Ausprobiert: Panasonic-Flaggschiff Lumix G9 mit Pixel-Shift (aktualisiert)

Ab Ende Dezember für ca. 1700 Euro erhältlich
08.11.2017

Professionelle Ansprüche soll Panasonics neues Flaggschiff Lumix G9 erfüllen. Die 20-Megapixel-Kamera kann per Pixel-Shift Bilder mit 80 Megapixeln erzeugen und schießt bis zu 60 Bilder pro Sekunde. Wir konnten bereits ein Vorserienmodell ausprobieren und zeigen erste Bilder

panasonic_g9_058_fy2017_lumix_g9_frontal_nur_body.jpg

Panasonic Lumix G9

Der Sensor löst wie schon in der GH5 20,3 Megapixel auf und kommt ohne Tiefpassfilter aus. Neu ist die Anti-Reflex-Beschichtung

Bild: Panasonic

Der erste Eindruck:Panasonic hat an der Ergonomie gearbeitet. Die Lumix G9 ist etwas kleiner und leichter (658 statt 725 g) als das videozentrierte Flaggschiff GH5, hat aber ein größeren Griff und liegt damit besser in der Hand. Auch das sonstige Design hat sich gegenüber den bisherigen Lumix-Modelle ein wenig geändert. So sticht der kantige und relativ große Sucherhügel hervor. Von oben gesehen fällt das sehr große Status-Display auf, das die wichtigsten Einstellungen auf einen Blick anzeigt. Das verriegelbare Moduswahlrad ist auf die linke Seite gewandert, darunter liegt – getrennt durch einen roten Ring – das Drive-Rad (Serienbilder, 6K-Fotofunktionen, Selbstauslöser, Intervallaufnahmen). Die Bedienelemente auf der Rückseite sind ähnlich angeordnet wie bei der GH5: Dazu zählt der Joystick, der zum Verschieben des AF-Feldes genutzt werden kann, und das Daumenrad. Auf der Vorderseite ist ein kleiner Hebel hinzugekommen, mit dem sich die Kamera schnell lautlose stellen lässt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der sehr leichtgängige  Auslöser.

panasonic_image_g9_h_es200_splashproof.jpg

Panasonic Lumix G9

Die Lumix G9 mit dem neuen Leica 2,8/200 mm Power O.I.S.

Bild: Panasonic

Den professionellen Ansprüchen entsprechend ist die G9 sehr robust: Front- und Rückrahmen des Gehäuse bestehen aus einer Magnesiumlegierung, die Kamera ist staub- und spritzwassergeschützt und bis -10 Grad Celsius frostsicher. Wie bei der GH5 hat Panasonic übrigens keinen Gehäuseblitz eingebaut. Der mechanische Verschluss ist für 200.000 Auslösungen ausgelegt und schafft 1/8000 s (Blitzsynchronzeit: 1/250 s), für kürzere Zeiten und lautlose Auslösen sorgt der elektronische Verschluss (bis zu 1/32.000 s).

panasonic_g9_058_fy2017_lumix_g9_rueckseite.jpg

Panasonic Lumix G9

Die Bedienung ist mit Joystick und Daumenrad schnell und komfortabel gelöst

Bild: Panasonic

Herausragende Sucher

Der Monitor ist wie bei den meisten Panasonic-Kameras dreh- und schwenkbar gelagert und erlaubt die Touch-Bedienung. Er fällt allerdings etwas kleiner aus als bei der GH5 (3,0 statt 3,2 Zoll, 1,04 statt 1,62 RGBW-Bildpunkte). Eine echte Augenweide ist der OLED-Sucher. Er hat dieselbe sehr hohe Auflösung wie in der GH5 (3,68 Millionen Punkte) ist aber noch etwas größer (Vergrößerung im Vergleich zum Kleinbild 0,83x statt 0,76x) und damit aktuell der größte fest eingebaute Sucher aller spiegellosen Systemkameras (bei Fujis Mittelformatkamera GFX 50S wird ein Aufstecksucher mitgeliefert, der eine Vergrößerung von 0,85x hat).

panasonic_g9_058_fy2017_lumix_g9_von_oben.jpg

Panasonic Lumix G9

Das große Status-Display zeigt die wichtigsten Einstellungen auf einen Blick

Bild: Panasonic

Im Praxistest hinterließ er einen hervorragenden Eindruck. Damit auch schnelle Schwenks absolut flüssig ablaufen, lässt er sich von 60 auf 120 B/s umschalten (der Sucher der GH5 schafft nur 60 B/s). Sehr gut: Bei schnellen Serien mit elektronischem Verschluss zeigt die Kamera alle Bilder ohne Unterbrechung (Dunkelphase) an. Wem der Sucher zu groß ist, der kann ihn übrigens für eine bessere Übersicht auf eine Vergrößerung von 0,77x oder 0,7x umstellen. Sowohl der Sucher als auch der Monitor zeigen bei Bedarf eine dreidimensionale Wasserwaage an und lassen sich in einen relativ dunklen, rötlichen Nachtmodus versetzen, um die Augen zu schonen und beispielsweise keine Tiere zu stören.

panasonic_g9_058_fy2017_lumix_g9_zusatzakku.jpg

Panasonic Lumix G9

Den Batteriegriff mit Hochformatauslöer gibt es für G9-Frühbucher ohne Aufpreis

Bild: Panasonic

Verbesserte Bildqualität

Panasonic verspricht für die G9 die beste Bildqualität aller Lumix-Kameras. Der Bildsensor löst wie in der GH5 20 Megapixel auf und kommt für eine hohe Auflösung ohne Tiefpassfilter aus. Eine verbesserte Bildqualität will Panasonic durch eine Anti-Reflex-Beschichtung des Sensors erreichen, die Geisterbilder und Reflexe minimieren soll. Der neue Venus-Engine-Bildprozessor soll außerdem für einen größeren Dynamikumfang und eine bessere Darstellung von Himmel oder menschlicher Haut sorgen. Unser Vorserienmodell hinterließ bei der Bildqualität bereits einen sehr guten Eindruck, Details wird der Labortest eines Serienmodells zeigen.

Bereits ausprobieren konnten wir auch den neuen Pixel-Shift-Modus. Hierbei nimmt die Kamera acht Bilder auf, wobei der Sensor minimal verschoben wird, und speichert direkt in der Kamera ein zusammengesetztes Bild mit bis zu 80 Megapixeln (JPEG oder Raw). Zum Vergleich:Olympus nutzt in der O-MD E-M1 Mark II, Pen-F und OM-D E-M5 Mark II ein ähnliches Verfahren, Sony schafft per Pixel-Shift in der deutlich teureren Vollformatkamera Alpha 7R III sogar 169 Megapixel (die Bilder werden hier allerdings erst im Raw-Konverter am Rechner zusammengesetzt), Ricoh Pentax nutzt den Pixel-Sift in einigen Kameras um pro Pixel die vollen RGB-Farbinformationen zu erfassen. Obwohl die acht Bilder sehr schnell hintereinander aufgenommen werden, sind die Voraussetzungen für den Einsatz des Pixel-Shifts ein Stativ und ein weitgehend statisches Motiv.

panasonic_g9_mkit_jacksideopen.jpg

Panasonic Lumix G9

Beide Speicherkarten-Slots unterstützen den schnellen UHS-II-Standard

Bild: Panasonic

Die Lumix G9 unterstützt die duale Bildstabilisierung; das heißt, sie kann den Sensor-Shift (auf 5 Achsen) mit dem Bildstabilisator im Objektiv (2 Achsen) kombinieren. Neu ist, dass auch Informationen eines Beschleunigungssensors genutzt werden. Die Effektivität des dualen Bildstabilisators soll so bis zu 6,5-EV-Stufen reichen – einen vergleichbaren Wert erreicht zur Zeit nur die Olympus OM-D E-M1 Mark II zusammen mit den 4/12-100 mm IS Pro.

panasonic_g9_lkit_slant_micro.jpg

Panasonic Lumix G9

Ein Mikrofonanschluss ist vorhanden

Bild: Panasonic

Rasante Geschwindigkeit und 6K-Foto

Ähnlich wie die Olympus OM-D E-M1 Mark II schießt auch die G9 Serien mit bis zu 60 Bildern/s bei voller Auflösung (auch Raw). In dieser höchste Geschwindigkeitstufe wird allerdings der Autofokus nicht nachgeführt. Mit AF-Nachführung und elektronischem Verschluss landet sie bei 20 Bildern/s (jeweils mehr als 50 Raws in Folge). Bei Nutzung des mechanischen Verschlusses sind 12 B/s (AF-S) bzw. 9 B/s (AF-C) möglich. Für die beiden schnellsten Serienbildmodi mit elektronischem Verschluss stehen (ähnlich wie in der Olympus E-M1 Mark II) Pre-Burst-Funktionen zur Verfügung, bei denen die Kamera bereits vor dem Auslösen Bilder in einen temporären Speicher schreibt und dann auch die Sekunde vor dem Auslösen auf der Speicherkarte sichert. Der kontrastbasierte Autofokus mit 225 Messfeldern nutzt die DFD-Technologie (Depth from Defocus), eine schnelle Sensorauslesung mit 480 Bildern/s und arbeitet bei sehr wenig Licht (bis -4 EV). Auch eine Augenerkennung ist an Bord.

videovergleich.jpg

Panasonic Lumix G9

Die GH5 bringt viele Highend-Videofunktionen mit, die der G9 und der kleinen Schwester G81 fehlen

Bild: Panasonic

Videos zeichnet die G9 mit 4K-Auflösung auf (3840 x 2160 Pixel, bis zu 60 Bilder/s, 2x-Zeitlupen); bei Full-HD sind bis zu 180 Bilder/s (6x-Zeitlupe) möglich. Für die Tonaufnahme stehen Kopfhörer- und Mikrofon-Anschlüsse zur Verfügung. Im Vergleich zur GH5 fehlen einige professionelle Videofunktionen wie V LogL, 4:2:2/10 Bit-Aufnahmen, die Unterstützung für anamorphe Objektive, Synchro-Scan oder Timecode (siehe Tabelle).

vergleich_gh5.jpg

Panasonic Lumix G9

Die Lumix G9 hat im Fotobereich Vorteile gegenüber der GH5, die allerdings die professionellern Videofunktionen mitbringt

Bild: Panasonic

Die 4K- und 6K-Foto-Funktionen der GH5 stehen dagegen im vollen Umfang zur Verfügung. Bei 6K-Foto nimmt die G9 kurze Videos mit 30 Bildern/s und 18 Megapixeln auf. Alternativ gibt es 4K-Foto (8 Megapixel) mit 60 Bildern/s. Wie in der GH5 lassen sich die 4K/6K-Foto-Funktionen nutzen, um beispielsweise schon vor dem Auslösen aufzunehmen („6K Pre-Burst“), die Schärfeebene nachträglich zu wählen („6K Post-Focus“) oder bei Makroaufnahmen aus den verschiedenen Schärfeebenen eine Aufnahme mit großer Schärfentiefe zu generieren („Focus-Stacking“). Hierbei kann der Fotograf festlegen, welcher Fokusbereich für das Stacking genutzt werden soll. So ist es beispielsweise möglich, das Hauptmotiv komplett scharf abzubilden und den Hintergrund unscharf zu belassen.

panasonic_g9_lkit_front_k_fl580l.jpg

Panasonic Lumix G9

Einen eingbauten Blitz hat die G9 nicht. Neben einem Blitzschuh ist aber eine Synchronbuchse vorhanden

Bild: Panasonic

Für eine dauerhafte Verbindung mit einem Smartgerät (iOS und Android) ist die G9 mit Bluetooth 4.2 Low Energy ausgestattet. Auf diesem Weg können auch GPS-Daten vom Smartphone übernommen werden. Die Fernsteuerung mit Live-Bild und die drahtlose Bildübertragung findet über eine Wi-Fi-Verbindung statt, wobei neben dem 2,4-Ghz- auch das 5-Ghz-Band zur Verfügung steht. Für Speicherkarten stehen zwei Slots zur Verfügung, welche die schnellen UHS-II-SD-Karten unterstützen. Die Datenverbindung zum Computer findet über eine USB 3.0-Verbindung statt, über welche auch der Akku geladen werden kann. Weitere Funktionen der G9 sind Doppelbelichtungen, HDR, Zeitraffer, ein integrierter Raw-Konverter und eine Blitzsynchronbuchse.

Verfügbarkeit und Preis

Die Lumix G9 kommt voraussichtlich Ende Dezember für rund 1700 Euro in den Handel. „Frühbucher“ können die Kamera im Handel vorbestellen und sich so kostenlos den Akkugriff DMW-BGG9 im Wert von rund 350 Euro sichern, der Akkulaufzeit von rund 400 auf 800 Aufnahmen verdoppelt. Außerdem sind zwei Kits erhältlich: Mit dem 3,5-5,6/12-60 mm O.I.S. werden rund 1900 Euro fällig, für das Kit dem dem Leica 2,8-4/12-60 mm O.I.S. ca. 2300 Euro.

Panasonic Lumix G9 - erste Bilder mit dem Vorserienmodell

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.