Canon EOS 5D Mark IV kommt mit 30 Megapixeln

Preis: ca. 4065 Euro
25.08.2016

Viereinhalb Jahre nach der EOS 5D Mark III bringt Canon im September die Nachfolgerin 5D Mark IV. Die Kamera wurde komplett überarbeitet und wartet mit einer völlig neuen und überraschenden Funktion auf. Wir hatten die Vollformat-SLR bereits in der Hand

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Canon EOS 5D Mark IV

Der 3,2-Zoll-Monitor ermöglicht die Touchscreen-Bedienung

© Canon

Äußerlich hat sich das Gehäuse der EOS 5D Mark IV wenig geändert – wer die EOS 5D Mark III kennt, muss sich also nicht umgewöhnen. Eine der wenigen Änderungen ist ein zusätzlicher Knopf auf der Rückseite zwischen Daumenrad und Joystick, der mit verschiedenen Funktionen belegt werden kann. Neu ist auch die optionale Touchscreen-Bedienung über den 3,2-Zoll-Monitor (1,62 Mio. Punkte). Hier lässt sich nicht nur das AF-Messfeld setzen, sondern der Fotograf kann auch durch Menüs und aufgenommene Bilder navigieren. Für den Monitor stehen außerdem verschiedene Farbvoreinstellungen zur Verfügung. Der Sucher hat unverändert eine Vergrößerung von 0,71x. Verbessert wurde laut Canon der Spritzwasserschutz, der nun auf den Niveau der EOS 7D Mark II liegt. Der Verschluss ist für 200.000 Auslösungen getestet (5D Mark III: 150.000). Die Spiegelmechanik hat Canon wie in der EOS 5DS/5DS R überarbeitet, sodass sie vibrationsärmer arbeitet.

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EOS 5D Mark IV

Der CMOS-Sensor löst 30 Millionen Pixel auf, die sich wiederum aus jeweils zwei Fotodioden zusammensetzen

© Canon

30 Millionen Dual-Pixel

Das Innenleben hat sich komplett verändert. Das neue Herzstück ist ein 30-Megapixel-Sensor mit integriertem Dual-Pixel-CMOS-AF (DPAF). Die Technologie ist bereits aus der EOS 70D, 80D und – erstmals im Vollformat – von der EOS-1D X Mark II bekannt. Hierbei setzen sich die Pixel aus je zwei Fotodioden zusammen, die zur Fokussieren getrennt ausgelesen werden können und so im Live-View- und Videomodus einen relativ schnellen Autofokus mit sanfter Schärfeverlagerung ohne Pumpen ermöglichen – was im kurzen Test mit dem uns zur Verfügung stehenden Vorseriengeräte und dem neuen EF 4/24-105 L IS II USM bereits prima funktionierte.

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Canon EOS 5D Mark IV

EOS 5D Mark IV mit Batteriegriff BG-E20

© Canon

Die EOS 5D Mark IV nutzt die doppelten Fotodioden aber erstmals noch für andere Funktionen: Sie kann „Dual Pixel Raw“-Dateien aufnehmen, die doppelt so groß sind wie herkömmliche Raws. Pro Pixel liegen also zwei Aufnahmen aus leicht versetzter Perspektive vor. In Canons Raw-Konverter Digital Photo Professional können diese genutzt werden, um den Schärfepunkt nachträglich leicht zu verlagern. Ist die Schärfe bei einem Portrait beispielsweise von den Augen auf die Nase verrutscht, so lässt sie sich nachträglich auf die Augen legen. Optimal soll dies bei Brennweiten zwischen 50 und 200 mm und großen Blendenöffnungen (ab f/5,6) funktionieren. Das nachträgliche Verschieben des Unschärfebereichs (Bokeh-Verlagerung) sowie die Reduzierung von Geisterbildern sind mit Dual Pixel Raw ebenfalls möglich.

Laut Canon wurde der neue Sensor auch im Hinblick auf die Bildqualität optimiert und erreicht bessere Dynamikwerte. Die Rauschunterdrückung soll dank neuer Algorithmen zu bessere Lowlight-Ergebnissen führen – die ISO-Werte reichen von 100 bis 32.000 und lassen sich auf 50 und bis zu 102.400 erweitern. Der neue Bildprozessor DGIC 6+ beherrscht bei JPEGs diverse Objektivkorrekturen direkt in der Kamera – erstmals lässt sich auch der aus dem Raw-Konverter Digital Photo Professional bekannte „Digital Lens Optimizer“ (DLO) mit objektivspezifischen Schärfungsalgorithmen direkt in der Kamera anwenden.

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Canon EOS 5D Mark IV

Die Mark IV ist mit eimem großen Statusdisplay ausgestattet

© Canon

Autofokus, Serienbilder und Video

Der Autofokus ähnelt dem des Profi-Flaggschiffs EOS-1D X Mark II: Zur Verfügung stehen wie schon bei der EOS 5D Mark III 61 Messfelder mit 41 Kreuzsensoren. Allerdings decken sie nun einen größeren Bereich ab und es sind bei einer Lichtstärke von f/8 (beispielsweise f/4-Zoom mit 2x-Telekonverter) noch alle 61 Messfelder nutzbar, davon 21 als Kreuzsensoren. Die Empfindlichkeit wurde außerdem von -2 EV auf -3 EV (entspricht etwa Mondlicht) verbessert – im Live-View beträgt sie sogar -4 EV. Optimiert wurde auch der Belichtungsmesssensor, der nun 150.000 Pixel mitbringt und auch für Infrarot empfindlich ist. Seine Daten werden von einem eigenen DGIC-6-Prozessor verarbeitet und unterstützen den Autofokus bei der Motivverfolgung und der Gesichtserkennung. Serien mit AF-Nachführung schießt die EOS 5D Mark IV mit 7 Bildern/s – bei JPEGs ist die Dauer nur von der Größe der Speicherkarte begrenzt, bei Raws sind 21 Bilder in Folge möglich. Im Live-View sinkt die Serienbildgeschwindigkeit bei aktiviertem Servo-AF auf gut 4 Bilder/s.

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Andreas Jordan mit EOS 5D Mark IV

Die EOS 5D Mark IV hinterließ beim ersten Hand-on einen hervorragenden Eindruck

© Jörg Ammon

Wie schon die EOS-1D X Mark II nimmt auch die 5D Mark IV 4K-Video nach dem DCI-Standard (M-JPEG-Komprimierung) mit maximal 4096 x 2160 Pixel auf (17:9). Im 4K-Modus wird das Bildfeld für die beste mögliche Qualität beschnitten: Der 1,74x-Crop sorgt dafür, das die Pixel des Sensors 1:1 auf das Video übertragen werden können. Die Bildfrequenz liegt bei 30, 25 oder 24 B/s, bei Full-HD sind auch 60 B/s möglich. Zeitlupen kann die Kamera mit 120 B/s aufnehmen, allerdings nur mit 1280 x 720 Pixeln. Aus dem 4K-Video kann die Kamera Einzelbilder mit 8,8 Megapixeln speichern. In Full-HD steht außerdem ein HDR-Videomodus zur Verfügung, der Aufnahmen mit vergrößertem Belichtungsumfang aufnimmt. Neben der internen Aufzeichnung auf Speicherkarte ist auch die saubere HDMI-Ausgabe auf externe Rekorder möglich – allerdings nur in Full-HD und nicht in 4K.

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Canon EOS 5D Mark IV

Das Chassis besteht aus Magnesium

© Canon

Wi-Fi und GPS integriert

Neu ist das Wi-Fi-Modul mit NFC-Verbindungsaufbau, das auch zur Fernsteuerung der Kamera per Smartphone-App genutzt werden kann und eine Reichweite von 15 Metern hat. Optional lässt sich aber auch der externe Transmitter WFT-E7 mit einer Reichweite von 150 m verwenden. Das integrierte GPS-Modul kann den EXIF-Bilddaten die passenden Standortinformationen hinzufügen. Vor allem für den professionellen Einsatz dürfte die Möglichkeit interessant sein, am Computer erstellte IPTC-Vorlagen mit Schlagwörtern in die Kamera zu übertragen – beispielsweise gezielt für ein bestimmtes Shooting oder einen Sport-Event.

Weitere Funktionen der EOS 5D Mark IV sind der Bildstil „Finedetail“, ein Intervall-Timer, Zeitraffer-Videos, zwei Speicherkarten-Slots (SD und CompactFlash) und eine USB-3.0-Schnittstelle. Als Zubehör ist unter anderem der neue Batteriegriff BG-E20 für ca. 400 Euro erhältlich. Die Kamera ist ab Mitte September für 4065 Euro (UVP) erhältlich.

Außerdem neu im Sortiment ist die Wi-Fi-Karte W-E1.

Mehr zur EOS 5D Mark IV lesen Sie in fotoMAGAZIN 10/2016, das ab dem 17.9. erhältlich ist.

Canon EOS 5D Mark IV

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.