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Lumix GH6 mit seitlich ausgeklapptem Monitor.
Lumix GH6 mit seitlich ausgeklapptem Monitor.
Bild: Panasonic

Panasonic Lumix GH6 kommt mit 25-Megapixel-Sensor

Preis: ca. 2200 Euro
22.02.2022

Mit der Lumix GH6 stellt Panasonic das neue Micro-Four-Thirds-Spitzenmodell aus der Hybrid-Serie vor: Die mit einem neuen Bildsensor ausgestattete Kamera kann nun Raw-Video mit 5,7K aufnehmen. Wir hatten bereits ein Vorserienmodell in der Hand.

Die hybride GH-Serie wendet sich sowohl an Fotografen als auch an Filmer und ist entsprechend mit starken Videofunktionen ausgestattet. So kann die im Mai letzten Jahres angekündigte Lumix GH5 II bereits 4K/60p aufzeichnen. Die parallel vorangekündigte Lumix GH6 sollte eigentlich Ende 2021 auf den Markt kommen und 5,7K/60p aufnehmen. Wegen der Corona-Pandemie und Lieferengpässe hat sich die Markteinführung um einige Monate verschoben: Die Kamera soll nun Anfang März für ca. 2200 Euro verfügbar sein.

Die Lumix GH6 hat die höchste Auflösung aller Micro-Four-Thirds-Kameras

Klar war schon bei der Ankündigung, dass die Kameras für die 5,7K-Videoauflösung einen höher auflösenden Bildsensor benötigen würde, denn der 20-MP-Sensor der bisherigen Kameras erreicht in der Bildbreite nur 5184 Pixel. Der neue CMOS-Sensor löst nun also 25,4 MP auf, was für die Videoauflösung 5,7K reicht (5776 Pixel in der Breite). Bekannt ist, dass der Sensor auf ein Tiefpassfilter verzichtet, Angaben zu einer möglichen BSI- oder Stacked-Bauweise (siehe OM-1) macht Panasonic nicht. Die Auslesegeschwindigkeit soll aber verbessert worden sein, sodass Rolling-Shutter-Verzerrungen minimiert wurden. Die neue Venus Engine liefert laut Panasonic eine deutlich höhere Rechenleistung (etwa doppelt so schnell wie in der Lumix S1H).

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Magnesium-Gehäuse der GH6

Das Gehäuse der Lumix GH6 basiert auf einem Magnesium-Gerüst und ist spritzwasser-, staub- und und frostbeständig bis -10 Grad.

Bild: Panasonic

Raw-Video mit 5,7K

Die Lumix GH6 bringt diverse Videomodi mit. In fast allen nimmt sie ohne Crop auf (ausgenommen 4,4K/60p anamorph). Die höchste Qualität und Datenrate (1903 Mbits/s) steht im ProRes-HQ-Raw-Modus mit 5,7K/30p zur Verfügung. 5,7K/60p mit H.265-Codec lässt sich mit 10 Bit und 4:2:0 bei einer Datenrate von 300 Mbit/s aufnehmen. Bei Cinema-4K/60p (4:2:2, 10 Bit) ist sogar eine simultane Aufzeichnung intern (Speicherkarte) und extern (per HDMI) möglich.

Zeitlupen gelingen in 4K mit 120p (5fach)  – sogar mit AF-Nachführung – oder in Full-HD mit bis zu 300p (12,5fach). Voraussetzung für die ProRes-Aufzeichnung und einige All-Intra-Modi ist eine schnelle CFexpress-Speicherkarten. Ein zweites Laufwerk steht für SD-Karten zur Verfügung. Die Aufnahmezeit soll prinzipiell unbegrenzt sein, abhängig natürlich von der Kapazität der Speichermedien. Für ausreichend Strom steht USB-Power-Delivery zur Verfügung.

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Lüfter in der Lumix GH6

Die Lumix GH6 ist mit einem Lüfter ausgestattet.

Bild: Panasonic

Mit dem ab Werk installierten V-Log-Profil verspricht Panasonic einen Dynamikumfang von über 12 Blendenstufen, der sich bei Verwendung des "Dynamic Range Boost"-Modus (ab ISO 800) auf mehr als 13 Blendenstufen steigern lässt. Dabei wird der Sensor parallel zweimal ausgelesen wird. Aus der Low-ISO-Schaltung wird ein Bild mit hoher Sättigung und aus der High-ISO-Schaltung ein rauscharmes Bild ausgelesen. Der Bildprozessor rechnet die Pixel dann zusammen und generiert ein Gesamtbild mit geringem Rauschen und hoher Sättigung.

Laut Panasonic deckt der Sensor der GH6 ein weites Farbspektrum ab (V-Gamut). Außerdem importiert die Kamera die Farbmetrik der Panasonic VariCam-Kinokameras. V709 LUT (Look Up Table) mit Rec.709 ist standardmäßig verfügbar. Weiteren Komfort bietet der V-Log View Assist, der LUTs in Echtzeit anwenden kann. Zudem wird erstmals der Import von .CUBE- wie .VLT-Dateiformaten unterstützt.

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Rückseite der Lumix GH6

Aufgeräumte Rückseite. Zum Verschieben des AF-Messfelder steht neben dem Touch-Monitor auch ein AF-Joystick zur Verfügung.

Bild: Panasonic

Zu den zahlreichen Video-Features gehören Assistenz-Funktionen wie Waveform-Monitor, Zebramuster und Helligkeits-Spot-Messung. Neu ist die Sicherheitszonen-Markierung, die einen Aufnahmebereich von 95 %, 90 % oder 80 % im Bild anzeigt, in dem bei professionellen TV-Produktionen kein Senderlogo oder Laufband eingeblendet wird. Auch den Audio-Bereich hat Panasonic verbessert. So lässt sich über einen XLR-Adapter 4-Kanal-Audio aufzeichnen. Weitere Funktionen sollen nach und nach per Firmware-Update zur Verfügung stehen. Im Einzelnen sind das:

  • Cinema 4K ProRes 422 HQ / ProRes 422
  • Full HD ProRes 422 HQ / ProRes 422
  • Direkte Aufzeichnung auf USB-SSD
  • 4K/120p HDMI-Videoausgang während Live View
  • Cinema 4K/120p HDMI-RAW-Video-Datenausgang zum ATOMOS Ninja V+

Erster Eindruck der Lumix GH6 im Hands-on-Test

Äußerlich ähnelt die GH6 auf den ersten Blick der GH5 II, allerdings ist sie etwas tiefer, was vor allem an der aktiven Kühlung liegt – an den Seiten sind die Kühlrippen zu sehen. Interessant ist der neue Klappmechanismus des Monitors. Dieser lässt sich wie bisher zur Seite ausklappen und drehen, er kann aber auch in der optischen Achse bleiben und lässt sich dann trotzdem für Untersichten ausklappen. Ein weiterer Vorteil des neuen Klappmechanismus ist, dass er sich auch einsetzen lässt, wenn HDMI- und USB-Kabel angeschlossen sind. Bei der HDMI-Buchse handelt es sich übrigens um den großen Typ A.

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GH6 mit ausgeklapptem Monitor

Der Monitor hat auch in ausgeklapptem Zustand beim Drehen genug Abstand zu USB- oder HDMI-Kabeln.

Bild: Panasonic

Der Monitor hat eine Diagonale von 7,5 cm, eine Auflösung von 1,84 Millionen Punkten und erlaubt wie bei Panasonic üblich, die konsequente Touch-Bedienung der Kamera. Der OLED-Sucher hat wie gewohnt eine Auflösung von 3,68 Millionen Punkten und eine Vergrößerung von 0,76x (entsprechend KB). Leichte Veränderungen gibt es bei den Bedienelementen: So ist auf der Oberseite eine Audio-Info-Taste hinzugekommen. Ein roter Videostartknopf befindet sich jetzt nicht nur auf der Ober-, sondern auch auf der Vorderseite. Tally-Lichter, welche die laufende Aufnahme signalisieren, befinden sich nun auf der Vorder-und Rückseite.

Das bietet die Lumix GH6 für Fotografen

Doch nicht nur für Filmer, sondern auch für Fotografen bietet die GH6 interessante Neuerungen. So wurde die Effektivität des Bildstabilisators auf 7,5 Blendenstufen verbessert: Dieser Werte gilt sowohl für den IBIS alleine, als auch für die Kombination aus IBIS und O.I.S.-Objektiven und zwar bis zu einer Brennweite von 140 mm (280 mm entsprechend Kleinbild).

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GH6 von oben

Der Pixel-Shift-Modus ist direkt über das linke Einstellrad zugänglich.

Bild: Panasonic

Erstmals ist es nun bei einer Panasonic-Kamera möglich, Pixel-Shift-Aufnahmen aus der Hand zu erstellen: Sowohl bei Aufnahmen aus der Hand als auch von Stativ entstehen so Bilder mit 100 Megapixeln, wobei die Kamera bei Bewegungen im Bild nur eine Aufnahme mit 25 MP heranzieht, um Artefakte zu vermeiden.

Serien schießt die Lumix GH6 mit bis zu 75 Bildern/s, dann allerdings nur mit elektronischem Verschluss und ohne Autofokus-Nachführung. Eine AF-Nachführung ist erst bei 8 Bilder/s mit mechanischem Verschluss möglich; damit fällt die GH6 weit hinter die OM-1 zurück, die den AF sogar bei 50 Bildern/s nachführen kann. Ein Grund hierfür dürfte sein, dass Panasonic nach wir vor auf einen Kontrast-AF mit DFD-Unterstützung setzt und keine Phasen-Detektionspixel integriert hat. Vermissen könnten Fotografe auch den Modus "Live View Composite" für Langzeitbelichtungen, den bspw. die Lumix S5, G91 und G110 mitbringen.

Preis und Verfügbarkeit der Lumix GH6

Die GH6 wird ab März 2022 als Gehäuse und in zwei Kits in den Handel kommen. Die unverbindliche Preisempfehlung für das Gehäuse liegt bei 2200 Euro. Mit dem Lumix 3,5-5,6/12-60 Power O.I.S. werden 2400 Euro fällig, mit dem Leica 2,8-4,0/12-60 mm O.I.S. 2800 Euro. Panasonic bietet außerdem eine „Early-Bird“-Promotion mit kostenloser 128-GB-CFexpress von Lexar im Wert von ca. 250 Euro an. Sie beginnt ab der Auslieferung im März und läuft bis zum 30. April 2022.

> Panasonic Lumix GH6 in der fotoMAGAZIN-Kameradatenbank
 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Journalist und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.