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Die Panasonic Lumix G110 eignet sich besonders gut für Video-Selbstaufnahmen.
Die Panasonic Lumix G110 eignet sich besonders gut für Video-Selbstaufnahmen.
Bild: Panasonic
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Panasonic Lumix G110 | Die neue VLOGGER-Kamera in der Expertenreview

Panasonic Lumix G110: kompakte MFT-Kamera mit Video-Ausrichtung

Preis: ca. 750 Euro mit Objektiv
24.06.2020

Trotz Sucher ist die Lumix G110 sehr kompakt. Ein besonders hochwertiges Mikrofon und weitere Funktionen machen die Micro-Four-Thirds-Systemkamera speziell für Vlogger attraktiv. Wir konnten bereits ein Vorserienmodell ausprobieren.

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Der Monitor der G110 lässt sich auch zur Seite ausklappen.

Der Monitor der Lumix G110 lässt sich auch zur Seite ausklappen.

Bild: Panasonic

Die Lumix G110 ist nicht etwa die Nachfolgerin des gehobene Mittelklassemodels G91, sondern zwischen der GX9 und G91 angesiedelt. Das macht sich schon beim attraktiven Preis von ca. 750 Euro mit dem kleinen Kitobjektiv 3,5-5,6/12-32 mm Mega O.I.S (24-62 mm KK-äquivalent) bemerkbar. Für Vlogger dürfte das zweite Kit für 50 Euro Aufpreis interessant sein. Hier wird ein Stativgriff mitgeliefert, der mit der Micro-USB-Buchse der Kamera verbunden werden kann und dann auch als Auslöser dient (für Foto und Video). Der Griff soll zukünftig übrigens auch mit anderen Kameras kompatibel sein (GH5, GH5sG9, G91, G81 nach Firmware-Update). Schließlich ist ein Double-Zoom-Kit für ca. 950 Euro erhältlich, das neben dem 12-32 mm das sehr kleine Telezoom 4,0-5,6/35-100 mm Mega O.I.S. enthält.

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Für 50 Euro Aufpreis gibt es einen Stativgriff mit Auslöser, der auch mit anderen Kameras kompatibel sein soll.

Für 50 Euro Aufpreis gibt es einen Stativgriff mit Auslöser, der auch mit anderen Kameras kompatibel sein soll.

Bild: Panasonic

Bildsensor mit 20 Megapixeln

Der CMOS-Bildsensor der G110 ist aus anderen aktuellen MFT-Kameras von Panasonic bekannt: Er löst 20 Megapixel auf und kommt für eine maximale Schärfe ohne optisches Tiefpassfilter aus. Der 3,0-Zoll Monitor mit 1,8 Millionen Punkten ist voll beweglich und dank Touchscreen lassen sich auch bei der Selbstaufnahme viele Funktionen direkt auf dem Monitor steuern. Beeindruckend ist, dass Panasonic trotz der sehr kompakten Abmessungen einen hochauflösenden (3,7 Mio. Punkte) und großen LCD-Sucher (Vergrößerung 0,73x im Vergleich zum Kleinbild) integriert hat.

Starke Audio- und Videofunktionen

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Trotz der kompakten Abmessungen ist die G110 mit einem großen Sucher ausgestattet. Das AF-Messfeld lässt sich auch im Sucherbetrieb über den Touchscreen verschieben.

Bild: Panasonic

Wie es sich für eine Vlogger-Kamera gehört, bringt die Lumix G110 einige leistungsfähige Audio- und Videofunktionen mit. 4K-Filme (3840 x 2160 Pixel) nimmt sie mit bis zu 30p auf, wobei die Cliplänge auf zehn Minuten begrenzt ist. Ein Schwachpunkt bei 4K ist der Crop, der den Weitwinkel des Kitobjektivs auf kleinbildäquivalente 32 mm einschränkt, was vor allem bei Selbstaufnahmen lästig ist. Schaltet man zusätzliche zum Objektivstabilisator (O.I.S) noch einen elektronischen Videostabilisator mit eigenem Gyrosensor zu (E.I.S.), so verlängert sich der Crop sogar auf ca. 1,75fach. Die kombinierte Stabilisierung aus O.I.S und E.I.S. funktioniert bei Full-HD-Videos auf fünf Achsen, bei 4K auf vier Achsen. Einen IBIS (Im Body Image Stabilizer) mit Sensorverschiebung bringt die Kamera um Gegensatz zu vielen anderen Panasonic-Modellen nicht mit.

Für das nachträgliche Grading steht ein flaches V-Log-L-Profil zur Verfügung, das für eine kontrastreiche Vorschau in der Kamera mit einer Look-Up-Table kombiniert werden kann. Full HD nimmt die Kamera mit 60p auf, wobei die maximale Clip-Länge 20 Minuten beträgt; ab 30p sind es 30 Minuten. Direkt über das Modusrad zugänglich sind die S&Q-Modi (Slow & Quick, also Zeitlupe und Zeitraffer): So sind Aufnahmen mit bis zu 120p (4fach-Zeitlupen bei 30p-Wiedergabe) oder 3p (8facher-Beschleunigung) möglich. Aus Zeitrafferaufnahmen lassen sich übrigens 4K-Time-Lapse-Videos erstellen.

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Die Lumix G110 nimmt mit V-LogL auf, für die Vorschau am Kameramonitor lässt sich eine Look-Up-Table laden.

Bild: Panasonic

Die laufende Video-Aufnahme wird von einem roten Rahmen markiert – ähnlich einem Tally-Aufnahmelicht bei anderen Kameras. Außerdem lassen sich verschiedene Beschnittrahmen für den Einsatz auf Social-Media-Plattformen einblenden, beispielsweis quadratisch oder 5:4. Hochkantvideos werden so markiert, dass sie am Smartphone automatisch korrekt dargestellt werden. Selbstverständlich gibt es im auch im Videomodus eine automatische Gesichtserkennung, die Fokus und Belichtung anpasst.

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Für den Einsatz von Video auf Social-Media-Plattformen lassen sich passende Rahmen einblenden.

Bild: Panasonic

Eine echte Neuheit ist das Mikrofon, das die OZO-Audio-Technologie von Nokia nutzt. Hierbei werden drei Mikrofonkapseln eingesetzt, die sich nach vorne, nach hinten oder zu allen Seiten ausrichten lassen (Surround). Eine Weltneuheit ist laut Panasonic das Tracking, bei dem die Kamera den Aufnahmewinkel des Mikros auf Basis der Gesichtserkennung anpasst; so ändert das Mikrofon die Richtung, wenn eine Person von links nach rechts wandert. Im Auto-Modus schaltet die Kamera selbsttätig zwischen Surround und Tracking um. Wer trotzdem lieber mit einem externen Mikrofon arbeiten will, findet eine 3,5-mm-Klinkenbuchse vor. Kopfhörer lassen sich nicht anschließen. Der Tonpegel kann übrigens auch manuell ausgesteuert werden.

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Die OZO-Audio-Technologie von Nokia ermöglicht das automatische Tracking eines Sprechers.

Die OZO-Audio-Technologie von Nokia ermöglicht das automatische Tracking eines Sprechers.

Bild: Panasonic

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Beim Tracking wird automatisch die Ausrichtung des Mikrofons geändert.

Beim Tracking wird automatisch die Ausrichtung des Mikrofons geändert.

Bild: Panasonic

4K Foto mit Fokus-Stacking

Wie bei Panasonic üblich, stehen auch in der Lumix G110 4K-Foto-Funktionen zur Verfügung, bei denen sich aus einem kurzen Clip mit 30 Bilder/s nachträglich Einzelbilder mit rund 8 Megapixeln speichern lassen. Besonders interessant sind zwei Modi: Bei „Post-Fokus“ fährt der Autofokus einmal über das Motiv, sodass man nachträgliche eine Schärfeebene auswählen kann. Auch Fokus-Stacking ist möglich. Dabei werden die verschiedenen Schärfeebenen in der Kamera zu einem Bild mit maximaler Schärfentiefe verrechnet. Der zweite 4K-Foto-Spezialmodus heißt „Sequenzkomposition“. Hierbei wird ein sich vor einem statischen Hintergrund bewegendes Motiv mehrfach in das Endbild montiert – so lassen sich beispielsweise Bewegungsabläufe von Sportlern erfassen. Voraussetzung hierfür ist der Einsatz eines Stativs.

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Das Kitobjektiv startet bei 12 mm (24 mm entsprechend Kleinbild). Hier mit Blende f/7,1 und mit intelligenter Automatik aufgenommen. Die Weitwinkel-Aufnahmen sind sehr scharf, was auch am Sensor ohne Tiefpassfilter liegen dürfte.

Bild: Andreas Jordan

Für Selfie-Fotografen kommen zahlreiche Funktionen hinzu, beispielsweise eine Hautglättung, eine Verschlankung des Gesichts oder eine künstliche Hintergrundunschärfe. Einfach ist auch die Übertragung der Bilder auf ein Smartgerät, auf dem die Lumix Sync-App installiert ist. Sind Kamera und Smartphone per Bluetooth gekoppelt, so genügt ein Druck auf die Share-Taste (Fn4) und Bilder oder Videos werden per Wi-Fi übertragen. Weitere Funktionen der Lumix G110 sind der integrierte Raw-Konverter, eine Retusche-Funktion, der Videoschnitt in der Kamera, Stop-Motion-Animationen, das lautlose Auslösen mit elektronischem Verschluss, diverse Bracketing-Optionen (Fokus, Belichtung, Weißabgleich), Mehrfachbelichtungen, HDR und eine Augenerkennung.

Schnelle Serien

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Die Brennweite des Kitobjektivs endet bei 32 mm (64 mm entsprechend Kleinbild). Auch hier sind die Aufnahmen sehr scharf.

Bild: Andreas Jordan

Serienbilder schießt die neue Lumix mit gut 10 Bildern/s bei Verwendung des elektronischen Verschlusses, mit AF-Nachführung sank die Frequenz auf 6,2 B/s, mit mechanischem Verschluss auf 5,8 Bilder/s. Bei JPEGs sind extrem lange Serien möglich (wir haben den Test bei 400 abgebrochen), bei Raws haben wir 30 in Folge bei 10,3 Bildern/s ermittelt. Der mechanische Verschluss ist übrigens immer mit einem ersten elektronischen Verschluss kombiniert und schafft als kürzeste Verschlusszeit 1/500 s, mit reinem E-Verschluss ist 1/16.000 s möglich.

Der Akku liefert Strom für 270 Fotos mit Monitor, 250 mit Sucher und 900 im Eco-Modus. Beim Video hält er bei kontinuierlicher Aufnahme 80 bis 90 Minuten durch. Er lässt sich per USB laden, aber nicht mit Dauerstrom versorgen.

> Panasonic Lumix G110 in der fotoMAGAZIN-Kameradatenbank

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.