einen Basic-Modus mit genau diesen Funktionen. Weitere Vorteil des Basic-Modus: Das Interface wechselt hier automatisch vom Quer- in das Hochformat, wenn man das Smartphone dreht.

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„Photography Pro“-App

Die „Photography Pro“-App lehnt sich an die Bedienung "echter" Kameras an.

Screenshot: Andreas Jordan

Für Filmer gibt es die separate „Cinema Pro“-App, die eine professionell anmutende Oberfläche hat. So stehen verschiedene Stile zur Verfügung, die den professionellen Venice-Videokameras von Sony entnommen sind, und die Verschlusszeit lässt sich als Umlaufblende in Grad in Abhängigkeit von der Bildfrequenz einstellen.

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Für Filmer stellt Sony die „Cinema Pro“-App zur Verfügung.

Für Filmer stellt Sony die „Cinema Pro“-App zur Verfügung.

Screenshot: Andreas Jordan

Tolles Display und weitere Funktionen

Nicht unerwähnt sollten auch die sonstigen Fähigkeiten des Xperia 1 III bleiben. Ein Highlight ist das große 6,5-Zoll-Display, das laut Sony das erste „4K HDR-OLED“ mit 120 Hertz und 21:9 Seitenverhältnis ist. Weitere Funktonen: 360 Grad-Audio auch mit den eingebauten Lautsprechern (eine Kopfhörerbuchse ist ebenfalls vorhanden), Snapdragon-888-Plattform mit 25 % mehr CPU- und 35 % mehr GPU-Leistung, 5G-Unterstützung, 50 % mehr Akkureichweite und Wetterschutz nach IP 65/68. Aus fotografischer Sicht erwähnenswert ist außerdem die Möglichkeit, das Xperia 1 III per USB-HDMI-Adapter als Monitor für Alpha-Kameras nutzen zu können. Prädestiniert für diesen Zweck ist allerdings das noch deutlich teurere Xperia Pro. 

Test-Fazit zum Xperia 1 III

Vor allem bei der App hat uns das Xperia 1 III besser gefallen als das Vorgängermodell. Sie hebt sich von vielen anderen Smartphones durch eine klare Gliederung ab: Man weiß immer, welche Kamera gerade genutzt wird und kann diese ähnlich wie bei einer großen Kamera steuern. Durch die Integration des Basic-Modus lassen sich trotzdem beliebte Funktionen wie Panorama, Bokeh-Simulationen und Selfies nutzen, ohne die App wechseln zu müssen. Die Bildqualität ist in den unteren ISO-Bereichen gut – auch bei der neuen Telebrennweite. Allerdings sollte man nicht digital zoomen oder den ISO-Wert zu stark anhebt. In dieser Hinsicht gibt es für die nächste Xperia-Generation noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Technische Daten zum Xperia 1 III



  Sony Xperia 1 III
Preis ca. 1300 Euro
Kamera 1, Objektiv 2,2/2,7 mm (16 mm) 
Kamera 1, Bildsensor 1/2,6'' (12 MP), Dual Pixel
Kamera 1, Empfindlickkeit ISO 50-1600
Kamera 2, Objektiv 1,7/5,1 mm (24 mm), OSS
Kamera 2, Bildsensor 1/1,17'', 12 MP, Dual Pixel 
Kamera 2, Empfindlickkeit ISO 64-3200
Kamera 3, Objektiv 1 2,4/10,2 mm (70 mm), OSS
Kamera 3, Objektiv 2 2,8/14,5 mm (105 mm), OSS 
Kamera 3, Bildsensor 1/2,9'' (12 MP), Dual Pixel
Kamera 3, Empfindlickkeit ISO 50-1000
Selfie/Front-Kamera (Brennweite KB-äquvalent) 2/ca. 24mm (84°)/ 1,4'' (8 MP)
Video 4K (3840 x 1644 Pixel) HDR/60p, 30p, 25p, 24p, Slowmo: 120 fps
Display 6,5'' (16,5 cm), 21:9, 4K HDR OLED (3840 x 2166)
Abmessungen/ Gewicht 165 x 71 x 8,2 mm/ 186 g
Besonderheiten Spritzwasserschutz nach IP65/68, bis zu 20 B/s, AF mit Dual-Pixeln, Eye-AF für Menschen und Tiere, 3D iTOF-Sensor, Raw-Format
Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.