X-H1: Fujifilm setzt auf Gehäusestabilisator

Robustes Profimodell mit erweiterten Film-Funktionen
15.02.2018

Fujfilm hat heute sein neues Flaggschiff der spiegellosen Systemkameras mit APS-C-großem Sensor präsentiert. fotoMAGAZIN konnte die X-H1 bereits ausprobieren.

Die X-H1, die bereits im März erhältlich sein wird, begründet eine neue Kameralinie im Fujifilm-Sortiment. Sie löst die X-T2 nicht ab, sondern erweitert das Fuji-Angebot um eine Highend-Spiegellose, die sowohl die Ansprüche professioneller Fotografen als auch Videofilmer erfüllt.

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Fujifilm X-H1 VPB-XH1 GFX 50S spiegellose Systemkamera IBIS FUJINON

Fujifilm X-H1 mit dem XF 2,8/16-55 mm R LM WR.

© Lars Theiß

Alter Sensor, neu aufgehängt

Beim Sensor selbst wartet die X-H1 nicht mit neuer Technik oder höherer Auflösung auf. Es handelt sich um den aus der X-Pro2 oder X-T2 bekannten 24,3-Megapixel-X-Trans-CMOS-III-Sensor ohne Tiefpassfilter in Verbindung mit dem X-Prozessor Pro. Neu ist allerdings seine Aufhängung: Ähnlich wie bei Olympus, Panasonic oder Pentax setzt nun auch Fujifilm eine sensorbasierte Bildstabilisierung ein, genannt IBIS (In Body Image Stabilization). Sie kann mit Hilfe von drei axialen Beschleunigungssensoren, drei axialen Gyrosensoren und einem leistungsfähigen Dual-Prozessor, der auf Basis der gemessenen Daten rund 10.000 Berechnungen pro Sekunde durchführt, eine Stabilisierung von bis zu 5,5 EV-Stufen erzielen – sogar mit dem XF 1,4/35 mm ohne eingebautem optischen Bildstabilisator. Die 5-Achsen-Stabilisierung erzielt mit fast allen XF-Objektiven mehr als fünf EV-Stufen Verwacklungsausgleich.

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Fujifilm X-H1 VPB-XH1 GFX 50S spiegellose Systemkamera IBIS FUJINON

Längere Belichtungszeit 1/8 s mit der Fujifilm X-H1 aus der freien Hand durch eine Scheibe.

© Lars Theiß

Im Praxistest gelangen uns mit dem XF 2,8/16-55 mm freihand scharfe Aufnahmen mit 1/8 s (bei 56 mm entsprechend Kleinbild). Die Kamera entscheidet für jedes Objektiv individuell, welche Achsen vom Sensor und welche vom objektivseitigen Stabilisator ausgeglichen werden. Eine Wahl zwischen nur IBIS oder ausschließlich Objektiv hat der Fotograf nicht; es gibt nur alle ein- oder alle ausgeschaltet.
Der Sensor ist auf keramischen Kugellagern montiert und soll doppelt so starke Aktoren haben wie Systeme anderer Hersteller. Funktionen wie MultiShot sind derzeit nicht möglich, doch vielleicht überrascht Fujifilm mit einer Nachrüstung über ein Firmware-Update.

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Fujifilm X-H1 VPB-XH1 GFX 50S spiegellose Systemkamera IBIS FUJINON

Fujifilm X-H1 mit Schulterdisplay.

© Fujifilm

Beim Reduzieren von Verwacklungen hilft zudem der überarbeitete Verschluss. Mit dem elektronischen ersten Verschlussvorhang und dem komplett elektronischen Verschluss (bis 1/32.000 s) lassen sich Vibrationseffekte nahezu vollständig ausschließen. Zusätzlich wurde der Auslösetaste der Druckpunkt genommen. Sie funktioniert nun über Blattfedern und wurde dadurch sensibler und schneller, was allerdings gewöhnungsbedürftig ist und in der Praxis zu dem einen oder anderen verfrühten Schuss führt.
Neu bei Fuji ist der Flimmerreduzierungsmodus. Unter dem Flackern von Kunstlicht sorgt die Funktion dafür, dass die Kamera nach einer Korrekturzeit in dem Moment auslöst, in dem die Belichtung zur ermittelten Belichtungszeit passt. So sollen in Bildserien Schwankungen in der Helligkeit und beim Weißabgleich vermieden werden.
Serienaufnahmen macht die X-H1 ca. 14 Bilder/s (nur mit dem elektronischen Verschluss), dabei 40 JPEGs, 27 Raws verlustfrei und 23 Raws unkomprimiert in Folge.

Sucher und LCDs

Feines bietet Fuji beim Sucher. Er löst 3,69 Millionen Bildpunkte auf. Für Brillenträger bietet er mit seiner 0,75-fachen Vergrößerung einen guten Einblick. Aufgrund der kurzen Reaktionszeit von 0,005 Sekunden und einer schnellen Bildwiederholrate von 100 Bildern pro Sekunde gibt er Bewegungen im Sucherbild flüssig wieder.

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Fujifilm X-H1 VPB-XH1 GFX 50S spiegellose Systemkamera IBIS FUJINON

Das Display der Fujifilm X-H1 kann nach oben, unten und zur Seite geschwenkt werden.

© Fujifilm

Das 7,6 cm (3 Zoll) große Touchscreen-LCD auf der Rückseite lässt sich – wie bei der X-T2 (hier im Test) – in drei Richtungen klappen und schwenken, bietet aber nicht den Bewegungsspielraum wie Modelle anderer Hersteller. Es verfügt über 1,04 Millionen Bildpunkte. Aus seiner spiegellosen Mittelformatkamera GFX 50S hat Fujifilm das (beleuchtbare) 3,25 cm (1,28 Zoll) große Schulterdisplay übernommen, auf dem sich die wichtigsten Aufnahmeparameter sofort gut ablesen lassen.

Videotalente

Bei der X-H1 wurden 20 Funktions- und Leistungsverbesserungen im Videobereich integriert. Als erste Kamera der X-Serie bietet sie die Eterna-Filmsimulation (auch für Fotos), deren subtile Farbwiedergabe und detailreiche Tiefen – aus analogen Filmzeiten – dem Filmer in der Nachbearbeitung kreativen Spielraum eröffnet. Für eine optimale Bildqualität lassen sich Videos mit einer hohen Bitrate von 200 MBit/s (Farbunterabtastung: 4:2:2, Farbtiefe: 8 Bit) aufzeichnen.

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Fujifilm X-H1 VPB-XH1 GFX 50S spiegellose Systemkamera IBIS FUJINON

Der Blattfedermechanismus des Auslösers.

© Fujifilm

Ferner bietet die Kamera die Cinema-4K-Aufnahme im Format 17:9 mit 30p (Crop-Faktor 1,17 wie in der X-T2), DCI-4K-Aufnahme 4096 x 2160 mit 24p, die Full-HD-Aufnahme mit 120 Bildern pro Sekunde für flüssige Zeitlupen (2x, 4x, 5x), die F-log- und Timecode-Aufzeichnung sowie die 4K-F-Log-Aufnahme direkt auf SD-Karte, einen 400 % Dynamikbereich (ca. 12 Blendenstufen) und ein integriertes Mikrofon mit hoher Klangqualität (24 Bit/48 kHz). Gespeichert werden die Daten auf SD-Karten (UHS-II), für die zwei Slots vorhanden sind.

Harter Kern

Neben der Funktionsfülle muss auch das Gehäuse professionellen Ansprüchen genügen. Zu diesem Zweck hat Fujifilm der X-H1 einen im Vergleich zur X-T2 um 25 Prozent stärkeren Rahmen aus einer Magnesiumlegierung mit Armierungen verpasst. Damit einher geht eine bessere Ableitung von unerwünschter Wärme durch einen größeren Kühlkörper. Die äußere, überarbeitete Beschichtung soll besonders unempfindlich gegen Kratzer sein. Mit über 100 Dichtungen ist die Kamera besonders vor Staub und Nässe geschützt und auch bei Temperaturen bis minus 10° Celsius voll funktionstüchtig.

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Fujifilm X-H1 VPB-XH1 GFX 50S spiegellose Systemkamera IBIS FUJINON

Die Magnesiumlegierung des Gehäuses ist dicker und armiert.

© Fujifilm

Das Handling der X-H1 ist komfortabler und bequemer als beispielsweise bei der X-T2. Der Griff ist größer geworden, die Tasten auf der Rückseite ebenso und den aktiven AF-Punkt kann der Fotograf mittels Joystick verschieben. Neu ist die AF-On-Taste für den Daumen, die lediglich die automatische Fokussierung aktiviert. Der Autofokus wurde ebenfalls weiterentwickelt: Seine Empfindlichkeit wurde auf minus 1 EV erweitert, was eine Funktionstüchtigkeit mit Objektiven bis zur Anfangsöffnung von Blende f/11 erlaubt, also auch mit lichtschluckenden Konvertern. Pro AF-Punkt werden 10.000 Phasenerkennungspixel genutzt, die bis zu 60 Datenanalysen gleichzeitig durchführen. Davon profitiert der Nachführ-AF, der schneller und sicherer geworden sein soll.

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Fujifilm X-H1 VPB-XH1 GFX 50S spiegellose Systemkamera IBIS FUJINON

Aufnahme mit der neuen Fujifilm X-H1: hoher Dynamikumfang bei ISO 200.

© Lars Theiß

Mit anderen Geräten kommunizieren kann die X-H1 via Wi-Fi und Bluetooth kabellos. Für physischen Kontakt gibt es USB 3.0, HDMI micro, 3,5 mm Stereo-Miniklinkenstecker (Mikrophon), ein Fernauslöser-Anschluss, Blitzschuh (Blitzgerät ist nicht eingebaut) und ein Blitz-Synchronisationsanschluss. Mit Akku und Speicherkarten kommt die X-H1 auf 673 Gramm.

Zubehör

Richtig rund wird die Neuheit mit dem neuen Batteriegriff VPB-XH1. Er bietet die wichtigsten Steuerungsfunktionen der Kamera für Hochformataufnahmen und fasst zwei Akkus, die zusätzlich zum kamerainternen Akku für bis zu 900 Aufnahmen genutzt werden können. Das schadet keinesfalls, denn auf unserer Fototour leerten sich die Akkus NP-W126S (bekannt u. a. aus der X-T2) rapide. Es lassen sich allerdings auch die bekannten Akkus NP-W126 mit reduzierter Leistung verwenden.

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Fujifilm X-H1 VPB-XH1 GFX 50S spiegellose Systemkamera IBIS FUJINON

Fujifilm X-H1 mit VPB-XH1: zusätzliche Tasten für bequemes Fotografieren im Hochformat.

© Fujifilm

Der Griff lohnt sich jedoch vor allem, weil er tatsächlich einen "Boost" (inklusive eigenem Schalter dafür) bietet. Mit ihm werden die Serienbildgeschwindigkeit (von 8 auf 11 B/s), die AF-Geschwindigkeit, die Bildrate des elektronischen Suchers und die Reaktionszeit der Kamera beschleunigt sowie die minimale Blackout-Zeit weiter verkürzt. Bei 4K-Filmaufnahmen mit Batteriegriff verlängert sich die maximale Aufnahmedauer laut Fuji auf fast 30 Minuten. Das mitgelieferte Netzteil (AC-9VS) lädt die beiden Akkus im Griff innerhalb von etwa zwei Stunden wieder auf. Die von der GFX bekannte und sehr variable Augenmuschel EC-XH-W kann an der X-H1 ebenfalls verwendet werden.

Preise und Ausblick

Für die X-H1 ruft Fujifilm knapp 1900 Euro auf, mit dem Batteriegriff VPB-XH1 sind es 300 Euro mehr. Das Kit mit dem Batteriegriff und dem XF 2,8/16-55 mm L RM WR wird rund 3200 Euro kosten. Neben der Kamera wurden zwei neue, professionelle Fujinon-Cine-Objektive mit X-Bajonett angekündigt, das  MKX18-55 mm T2.9 und das MKX50-135 mm T2.9, die beide ab Mai erhältlich sein sollen. Ende des Jahres sollen das bereits vorgestellte lichtstarke Teleobjektiv XF 2/200 mm R LM OIS WR und das Ultra-Weitwinkel-Zoomobjektiv XF 2,8/8-16 mm R WR folgen.

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Fujifilm X-H1 VPB-XH1 GFX 50S spiegellose Systemkamera IBIS FUJINON

Zu den beiden neuen Cine-Objektiven zählt das MKX18-55 mm T2.9, hier an der X-H1.

© Lars Theiß

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Technikredakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.