Nikon D6: Profi-SLR mit verbessertem Autofokus

Anfang April für ca. 7300 Euro erhältlich
12.02.2020

Nach der Vorankündigung im September hat Nikon nun die Profi-SLR D6 im Detail vorgestellt. Sie bringt unter anderem einen verbesserten Autofokus mit. Wir hatten bereits die Gelegenheit zu einem kurzen Praxis-Check.

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Die Fn-Taste 3 ist nun mit einem Mikrofon-Symbol beschriftet. Sie dient dazu, kurze Kommentare zu den Bilder aufzunehmen.

Die Fn-Taste 3 ist nun mit einem Mikrofon-Symbol beschriftet. Sie dient dazu, kurze Kommentare zu den Bilder aufzunehmen.

Bild: Nikon

Am 4. September hatte Nikon angekündigt an einer neuen Profi-SLRs mit F-Bajonett zu arbeiten. Die wesentlich Aussage war dabei, das Nikon – wie auch Canon mit der EOS-1D X  Mark III  – im Sportbereich nach wie vor auf die Spiegelreflextechnik und nicht auf spiegellose Systemkameras setzt. Während der Pressekonferenz Anfang Februar haben wir nun die Details erfahren und konnten die Kamera kurz ausprobieren.

Schon auf den ersten Blick wird klar, dass Nikon seinen Profis keine Experimente zumuten will. Die D6 ist äußerlich kaum von ihrer Vorgängerin zu unterscheiden. Im genauen Vergleich fällt auf, dass der Sucherhügel fünf Millimeter höher ausfällt, was an dem neu integrierten GPS-Modus liegt. Neu hinzugekommen ist der Kensington-Lock zum Sichern der Kamera. Keine Überraschungen gibt es beim Blick durch den Sucher (0,72fache Vergrößerung) oder auf den Monitor (3,2 Zoll, 2,359 Millionen Bildpunkte): Beide sind gegenüber der D5 unverändert.

Verbesserter Autofokus

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Der Sucherhügel ist wegen des GPS-Moduls etwas größer geworden.

Bild: Nikon

Die wohl wichtigsten Änderungen gibt es beim Autofokus. Auf den ersten Blick irritierend: Die Anzahl der AF-Messfelder hat Nikon von 153 auf 105 reduziert, allerdings sind nun alle Kreuzsensoren (vorher 99) und die Bildfeldabdeckung wurde verbessert. Der aus der Z-Serie und der D780 bekannte Bildprozessor EXPEED 6 ermöglicht außerdem verbesserte AF-Algorithmen. In Kombination mit dem nach wie vor 180.000 RGB-Pixel auflösenden Belichtungssensor sollen sich per Sucher-Autofokus nicht nur Gesichter, sondern sogar Augen erkennen lassen, wenn auch nicht so gut wie im Live-View, in dem die volle Sensorauflösung zur Verfügung steht. Außerdem bringt die Kamera eine größere Auswahl an definierbaren Mustern für die Messfeldgruppensteuerung mit. Die Empfindlichkeit des mittleren Messfelds wurde ebenfalls verbessert. Sie reicht nun bis -4,5 EV, die anderen bleiben bei -4 EV. Bei Aufnahmen mit automatischer Messfeldsteuerung kann das erste Fokusmessfeld als Ausgangspunkt frei definiert werden. Im Einzel-AF-Modus wurde der Berechnungsbereich vergrößert.

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Die Autofokus-Messfelder der D6 sind dichter angeordnet als bei der D5.

Die Autofokus-Messfelder der D6 sind dichter angeordnet als bei der D5.

Bild: Nikon

Der Live-View-AF beruht nach wie vor ausschließlich auf einer Kontrastmessung und nicht wie bei der Nikon D780 auf einem Hybridsystem. Er machte im ersten Test trotzdem einen brauchbaren Eindruck, wobei die Geschwindigkeit natürlich vom Objektiv abhängig ist.

Der Bildsensor hat sich ebenfalls gegenüber der D5 nicht verändert. Er löst nach wie vor 20,8 Megapixel auf. Trotzdem will Nikon die Bildqualität durch den neuen Bildprozessor verbessert haben – das Rauschverhalten soll um 1/3 bis 1/2 Blendenstufe besser ausfallen. Der Empfindlichkeitsbereich geht wie bei der D5 von ISO 100 bis ISO 102.400 und lässt sich auf 50 und 3,28 Millionen erweitern. Näheres zur Bildqualität wird ein Labortest in einer der nächsten fotoMAGAZIN-Ausgaben ergeben.

Serien und 4K-Video

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Neu: Dank Kensington-Lock lässt sich die D6 jetzt besser sichern.

Neu: Dank Kensington-Lock lässt sich die D6 jetzt besser sichern.

Bild: Nikon

Im Serienbildmodus hat die D6 zwei Bilder/s zugelegt und bringt es nun laut Nikon auf 14 Bilder/s, im Live-View mit elektronischem Verschluss sind es 10,5 Bilder/s – Angaben zur Puffergröße hat Nikon noch nicht gemacht. Vergleicht man dies mit der EOS-1D X Mark III geht der Punkt an Canon: Die Mark III macht laut Datenblatt mit mechanischem Verschluss 16 Bilder/s und im Live-View mit E-Verschluss sogar 20 Bilder/s.

Unverändert ist der Videomodus: Die D6 nimmt maximal 4K mit 30p und Crop auf (alternativ 25p und 24p). Die EOS-1D X hat die besseren Spezifikationen und kann maximal 5,5K/60p und natürlich auch 4K/60p aufzeichnen.

Weitere Neuerungen der Nikon D6

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Nikon hat bereits erste Praxisbilder publiziert: Diese Aufnahmen entstand mit ISO 2500.

Nikon hat bereits erste Praxisbilder publiziert: Diese Aufnahmen entstand mit ISO 2500.

Bild: Nikon

Wie Canon bei der EOS-1D X Mark III oder Sony bei der Alpha 9 II hat auch Nikon an der Konnektivität gearbeitet. So lassen sich nun besonders wichtige Aufnahmen bei der Übertragung per WLAN oder Ethernet in die Redaktion an den Anfang der Warteschlange setzen. Über 1000BASE-T-Ethernet soll die Übertragung außerdem 15 % schneller erfolgen. WLAN ist jetzt fest eingebaut, wobei natürlich auch weiterhin der leistungsstärkere externe Adapter WT-6 verwendet werden kann, der auch die FTP unterstützt. Bluetooth hat Nikon ebenfalls integriert. Beide Speicherkartenlaufwerke unterstützen neben XQD- auch CFexpress-Karten. Für die D5 soll es hierfür ein Firmware-Update geben. Der Akku liefert Strom für rund 3500 Aufnahmen.

Die Nikon D6 soll Anfang April für ca. 7300 Euro erhältlich sein.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.