Robuste Ferngläser für Outdoor-Fans

29.04.2010

Ferngläser, Kameras und andere optisch-mechanische Geräte mögen generell weder Feuchtigkeit noch Staub und Schmutz. Weil sich der Benutzer das Wetter und die Umgebung nicht immer aus suchen kann, werden abgedichtete und robuste Ferngläser unterschiedlicher Bauart angeboten

Ob auf See, beim Wandern, bei der Tierbeobachtung, auf einer Wintersportveranstaltung oder einer Großbaustelle überall muss man mit widrigen Bedingungen rechnen. Für Ferngläser ohne besonderen Schutz kann bereits der einsetzende Regen oder aufgewirbelter Staub problematisch werden. Während der Urlauber sein Fernglas bei Regen einfach wegpackt, möchten oder müssen andere Anwender es weiter benut zen. Praktisch alle Fernoptik-Produkte gibt es daher in abgedichteter Bauweise vom Taschenglas bis zum Spektiv, sowie auch Laser-Entfernungsmesser und Nachtsichtgeräte. Neben der Dichtheit ist für den rauen Einsatz auch die Robustheit ein wichtiger Aspekt. Dank glasfaserverstärkten Kunststoffen und Leichtmetall-Legierungen kann ein Gehäuse heutzutage gleichzeitig solide und leicht sein. Eine Ummantelung aus Gummi oder Kunststoff, meist als Gummiarmierung bezeichnet, schützt gegen mechanische Einflüsse. Sie dämpft zudem Anschlaggeräusche und verringert die Gefahr, dass das Fernglas aus der Hand gleitet. Überdies sind bei hochwertigen Modellen die Linsen und Prismen besonders schockresistent befestigt, damit sich das optische System weder durch Stoß noch durch extreme Temperaturen dejustiert. Einige Hersteller versprechen Funktionssicherheit für Temperaturbereiche von -25°C bis +55°C. Dies betrifft vor allem auch die Gängigkeit der Fokussierung bei starker Kälte. 
 

Von wetterfest bis druckwasserdicht

In der Fernglas-Werbung werden vielfältige Begriffe wie Allwetter, Spritzwasserschutz, regensicher, wetterfest, wasserabweisend oder druckwasserdicht benutzt. Obwohl dabei das feuchte Element stets im Vordergrund steht, sollte man nicht verges- sen, dass ein gut gegen Wasser geschütztes Fernglas auch vor Staub, Sand und Schmutz sicher ist. Wie wirkungsvoll der Schutz tatsächlich ist, geht nicht immer aus den Hersteller angaben hervor. Klarer ist die Sache, wenn der Schutzgrad nach Norm angegeben wird meist nach dem Japanischen Industrie-Standard JIS. Damit sind Testbedin gun gen verbunden, die ein Gerät unbeschadet überstehen muss  zum Beispiel die Menge, Stärke (Tropfen, Sprühnebel, Strahl etc.) und Richtung, aus der Wasser für eine bestimmte Zeit auftrifft. Häufig wird die JIS-Schutzklasse 4 angewandt: Sie verheißt Schutz gegen Spritzwasser, das aus allen Richtungen kommen darf. In der Praxis sollten solche Gläser ein paar Minuten kräftigen Regen aus halten. Der fürsorgliche Fernglas-Besitzer sieht diese Wasserfestigkeit vorbeugend gegen einen Reparaturfall, der bei einem ungeschützten Glas schnell einträte. Es empfiehlt sich, den Schutz nicht unnötig auszureizen, und das gute Stück nach Gebrauch gründlich trocken zu reiben. 
 

Wie werden Ferngläser dicht?

Zum Abdichten setzen die Konstrukteure O-Ringe ein. Die kritischsten Punkte bei einem Fernglas sind dort, wo sich Gehäusekomponenten gegen einander bewegen bzw. Einstellräder gedreht werden. Für die Scharfeinstellung bevorzugt man deshalb zwei Methoden: Die gemeinsame Scharfeinstellung der Sehkanäle (Zentralfokussierung) wird als Innen fokussierung ausgeführt, weil sich dann die optischen Komponenten im versiegelten Gehäuse innern verschieben. Bei vielen Marine-Ferngläsern ist hingegen die Fokussierung getrennt an den einzelnen Okularen üblich. Die Steigerung gegenüber spritzwasserfesten Ferngläsern stellen wasserdichte Modelle dar. Solche Ferngläser verkraften das Untertauchen in Wasser, weshalb auch der Begriff druckwasserdicht verwendet wird. Der Schutzgrad wird durch den maximalen Außendruck angegeben, wobei statt eines Wertes in bar meistens die zulässige Wassertiefe vermerkt ist. Sie liegt in der Regel zwischen 1 m und 5 m. Zum Teil wird die Angabe durch eine Zeitdauer vervollständigt, zum Beispiel fünf Minuten in einem Meter Tiefe. Hin und wieder findet man auch die Schutzklassen JIS 6 oder JIS 7 in den Beschreibungen. Im Gehäuseinnern wasserdichter Modelle wird die normale Luft durch Stickstoff (Nitrogen) oder das Edelgas Argon ersetzt. Die Gasfüllung verhindert bei starken Temperaturschwankungen das Beschlagen der Optik von innen, was einen nicht zu unterschätzenden Vorteil darstellt. Denn mit angelaufenen Linsen ist ein Fern glas ja unbrauchbar, zudem wird dadurch der Bildung von Schimmel und Korrosion vorgebeugt. Für Wassersportler kann noch etwas wichtig sein: Falls ein wasserdichtes Fernglas mal ins Wasser fallen sollte, besteht in Abhängigkeit von Volumen und Gewicht die Gefahr des Untergehens. Retter in der Not sind Schwimmtrageriemen, die als Zubehör angeboten werden. Sowohl diese Schwimmhilfen als auch manche Ferngläser selbst sind für das leichtere Auffinden in Signalfarbe gehalten. 
 

Schmutzabweisende Glasflächen

Das Säubern von echt wasserdichten Gläser gestaltet sich problemlos: Schmutz lässt sich einfach mit sauberem Wasser ab spülen. Anschlie ßend wird trocken gewischt, damit keine Wasserflecken entstehen. Okular-Schutzdeckel gegen Staub und Wassertropfen sind durchaus nützlich. Andernfalls muss man vor dem Durchschauen häufig die Okulare säubern oder trocken wischen, was nicht nur lästig ist, sondern auch die Linsenoberflächen unnötig strapaziert. Immer zur Hand sind Okular-Abdeckungen, die sich am Trage riemen befestigen lassen. An manchen Marine-Ferngläsern finden sich Okular- und Objektivschutz deckel, die nach dem Öffnen mit dem Fernglas verbunden bleiben. Hightech sorgt auch hier für mehr Komfort und Schutz, denn die Außenflächen der Objektiv- und Okularlinsen werden vermehrt mit besonderen Beschichtungen versehen. Zum einen erhöhen abriebfeste Hartvergütungen die mechanische Widerstandsfähigkeit. Zum andern verleihen hauchdünne Beschichtungen im Nanometer-Bereich wasserabstoßende und schmutzabweisende Eigenschaften. Regentropfen perlen einfach ab und Fingerabdrücke lassen sich leichter entfernen. 
Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Josef Scheibel